Zwei neue Schauspieler am jungen Theater Münster
Solange der Beruf einen Sinn gibt

Münster -

Ob es ihnen etwas ausmache, als Schauspieler nur für die Sparte des Jungen Theaters verpflichtet worden zu sein? Eva Dorlass reagiert auf diese Frage recht energisch.

Donnerstag, 10.10.2019, 11:06 Uhr aktualisiert: 10.10.2019, 11:20 Uhr
Valentin Schroeteler und Eva Dorlass sind neu im Ensemble des Theaters Münster.
Valentin Schroeteler und Eva Dorlass sind neu im Ensemble des Theaters Münster. Foto: pn

Ob es ihnen etwas ausmache, als Schauspieler nur für die Sparte des Jungen Theaters verpflichtet worden zu sein? Eva Dorlass reagiert auf diese Frage recht energisch: „Das ,Nur‘“, sagt sie mit Bestimmtheit, „können Sie gleich mal streichen.“ Theater für Kinder- und Jugendliche – das sei genau das, was sie momentan gern machen wolle, sagt die gebürtige Kölnerin. Und ihr junger Schweizer Kollege Valentin Schroeteler springt ihr bei: „Die Ansprüche an Form, Spiel und Inhalt werden ja nicht dadurch herabgesenkt, weil es sich um Theater für Kinder und Jugendliche handelt. “

Seit Beginn der Spielzeit sind Dorlass und Schroeteler Ensemblemitglieder am Theater Münster . Für beide ist es der erste feste Bühnenvertrag an einem deutschen Theater. Als „super positiv“ bewerten beide ihre ersten Erfahrungen am Haus in Münster. Viele tolle Gespräche darüber, was man machen will, dazu ein engagiertes kleines Team rund um Frank Röpke als Leiter der Sparte Junges Theater – „all das schätze ich sehr“, betont Eva Dorlass.

Sie sammelte ab 2015 am Jungen Theater Leverkusen erste Erfahrungen, bevor die Tochter einer Schauspielerin und Regisseurin zum Studium ans renommierte Max-Reinhardt-Seminar wechselte. Während des Studiums gastierte sie unter anderem am Volkstheater und am Schauspielhaus in Wien. Am Theater der Jugend ebendort spielte sie die Rolle der Elisabeth Lavenza im Stück „Frankenstein“.

Für den 1994 in Luzern geborenen Valentin Schroeteler war „zwei Jahre vor dem Abi“ klar, dass es ihn auf die Bühne zieht. Er absolvierte ein Schauspielstudium bis 2019 an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Währenddessen gastierte er am Staatstheater Hannover und am Deutschen Theater Göttingen. Mit der von ihm 2012 mitgegründeten Compagnie „Trottvoir“ war er mehrmals auf Tournee durch die Schweiz, Frankreich und Italien.

Und nun Münster. Die Stadt mit den vielen Kirchen, sagt Schroeteler, erinnere ihn an seine Heimatstadt in der Schweiz: „Konservativ, wohlhabend, sehr katholisch.“ Doch er ist auch positiv überrascht – von den vielen Studierenden etwa, die er im Bereich seiner Wohnstätte am Hansaring stets antrifft. Als das Gespräch mit den beiden stattfindet, stehen sie gerade kurz vor der Premiere von „Frerk, Du Zwerg!“ nach der Vorlage von Finn-Ole Heinrich. Vorfreude empfinden beide nach eigener Aussage, und Schroeteler spricht von einem „Meilenstein, denn jetzt geht‘s richtig los“.

Dass beide für ihren Beruf, der viel Kreativität verlangt bei meist geringer Bezahlung, vor allem Idealismus benötigen, ist klar. „Aber so lange mir der Beruf einen Sinn gibt, ist das für mich zu verschmerzen“, meint Schroeteler. Proben als ein notwendiges Übel? Da hat Dorlass ihre eigene Ansicht: „Für mich heißt das: vier Stunden lebendig sein, die Gefühlsorgane benutzen.“ Kunst und Sinn träfen sich da idealerweise, sagt Dorlass.

Die ebenso wie Schroeteler ihr junges Publikum schätzt. Das oftmals intellektuelle Theater im deutschsprachigen Raum, so hat Dorlass beobachtet, habe die Tendenz, sich „von der Niedrigschwelligkeit wegzubewegen.“ Beim Jungen Theater hingegen sei der Anspruch, das Publikum zu erreichen, „viel präsenter“. Oder, wie Schroeteler sagt: „Ich habe das Gefühl, ich kann hier mehr verändern.“

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Wer die beiden auf der Bühne erleben möchte: Sechs Mal steht „Frerk, der Zwerg!“ allein im November auf dem Spielplan.

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