Ausstellung im Franz-Hitz-Haus
Eingeweide im Inneren der Häuser

Münster -

Gestalterisch sind die Werkzyklen des Künstlers Yuri Kharchenko, die das Franz-Hitze-Haus im Rahmen ihrer Ausstellung „Identitäten“ zeigt, höchst unterschiedlich. Unter dem Titel „Häuser“ firmieren Großformate zu den Stammvätern Israels, deren sinnliche Farbverläufe und assoziative Formensprache an den abstrakt-expressiven Ausdruck Mark Rothkos oder Barnett Newmans erinnern. Im Inneren der Häuser begegnet dem Betrachter ein Gefüge aus dynamisch-wuchernden Strukturen, die gleichsam wie Eingeweide die düstere Leere des Außenraumes konterkarieren.

Donnerstag, 26.09.2019, 17:40 Uhr aktualisiert: 28.09.2019, 15:12 Uhr
Yuri Kharchenko vor dem Porträt des argentinischen Autors von Jorge Luis Borges
Yuri Kharchenko vor dem Porträt des argentinischen Autors von Jorge Luis Borges Foto: sph

Die Werkserie im Hauptraum prägen die Porträts großer Persönlichkeiten der Politik- und Kulturgeschichte, unter ihnen etwa Shakespeare, in scharlachrot Tol-stoi, Kafka und das bildfüllende Antlitz des jungen Paul Celan . Dieses demons-triert exemplarisch Kharchenkos virtuoses Zusammenspiel aus flüssig-transparentem und pastosem Farbauftrag, die gelungene Interpretation von Sinnlichkeit und Geistigkeit in der Physiognomie des Dichters.

Beide Werkgruppen sind unter dem Thema der Identität zu erschließen, welches für den 1986 in Moskau geborenen Maler ein zutiefst persönliches ist: In Russland als Wunderkind gefeiert, kommt Kharchenko 1998 mit seinen Eltern als „jüdischer Kontingentflüchtling“ nach Dortmund, ehe er 2004 ein Kunststudium bei Markus Lüpertz an der Düsseldorfer Akademie aufnimmt. Während seiner künstlerischen Laufbahn besinnt er sich auf seine religiöse Herkunft, begeistert sich für die Gedanken des jüdischen Philosophen Jaques Derrida und arbeitet die Biographie seines Großvaters auf, der als Rotarmist im Zweiten Weltkrieg seinen Namen änderte, um seine jüdische Abstammung zu verschleiern.

Diese Identität ist, dem Untertitel der Ausstellung gemäß, ein Einblick und Ausblick zugleich. Ein Einblick in die Selbstfindung eines Künstlers, dessen Suche nach heimatlicher Verwurzelung sich im Symbol des Hauses widerspiegelt, dessen Erfahrung mit Antisemitismus in der Porträtierung Simon Wiesenthals mündet, welcher als Gründer eines NS-Dokumentationszentrums in die Geschichte einging. Und ein Ausblick dort, wo sich der Künstler mit großer Sensibilität ganz in den Dienst des Transzendentalen stellt.

Zum Thema

Die Ausstellung „Identitäten“ ist bis zum 8. Dezember im Hitze-Haus, Kardinal-von-Galen-Ring 50, zu sehen. Ein zweiter Ausstellungsteil zum Thema „Frauen und Männer“ schließt sich am 13. Oktober in St. Joseph, Hammer Straße, an.

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