„100 Jahre Schanze“ im Krameramtshaus
Gespannt durch ein Jahrhundert

Münster -

Zwei Frauen stehen am Anfang, eine Frau am Ende. Das mag Zufall sein und entspringt doch jenem roten Faden, der sich in zehn Dekaden gebildet und gehalten hat: das Offene, das „Freie“ dieser Künstlergemeinschaft. „100 Jahre Schanze“ heißt die Ausstellung im Krameramtshaus, in der Klaus Tesching (Künstler und früherer Kanzler der Schanze) die Besucher assoziativ durch die Jahrzehnte pendeln lässt – von zwei Frauen am Anfang bis zur Frau am Ende. Dort schließt die Ausstellung mit einem Gemälde von Miriam, der aktuellen Kanzlerin der freien Künstlergemeinschaft.

Montag, 07.10.2019, 18:56 Uhr
Mit Bernhard Peppingheges Frauenkopf von 1920 (l.) fängt der Rundgang an.
Mit Bernhard Peppingheges Frauenkopf von 1920 (l.) fängt der Rundgang an. Foto: Gerhard H. Kock

Zwei Frauen am Anfang. Eine Frau am Ende. Das mag Zufall sein und entspringt doch jenem roten Faden, der sich in zehn Dekaden gebildet und gehalten hat: das Offene, das „Freie“ dieser Künstlergemeinschaft. „100 Jahre Schanze“ heißt die Ausstellung im Krameramtshaus, in der Klaus Tesching (Künstler und früherer Kanzler der Schanze) die Besucher assoziativ durch die Jahrzehnte pendeln lässt – von zwei Frauen am Anfang bis zur Frau am Ende. Dort schließt die Ausstellung mit einem Gemälde von Miriam, der aktuellen Kanzlerin der freien Künstlergemeinschaft.

100 Jahre Freie Künstlergemeinschaft Schanze

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  • „100 Jahre Freie Künstlergemeinschaft Schanze“ im Haus der Niederlande: ein Parcours durch zwölf Stelen im Zickzack-Kurs.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Parcours im Zickzack-Kurs zwischen zwölf Stelen fängt links an.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • 1919: Bernhard Peppinghege „Frauenkopf“

    Foto: Gerhard H. Kock
  • 1919: Christel Runne „Porträt vorm Monte Verità“

    Foto: Gerhard H. Kock
  • 1929: Carl Busch

    Foto: Gerhard H. Kock
  • 1939: Carl Busch

    Foto: Gerhard H. Kock
  • 1949: Hans Kraft

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  • 1959: Josef Wedewer

    Foto: Gerhard H. Kock
  • 1969: Florenz Busch

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  • 1979: Klaus Ebert

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  • 1989: Axel Schulß

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  • 1999: Ilse Wecker und Michael Hassels

    Foto: Gerhard H. Kock
  • 2009: Dieter van Offern

    Foto: Gerhard H. Kock
  • 2019: Miriam (aktuelle Kanzlerin der Schanze)

    Foto: Gerhard H. Kock

Es ist keine historisch genaue Ausstellung, sondern sie zieht Spannungslinien nach innerhalb der „Schanze“-Gemeinschaft, zwischen Münster und dem Rest der Welt sowie zwischen den Künstlern und ihrer Zeit. Und das zeigen gleich zwei Frauen am Anfang: Bernhard Peppinghege malt 1920 einen Frauenkopf in einem rückwärtsgewandten Stil, direkt gegenüber hängt ein Porträt aus der gleichen Zeit der „Schanze“-Malerin (!) Christel Runne vorm Monte Verità (Ort einer schweizerischen Lebenskolonie der Künstler – Nackttanz inklusive), das zupackend die Moderne mit Kubismus und Expressionismus auf die Leinwand bannt.

Die Ausstellung zeigt zwölf Stelen mit jeweils meist einem Bild sowie darüber Stichwörter zur Zeit- und Kunstgeschichte. In der Auseinandersetzung mit dem assoziativen Aufrufen historischer Umstände und künstlerischem Ausdruck kann der Betrachter beim Pendeln durch das Jahrhundert den Zeitgeist einer Kunst in der Provinz nachspüren, die der Moderne mal näher, mal ferner steht.

Anhand von Carl Busch kann der fürchterliche Bruch durch den Nationalsozialismus schmerzlich erfahren werden. Malte Busch vor der Machtergreifung noch ein düsterisches, aber wahrhaftiges Bild seiner Zeit mit einer Sehnsucht nach Arkadien, hängt direkt gegenüber als Impuls-Bild für die Diktatur-Dekade ein lieblich weltverleugnenden Karnevalsbild von ihm, das wie einem Ufa-Film entnommen anmutet.

Arg langsam tasten sich die „Schanzer“ nach dem Krieg an Avantgarde heran, wie das kubistische Bild von Josef Wedewer aus den 50ern zeigt. Und an die Abstraktion: Von Klaus Ebert („Grau ist auch eine Farbe.“) ist ein „Ameland“ zu sehen, das sich völlig in lediglich drei Farbflächen genügt.

Florian Busch (drei Generationen dieser Familie zählen zur Schanze) bewegt sich Ende der 60er auf Höhe der Zeit, wenngleich die Schanze Fluxus oder Beuys‘ erweiterten Kunstbegriff noch nicht mitmacht. Dafür verkörpert das münsterische Original Axel Schulß die Jungen Wilden der 80er Jahre mit Konzeptkunst und „New Wave“. Mit Dieter van Offerns neuem Realismus soll schließlich auf die „Leipziger Schule“ verwiesen werden.

Zum Thema

Die Ausstellung wird am Dienstag (8. Oktober) um 18 Uhr im Krameramtshaus, Alter Steinweg 6/7, eröffnet. Zur Ausstellung ist das Buch „100 Jahre Freie Künstlergemeinschaft Schanze“ erschienen und dort erhältlich.

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