Theater X: Premiere in der Meerwiese
Ein Defilee schräger Typen

Münster -

Dixie-Klo, Sitzbänke und ein großer Abfalleimer – alles was eine Autobahn-Raststätte braucht, hat das Theater X auf die Bühne an der Meerwiese gebaut. Sogar ein Restaurant gibt es, in dem eine resolute Damenmannschaft die notorischen Schnitzel mit Pommes frittiert. Das Bier kostet noch freundliche Zweifünfzig, und hinter der Theke hängt ein Bild von Helmut Kohl, der wohl auch einmal dagewesen sein muss. Jetzt sind es aber ganz andere Menschen, die den Ort zum Schauplatz eines knapp zweistündigen Theaterabends machen.

Sonntag, 08.09.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 19:19 Uhr
Dem Pächter gefällt es gar nicht, dass sich die Demonstrantinnen in seiner Autobahn-Raststätte breitmachen und dort ihre Parolen verbreiten.
Dem Pächter gefällt es gar nicht, dass sich die Demonstrantinnen in seiner Autobahn-Raststätte breitmachen und dort ihre Parolen verbreiten. Foto: jas

Sagenhafte 25 Amateurschauspielerinnen und -schauspieler hat Regisseur Alexander Becker für seine selbst verfasste Rastplatzgeschichte „Letzte Ausfahrt Rechts“ rekrutiert. Gleich zu Beginn stürmen sie die Bühne als Demonstrationszug, der Entschleunigung fordert und für mehr Frauenrechte im Verkehr kämpft. Wie auch immer das aussehen soll – dem Pächter der Raststätte gefällt derartiger Aktionismus gar nicht, und er liefert sich mit den Demonstrantinnen ein heftiges Wortgefecht, das die Betriebstemperatur des Stücks schnell in die Höhe treibt.

Eigentlich ist es gar keine richtige Geschichte, die hier erzählt wird. Vielmehr handelt es sich um ein Defilee unterschiedlichster Gruppen und Typen, die an der Raststätte zusammenkommen. Da gibt es zum Beispiel eine gestrandete Sängerin, die sich den Schlagerfrust von der Seele redet, während ihre Managerin sich still besäuft. Zwei bunt gekleidete Anhalterinnen wollen noch mal in die wilden Jahre ihrer Hippiezeit zurück, und ein größerer Posten Klosterschwestern macht sich auf die Suche nach der Autobahnkirche „Zur letzten Ausfahrt“, einen Papst aus Pappe im Gepäck.

Dass aus dem collageartig angelegten Stück doch noch eine Geschichte wird, liegt nicht nur an der Einheit von Zeit und Ort, sondern auch an szenenübergreifenden Figuren wie dem ehrgeizigen Reporter Malte, der auf dem Rastplatz eine heiße Story wittert und schließlich in den weichen Armen einer osteuropäischen Küchenhilfe landet. Und dass die Aufführung Spaß macht, liegt an den originellen Kostümen, den eindrucksvoll inszenierten Massenszenen und an der Spielfreude, mit der das generationenübergreifende Ensemble an die Sache herangeht.

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Weitere Aufführungen am 10. und 11. September um 20 Uhr im Theater in der Meerwiese

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