Wolfgang-Borchert-Theater zeigt deutsche Erstaufführung von „Der König lacht“
Düsteres Märchen über die Macht

Münster -

„Das Gute und das Böse sind keine Aspekte des Menschlichen, sondern des Systems, in dem wir uns befinden.“ Daher gefiel Luisa Guarro das Märchen vom Vogelgreif „überhaupt nicht“. „Guter“ und „böser“ Bruder – dieses Entweder-oder, diese absoluten Wahrheiten, das wollte die Mutter ihrem Sohn Yuri nicht mit auf den Weg geben. „Jeder ist verantwortlich für die eigene Wahrheit, und er kann sie verändern.“ Und so hat die italienische Autorin und Theaterregisseurin das Märchen vom Vogelgreif zum „Der König lacht“ umgeschrieben: „Das Märchen erzählt auf eine überrealistische Weise über das Leben, wie es wirklich ist.“

Donnerstag, 12.09.2019, 15:42 Uhr
Luisa Guarro (kl. Bild) hat ein philosophisches Märchen geschrieben, mit dem das Borchert-Theater seine Spielzeit eröffnet – in der Hauptrolle Meinhard Zanger (l.).
Luisa Guarro (kl. Bild) hat ein philosophisches Märchen geschrieben, mit dem das Borchert-Theater seine Spielzeit eröffnet – in der Hauptrolle Meinhard Zanger (l.). Foto: T. Weidner

Die Geschichte: Der König weiß, dass er nicht mehr lange leben wird, und um seinen Nachfolger zu bestimmen, schickt er seine beiden Söhne auf eine Reise in die Wälder des Landes. Denn dort haust ein sonderliches Wesen, der Greif: Der Vogel ist in der Lage, die Seele eines Menschen zu lesen. Doch er lässt sich nur von dem „Richtigen“ ansprechen; von dem, der auch würdig ist, die Thronfolge anzutreten. Die beiden Prinzen machen sich also auf die Suche nach diesem Vogel, um zum Beweis eine silberne Feder zurückzubringen. Jeder der Brüder will an diese Beute gelangen. Und keiner der beiden ist bereit, dem anderen das Feld zu überlassen . . .

Die deutsche Erstaufführung des düsteren Märchens für Erwachsene über Macht, Gier und Grenzen der Loyalität inszeniert Luisa Guarro selbst und besorgt Bühne und Kostüme gleich mit, lediglich das Licht kommt von ihrem Light-Designer Paco Summonte (auch Neapel). Zur Aufführung gibt es Musik von Nick Cave und Tom Waits.

Intendant Meinhard Zanger hat zusammen mit Aenne Busmann das Stück ins Deutsche übertragen und steht (nach „Heisenberg“ in der vorigen Spielzeit) wieder selbst auf der Bühne – in der Rolle des Königs. An seiner Seite spielen Florian Bender und Johannes Langer.

Tanja Weidner (Chefdramaturgin am WBT): „Die Regisseurin ist eine Theater-Magikerin, die auf der Suche nach einfachen, starken Bildern tänzerische, choreographisch-musikalische Elemente einsetzt. Auf der Bühne entsteht ein clowneskes Spiel mit tiefen Einsichten in die Abgründe des Menschen.“

Das Stück wurde 2015 auf Italienisch in Neapel uraufgeführt. 2017 zeigte Guarro die Produktion in Münsters Partnerstadt Rjasan auf dem Internationalen Festival, wo das WBT die „Schroffensteins“ zur russischen Premiere brachten. Persönlich kennen gelernt hat das Borchert-Theater die Autorin im Sommer 2018 in Rjasan auf dem Festival der Alten Städte. Im Herbst haben Zanger und Weidner in Neapel ein Stück von Guarro gesehen („Mi chiamo Omar“) und sie daraufhin eingeladen, am WBT zu arbeiten.

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Die Premiere ist am Samstag (14. September) um 20 Uhr im Borchert-Theater, Am Mittelhafen 10. Karten: ' 400 19.

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