Friedrich-Hundt-Gesellschaft zeigt Thomas Kellner im Stadtmuseum
Wirklichkeit kunstvoll detailliert

Münster -

Pixel, Raster, Kaleidoskop. Alles falsch. Die erste Anmutung, die einen Betrachter der Fotografien von Thomas Kellner anfällt, läuft ins Leere und führt in die Irre. Und das Stichwort Photoshop grenzt fast schon an Beleidigung. Denn die Fotokunst des gebürtigen Rheinländers ist höchst analog, malerisch gedacht und enthüllt geradezu die Abbild-Lüge eines jeden Bildes. Die Friedrich-Hundt-Gesellschaft zeigt im Stadtmuseum die Serie „Black & White“.

Mittwoch, 04.09.2019, 11:14 Uhr
Die Friedrich-Hundt-Gesellschaft zeigt im Stadtmuseum eine Ausstellung mit Fotografien des Künstlers Thomas Kellner (Foto). In „Black & White“ sind seine künstlerischen Vorstellungen seit den Eiffelturm-Aufnahmen von 1997 nachzuvollziehen.
Die Friedrich-Hundt-Gesellschaft zeigt im Stadtmuseum eine Ausstellung mit Fotografien des Künstlers Thomas Kellner (Foto). In „Black & White“ sind seine künstlerischen Vorstellungen seit den Eiffelturm-Aufnahmen von 1997 nachzuvollziehen. Foto: Gerhard H. Kock

Die Schwarz-weiß-Aufnahmen aus dem Zeitraum von 1997 bis 2005 stellen nicht nur eine ungewöhnliche künstlerische Methode vor, sondern zeigen zugleich auch deren Entwicklungspotenzial. Kellners Fotografie hat etwas vom Impressionismus, der am Ort seinen künstlerischen Eindruck sucht und das Werk im Atelier „nur“ vollendet. Seine Fotografie hat etwas vom Kubismus, beziehen sich seine ersten faszinierend spielerischen Auffassungen des Pariser Wahrzeichens doch dezidiert auf Robert Delaunays kubistischen Eiffelturm. Auch fotografische Arbeiten von David Hockney scheinen nicht fern. Doch Kellners Fotografien sind eben keine Collagen. Der Künstler aus Siegen hat eine höchst eigene künstlerische Auffassung entwickelt.

Keller erstellt von seiner Bildvorstellung des Objektes eine Skizze. Zumeist sind es Ikonen der Architektur aus London, Los Angeles, Bilbao, vor die er seine Kamera stellt. Für ein Bild fotografiert er einen 36er 35-Milimeter-Film voll. Und diese Aufnahmen werden nur in Reihe geschnitten und als Kontaktabzug belichtet. Das sind die fertigen Bilder, die aber die kunstvolle Reihenfolge einer Detailbetrachtung des Künstlers sind. Dafür erstellt Kellner vorab ein Storyboard, das für jede Aufnahme einen Blickwinkel, eine Kamerawinkelstellung vorgibt. Dabei steht die Kamera stets an einem Fixpunkt.

Die derart fotografierten Gebäude scheinen von Kellner zerlegt worden zu sein. Doch der Begriff Dekons­truktion ist irreführend, denn hier wird nicht zerstört, vielmehr stellt Kellner mit den erkannten und auf Film gebannten Details eine Neukonstruktion vor, aus dem Objekt gewonnene Strukturen und Muster wirken wie neu gedacht. Die Fotografien wirken, als erinnerten sich die vor Ort fotografisch fixierten Elemente nur noch vage an jene Zeit und jenen Raum, als suchten sie einen neuen Platz in der Darstellung, als „detaillierte“ sich ihre Wirklichkeit neu zusammen.

Dokumentieren Filmstreifen üblicherweise die Abfolge von Zeit (siehe Kinofilm), repräsentieren Kellners Fotofolgen eine Abfolge von Raum – möglichem Raum. Setzt das Gehirn bei seiner Interpretation des Wahrgenommenen die Elemente in der Regel plausibel zusammen, fixiert Kellner den Augenblick seiner Betrachtung. Letztlich sind Detailfotos im Augenblick der Aufnahme ein komplettes Bild.

Zudem legt Kellner seinen Wahrnehmungs- und Arbeits-Prozess offen. Wie auf Kontaktabzügen üblich sind die Codierungszeichen zu lesen und belegen, dass hier eine Aufnahme nach der anderen gemacht wurde, dass auf Bild 26 das englische Parlament in London nach links kippt, auf Bild 27 nach rechts und Big Ben auf Bild 28 auf Westminster Palace stürzt (noch unpolitisch vor dem Brexit . . .).

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Die Ausstellung wird am Samstag (7. September) um 21 Uhr im Stadtmuseum, Salzstraße, eröffnet.

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