Premiere im U2 des Theaters: Samuel Becketts „Endspiel“
Zwei alte Männer witzeln herum

Münster -

Es ist wie „Warten auf Godot“. Nur ohne Gott. Und damit nicht der Hauch von Transzendenz aufkommt, lässt Samuel Beckett seine „Endspiel“ nicht in der Weite einer Landschaft, sondern im Keller spielen. „Es wird finster und traurig“, sagt Max Claessen. „Es darf gelacht werden.“

Freitag, 06.09.2019, 23:46 Uhr aktualisiert: 07.09.2019, 00:00 Uhr
Schatten ihrer selbst: Alte Männer (Frank-Peter Dettmann und Wilhelm Schlotterer, v.l.) unterhalten sich in Becketts „Endspiel“.
Schatten ihrer selbst: Alte Männer (Frank-Peter Dettmann und Wilhelm Schlotterer, v.l.) unterhalten sich in Becketts „Endspiel“. Foto: Oliver Berg

In dem Schauspiel steigert Literaturnobelpreisträger Beckett vier Jahre nach seinem Bestseller „Godot“ noch mal das Setting: Zwei Männer unter sich. Sonst nichts, außer Eltern in der Tonne. Aber selbst die werden in der Inszenierung von Max Claessen lediglich auf absurde Weise anwesend sein. Hamm (Wilhelm Schlotterer) ist der Herr im Haus und Clov (Frank-Peter Dettmann) sein Diener. Ham ist blind und kann nicht gehen, dafür kann Clov sehen, sich aber nicht setzen. Es ist absurd. Claessen: „Das Endspiel ist konsequenter sinnlos, kryptischer.“ Und man hört ihm die Lust an, diese „Klamotte“ in den intimen Raum des U2 zu bringen. Das Thema Bedeutungslosigkeit werde mit noch leichterer Hand erzählt.

Beim Herrn Ham greife Beckett auf tief verankerte Figurentypen wie den alten King Lear oder den Don Juan zurück, so Claessen: Und im Diener Clov finden Sisyphos sowie Weißclown und Dummer August ihren Widerhall. Beckett präsentiere im „Endspiel“ 500 Jahre Kulturgeschichte „in einfachster Form“, findet der Regisseur. Dabei gehe weniger um den Inhalt, sondern um das Spiel. Immer wieder lenke Beckett die Aufmerksamkeit auf große Gedanken über Religion oder Philosophie, nur um abrupt abzubiegen und damit zu sagen: „Darum geht es nicht.“

Es scheint, als wolle Regisseur Claessen dem Denkmal Beckett erlauben, vom Postament zu steigen, seinen Heiligenschein abzulegen. Den Witz „Warten auf Godot“ kenne jeder Bauarbeiter. Im „Endspiel“ zeige Beckett schlicht zwei Figuren, die einfach da sind: „Man sieht zwei alte Männer, die rumwitzeln.“

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Die Premiere (Restkarten) ist am Donnerstag (12. September) um 19.30 Uhr im U2 im Theater, Neubrückenstraße 63. Vorstellungen: Samstag (14. September) um 19.30 Uhr und 21. September um 18 Uhr. Karten: ' 5 90 91 00.

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