Ausstellung in der Halle am Hawerkamp
Bewusst verzahnt zum Jubiläum

Münster -

Zwei gegeneinandergestellte, mit wildem Pinselstrich und poppigen Farben bemalte Folien fallen dem Betrachter ins Auge. Der Platz für die Arbeit des jungen litauischen Künstlers Povilas Ramanauskas in der Mitte der Ausstellungshalle Am Hawerkamp ist exponiert – ohne aber den anderen Werken in der schön konzipierten Ausstellung ihre Wirkung zu nehmen.

Donnerstag, 26.09.2019, 17:36 Uhr aktualisiert: 28.09.2019, 15:12 Uhr
Patricija Gilyte, Ekkehard Neumann, Egle Ulcickaite und Arvydas Zalpys (v. l.), Direktor der Galerie „Meno Parkas“ im litauischen Kaunas, hinter der Arbeit von Povilas Ramanauskas. Rechts die Lichtarbeit von Julija Pociute.
Patricija Gilyte, Ekkehard Neumann, Egle Ulcickaite und Arvydas Zalpys (v. l.), Direktor der Galerie „Meno Parkas“ im litauischen Kaunas, hinter der Arbeit von Povilas Ramanauskas. Rechts die Lichtarbeit von Julija Pociute. Foto: pn

„10+10=20“ ist der Titel der Präsentation, die zehn Aktive des Westdeutschen Künstlerbundes und der Litauischen Künstlervereinigung zusammenbringt. An zwei Orten: Während Ekkehard Neumann als Künstlerbund-Vorsitzender und Mitbegründer der Ateliergemeinschaft Am Hawerkamp die Schau in Münster betreut, wird heute in Enniger eine weitere mit den selben Akteuren eröffnet.

Die Ausstellung zeigt ein breites Spektrum an Arbeiten, die bewusst miteinander verzahnt worden sind, wie Neumann sagt. Der Betrachter erkennt dies besonders gut bei Walter Witteks Zuckerinstallation im hinteren Teil des länglichen Raumes. Das Quadrat aus durchgesiebtem Zucker, das einen durchschimmernden Dorn verbirgt, harmoniert mit Neringa Naujokaites strengen Ecke- und Kantenfotos, die bei der Renovierung der elterlichen Wohnung entstanden. Auch die gegenstandslose Malerei von Michael Bause mit Farbüberlagerungen, die das Ergebnis des „gesteuerten Zufalls“ sind, geht mit den lustigen, bunten Bildern Harald Beckers, der aus einer Art Kinderspielzeug malerisch skurrile Szenen entwickelt, eine schöne Verbindung ein. Michael Müllers surreale Arbeiten, die eine Assoziationskette darstellen und rätselhaft wirken, korrespondieren bruchlos mit dem vegetativ ausgerichteten vierteiligen Werk von Jörg Eberhard, das ganz auf Bildhaftigkeit setzt.

Eindrücklich ist die Arbeit der Litauerin Evelina Velkaite, die einem Bilderzyklus zur Flucht aus Ostpreußen entstammt. Wie Bruchstücke aus Erzählungen dringen mit Kohle gemalte rudimentären Dinge am rechten Rand in das großformatigen Ölbild. Dazu passen Claudia Desgrandes Farbmalereien auf Aluminium mit prägnantem malerischen Duktus und Ausra Vaitkunienes expressive Malerei mit mythologischen Motiven.

Gegenüber fällt Julija Pociutes Lichtarbeit mit aufgegliederter Madonnenfigur ins Auge. Düster, aber gewaltig wirkt dagegen Jonas Ga-siunas’ Gemälde – entstanden über Kopf aus Kerzenruß. Anders dagegen die helle Farbflächenmalerei von Rosanda Sorakaite, aus der florale Formen herausscheinen. Egle Ulcickaite huldigt in ihrem zart gemalten Fliegerbild, das an eine Kriegsimpression denken lässt, dem Schweben, während Bildhauer Ulrich Ludewig Aluminiumobjekte in der Halle platziert hat, die zwar Maschinen ähneln, aber eine absurde Funktionalität aufweisen.

Verbunden seit 20 Jahren

Der Westdeutsche Künstlerbund e.V. und die Litauische Künstlervereinigung und deren Galerie „Meno Parkas“ in Kaunas arbeite seit 20 Jahren erfolgreich zusammen. In dieser Zeit sind wechselseitig zahlreiche Ausstellungsprojekte realisiert worden. Künstler aus beiden Ländern haben an Symposien teilgenommen. Gegenseitige Atelierbesuche, Künstlertreffen und -gespräche haben enge Beziehungen entstehen lassen. Das 20-Jährige wird mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Am Hawerkamp gefeiert und zeitgleich mit einer Präsentation im Haus der Kunst in Enniger.

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Eine Druckserie von Greta Grendaite mit neun amüsanten bis tiefsinnigen Stationen zum Thema Liebe und drei Videoarbeiten runden die sehenswerte Schau ab. Darunter ist auch die Videoperformance „Taube“ von Patricija Gilyte, die 2017 in Venedig bei der Biennale im Palazzo Moro zu sehen war. Auf den Neckarkanälen hat sich Gilyte im Taucheranzug in einem kleinen Schlauchboot durch die Stadt Esslingen treiben lassen – eine skurrile Art eines Stadtporträts.

Zum Thema

Bis zum 13. Oktober in der Ausstellungshalle Am Hawerkamp, Am Hawerkamp 31. Eröffnung heute (27. September) um 18.30 Uhr. Öffnungszeiten: Sa und So 15 - 19 Uhr.

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