Tecklenburger Krokodil-Theater: Uraufführung von „Pudels Kern“
Goethe, umfrisiert

Münster -

Für ihre Kunden soll „Helenas Hunde-Glück“ eine Oase des Wohlbefindens sein. Mit ihrem eigenen Behagen steht es indes nicht so toll. Die Friseurin ist frustriert: Ein Behördenschreiben kündigt Ärger an, alle Diäten fruchten nicht, und auch die Karten für das Konzert des angehimmelten Sängers Rocky sind für sie unerreichbar. Doch dann macht ihr ein zotteliger, vierbeiniger Klient ein Angebot, das sie nicht ausschlagen will.

Sonntag, 22.09.2019, 15:20 Uhr aktualisiert: 28.09.2019, 15:12 Uhr

Der Hund, der Helena die Welt zu Füßen legt und ihre Träume erfüllt, ist ein alter Bekannter. In Goethes „Faust“ verwandelt sich ein nachgelaufener Pudel in den Meister des Bösen, den großen Versucher, Mephistopheles. Er will nicht nur spielen. Er will Helenas Seele.

„Pudels Kern“, eine Produktion des Tecklenburger Krokodil-Theaters, die eine bejubelte Premiere im Charivari feierte, setzt den Faust-Stoff mal gemütvoll, mal mit satirischem Furor in aktuelle Lebenswelten.

Goethe, umfrisiert: An Stelle des alternden Forschers müht sich eine weibliche Otto-Normal-Figur, die Grenzen ihrer Existenz zu überwinden. Gutmütig nimmt sie sich nicht nur des Pudels an, sondern widmet sich auch einem blinden Straßenmusiker (Roman Metzner), der in Wirklichkeit Gottvater inkognito repräsentiert.

Hendrikje Winter mimt mit viel natürlichem, komischem Verve die Hundefriseurin und erweckt oft gleichzeitig Handpuppen oder Stabfiguren zum Leben. Deren Steuerung geht dabei so nahtlos im Wechsel der Rollen auf, dass man eigenständig handelnde Charaktere wähnen könnte. So waltet dort (wie auch im dramatischen Stoff) immer ein Hauch der Magie. Und des Trugbilds.

Bei ihrer wechselvollen, mit stimmungsvollen Hits zum Akkordeon gesäumten Karriere nach dem Teufelspakt begegnet Helena, nachdem ihre Pfunde geradewegs auf die Bühne gepurzelt sind, gar ihrem obercoolen Idol Rocky. Bei dessen Auftritt platzt das Publikum vor Lachen.

Mit viel originellem Witz persifliert das kleine Ensemble unter der Regie von Max Schaetzke die Scheinwelten des Glamours und der Oberflächlichkeit, den Druck der Selbstoptimierung und der Aufmerksamkeitsökonomie. Wünsche verwandeln sich in Alpträume. Aber ein Happy-End ist möglich.

„Es gibt immer Leute mit ’ner Krise“, ist sich auch der teuflische Pudel um seine eigene Zukunft nicht bang, als er sich unter großem Beifall verabschiedet. Fürs erste: „Man sieht sich.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6949303?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
So will das Münsterland die Raupenplage bekämpfen
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können beim Menschen allergische Hautreaktionen auslösen.
Nachrichten-Ticker