Mikro-Philharmonie „Einklang“ im Jovel
Zwei Celli verströmen Herzschmerz

Münster -

Unermüdlich arbeiten Joachim Harder und die „Mikro-Sektion“ seiner Einklang-Philharmonie daran, üppige Gewächse der Orchestermusik zu beschneiden: Strauch für Strauch, Stück für Stück – bis nur quasi noch die Struktur mit ihren schönsten Melodieblüten hörbar ist. So sind bereits viele faszinierende Hörerlebnisse zu Tage gefördert worden. Auch am Sonntag im Jovel (denn auch ungewöhnliche Locations zählen zum Konzept). „Das sind ja alles Solisten!“ schwärmten zwei Besucher, die dieses Ensemble erstmals hörten.

Montag, 30.09.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 18:13 Uhr
Solistin Anna-Sophie Brosig fand sowohl für Mahlers kindlichen Finalgesang als auch für Mozarts Arien und „Isoldes Liebestod“ die passend betörenden Soprantöne.
Solistin Anna-Sophie Brosig fand sowohl für Mahlers kindlichen Finalgesang als auch für Mozarts Arien und „Isoldes Liebestod“ die passend betörenden Soprantöne. Foto: Zinkant

„Unendlichkeit“ hieß das Motto des Konzerts, das mit Wagner begann, mit Mozart-Arien und der tollen Sopranistin Anna-Sophie Brosig fortfuhr, um schließlich bei Gustav Mahler zu enden. Wieder einmal. Denn gerade der nimmersatte Spätromantiker, der an der Schwelle zur Moderne mit gigantischer „Überinstrumentierung“ auf sinnliche Überwältigung zielte, hat es dem Dirigenten wohl besonders angetan. So wurden bereits die Erste und die Neunte auf kammermusikalische Diät gesetzt. Und was bei der Neunten nicht vollkommen überzeugte, geriet nun bei der Vierten, Mahlers heiterster Sinfonie, zum Triumph.

Man hörte hier in nie gekannter Klarheit, wie subtil der Komponist seinen (hier ohnehin kleineren) Orchesterapparat handhabte. Wie exotisch die diversen Klanggewürze abgeschmeckt sind. Eben nicht nur im Scherzo, wo die Solovioline zum ironischen Totentanz aufspielt. Auch das Adagio, der Glutkern jeder Mahler-Sinfonie, hatte die nötige Sinnlichkeit, um in Trance zu versetzen. Unglaublich, dass im Zweifel zwei Celli ausreichen, um mahlerschen Herzschmerz zu verströmen.

Im Finalsatz, wo die Romantik aus „Des Knaben Wunderhorn“ zu betörend naivem Engelsgesang wird, kam der lyrische Sopran von Anna-Sophie Brosig wunderbar zur Geltung. Die junge Sängerin und GWK-Preisträgerin hütet sich meist vor Übertreibung. So geriet ihr auch zuvor die Mozart-Arie „Ch’io mi scordi di te?“ etwas besser als das dramatischer Feuer der Arie „Bella miafiamma, addio“.

Und Richard Wagner? Dessen „Tristan“-Vorspiel hatte den Abend eröffnet. Wie viel Intimität darin (wie auch in „Isoldes Liebestod“) steckt, war wiederum faszinierend zu hören. Dass die Akustik im Jovel den Mikro-Philharmonikern sinnlich entgegenkam, trug zu diesem tollen Konzert das Seine bei.

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