„Seicento vocale“ in der Lambertikirche
Durch und durch berührend

Münster -

Dem musikbegeisterten Fürsten Heinrich Posthumus Reuß zu Gera, vor allem aber seinem Ableben im Jahr 1635 sind die „Musikalischen Exequien“ zu verdanken – jene Begräbnismusik, um die der Fürst den hoch angesehenen Dresdener Hofkapellmeister Heinrich Schütz gebeten hatte.

Dienstag, 08.10.2019, 11:28 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 18:44 Uhr
Das junge Ensemble „Seicento vocale“ gab ein Konzert in der Lambertikirche.
Das junge Ensemble „Seicento vocale“ gab ein Konzert in der Lambertikirche.

Eine schöne Aufgabe für das junge Ensemble „Seicento vocale“ rund um die Dirigenten Alexander Toepper und Jan Croonenbroeck, das sein Kernrepertoire im 17. Jahrhundert verankert. Die 18 Sängerinnen und Sänger nebst Continuo-Gruppe gastierten jetzt in St. Lamberti.

Mit großer Akribie hatte Fürst Heinrich seine eigene Beisetzung geplant, vor allem seinen mit Bibelsprüchen verzierten Sarkophag. Der wiederum inspirierte Schütz zu der Architektur der „Exequien“ und die Verteilung der Musik auf Cappella- und Solo-Passagen. Beides (Chor- und Solo-Gesang) ist bei „Seicento vocale“ in allerbesten Händen respektive Kehlen. Das Ensemble formt einen schlanken, gleichwohl tragfähigen und bis ins Detail hinein „sprechenden“ Klang. Das Wort und seine musikalische Ausdeutung stehen hier im Zentrum und transportieren Emotionen, die den Zuhörer unmittelbar packen. Etwa wenn es um Gefühle der Angst oder Verzweiflung, aber auch um Hoffnung und Vertrauen geht.

Mehr noch als Heinrich Schütz’ „Exequien“ sorgt Johann Hermann Scheins Motettensammlung „Israelsbrünnlein“ für frappierende Hör-Erfahrungen. Scheins Psalmvertonungen scheuen nicht zurück vor verwegener harmonischer Schärfe: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Das wirkt selbst in heutigen Ohren kühn. Nicht zuletzt, weil „Seicento vocale“ solche und vergleichbare Stellen („Die mit Tränen säen“ oder „Zion spricht“) mit großem Nachdruck deklamiert. Hinzu kommt die ausgesprochene Farbigkeit der Musik dank wechselnder Stimmen in den solistischen Ensembles. In dieser Hinsicht konnte Alexander Toepper aus dem Vollen schöpfen. Schütz und Schein – durch und durch berührend. Und zumindest im Fall des Fürsten Heinrich Reuß darf angenommen werden: Ihm ist der Abschied von der Welt angesichts dieser „Exequien“ wohl leicht gefallen.

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