„Menschendinge“ im Pumpenhaus
Weg mit dem Krempel . . . ?

Münster -

Das kennt vermutlich jeder. Plötzlich schlägt die Stunde für den großen Kehraus. Dann ist es an der Zeit, sich von alten Dingen zu trennen und Raum zu gewinnen für Neues. Doch was, wenn einen plötzlich die Gefühle und Geschichten übermannen, die mit jenen Stücken verbunden sind?

Dienstag, 01.10.2019, 18:12 Uhr
Krempel ist genug da, über den sich die Performer Emmanuel Edoror, Matthias Maat und Marie-Laure Fiaux (v. l.) in der Produktion „Menschendinge“ streiten können.
Krempel ist genug da, über den sich die Performer Emmanuel Edoror, Matthias Maat und Marie-Laure Fiaux (v. l.) in der Produktion „Menschendinge“ streiten können. Foto: Erich Saar

„Menschendinge“ heißt die Bühnenproduktion der Formation Silvia Jedrusiak in Koproduktion mit dem Theater im Pumpenhaus , bei der „des Menschen Dinge“ ins Schlaglicht geraten. Drei Performer verschiedenen Alters und unterschiedlicher Nationalität befinden darin, was Schatz und was Schrott ist. Und bleiben doch an den Geschichten hängen, die Gegenstände oft in sich tragen.

Silvia Jedrusiak, die Regie führt und der Formation ihren Namen gab, ist in Münster keine Unbekannte. Die Schweizerin machte bereits mit der Produktion „Elternschau“ (2016) von sich reden. Nun kehrt sie mit dem Stück „Menschendinge“ zurück, das mit den Mitteln des Physical Theatre arbeitet.

Im Kern geht es Jedrusiak „um das Differenzverhalten von Menschen und das daraus Konflikte entstehen können“. Ein Foto einer japanischen Künstlerin, umgeben von persönlichen Gegenständen, so erzählt die gebürtige Züricherin, brachte sie auf die Idee zu der „fiktiv-biografischen Arbeit“, bei der sich nun drei Performer abends treffen, um Abschied zu nehmen. Mit zum Teil sehr unterschiedlichen Herangehensweisen, wie Jedrusiak verrät: „Man merkt sofort, wie viel Emotionen dadurch wachgerufen werden.“

Bei der Besetzung ist Jedrusiak der Coup gelungen, Akteure unterschiedlichen Alters zu finden. Emmanuel Edoror aus Nigeria, der zurzeit an der Folkwang-Uni in Essen den Studiengang Physical Theatre absolviert und Freunden des Jungen Theaters Cactus aus Münster als Akteur bekannt ist, ist mit 26 Jahren der jüngste im Bunde. Die „reife Frau in der Mitte“ fand Jedrusiak in Maria-Laure Fiaux (40) aus der Schweiz. 66 Jahre alt ist der Niederländer Matthias Maat, der schon bei der „Elternschau“ dabei war und wie seine Mitspieler die Aufgabe hatte, zehn entbehrliche Dinge mitzubringen. Emmanuel Edoror erinnert sich noch gut an diesen schwierigen Auswahlprozess, der meist in der Erkenntnis gipfelte: „Das kannst Du niemals weggeben.“

Das persönliche Verhältnis zu den Objekten wird zum Konflikt in den Beziehungen auf der Bühne. Jedrusiak und ihre Formation vermitteln dies über die komplexe Sprache des Physical Theatre, über Laute, über Bewegungsbilder. „Die Bühnenfiguren“, so heißt es in der Ankündigung, „wagen sich an Siedepunkte, mit einer Radikalität in ihrer Scham, ihrem Schmerz und berührender Wahrhaftigkeit.“

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Die Premiere ist am 10. Oktober um 20 Uhr im Theater im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Weitere Aufführungen folgen dort am 11., 12. und 13. Oktober, jeweils um 20 Uhr. Karten (VVK 13/8 Euro zzgl Gebühr, Abendkasse 15/9 Euro) gibt es im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt 13-14 oder im Internet.   | localticketing.de

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