Consord-Ensemble lockt in ferne Klangwelten
Von Kuhglocke bis Kontrabass

Münster -

Es ähnelte der Versammlung einer exklusiven Gesellschaft: Das Instrumentarium für das Gastkonzert „Hör zu“ mit dem „Consord“-Ensemble in der Musikhochschule bot von Kuhglocken bis zu chromblitzenden Klangrohren Schlagzeug aller Arten, dazu Flügel und einen Kontrabass mit dem Rücken zum Publikum: Eine szenische Terra Incognita (bisher) fremder Klänge.

Sonntag, 15.09.2019, 16:58 Uhr aktualisiert: 18.09.2019, 18:57 Uhr
Das Consord-Ensemble aus Münster lotet die Tiefen aller möglichen Klangwelten aus.
Das Consord-Ensemble aus Münster lotet die Tiefen aller möglichen Klangwelten aus. Foto: Moseler

„Der Titel des Programms ,Hör zu’ befasst sich mit der manipulierenden Kraft der Musik“, hieß es zu Beginn einführend, und Brigitta Munterdorfs gleichnamiges Stück drehte sich um den Ton „e“, der hier fast genüsslich von Tuba, Trompete, Horn, Flöte, Fagott e tutti quanti zerteilt, gestreckt, unter Clustern vergraben, über Repetitionsstrecken gejagt oder von Kontrabass-Tremoli wie in finstere Tropfsteinhöhlen verbannt schien. Doch aus diesen Tumulten tauchte der Ton „e“ stets unversehrt wieder auf, schien extremste Spannungen spielend zu überstehen, die ein Klangmaterial pulverisierten, das den Ton „e“ umschwirrte wie einen fremden Planeten.

Die erste Uraufführung des Abends galt Elnaz Seyedis „frames I“, das den berühmten A-Dur/a-Moll-Akkordwechsel in Gustav Mahlers Sechster Sinfonie thematisierte. Dumpfe Trommelwirbel, rumorende Bässe, (Kuh-)Glockenschläge und wiederkehrende Akkord-Dissonanz der Blechbläser erinnerten wie von fern an mahlersche Personalstilistik wie „tragische“ Diktion der Sinfonie. Inmitten eines ruhigen Tempos hob der Akkord stets an, um von archaischen Klangräumen überwältigt zu werden, während aus plötzlichem Verstummen Echolaute einzelner Instrumente an die Klangoberfläche drangen – dann war plötzlich Schluss. Das ist ein kleines Dilemma bei Uraufführungen neuer Musik: Man weiß nie genau, wann geklatscht werden darf.

Muntendorfs „reinhören“ bezog sich auf Anton von Weberns Bagatellen für Streichquartett op.9 – klassische Avantgarde und in ihrer Radikalität beinahe eine Furie musikalischen Verschwindens – Mutendorfs Musik wendete dagegen die Hitze- und Kältegrade von Weberns rätselhaften Geheimkürzeln beinahe ins Großsinfonische. Nach Mutendorfs „durchhören“, wo Unkenrufe des Fagotts eine gewisse Komik ins ernste Geschehen einflochten, folgte mit Gordon Kampes „Schnulzen“ die zweite Uraufführung: Hier krachte es im zünftigen Fortissimo, verwandelte sich Aktion in „action“, rutschten Schnulzen-Zitate in urgemütliches Dur, bevor das veritable Chaos-Spektakel wieder einsetzte und ein Beckenschlag dem populären Gusto einen finalen Ritterschlag verpasste. Das Publikum war ein bisschen platt, aber auch begeistert.

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