Musikalische Posse „Yolimba“ im Großen Haus
Feinde der Liebe ab in die Mülltonne

Münster -

„Hör dir diese Oper mal an, sie ist genial“, sagte ihm ein Freund vor Jahrzehnten in Augsburg. Deren Komponisten Wilhelm Killmayer (1927-2017) war Ulrich Peters sogar während seines Studiums in München noch persönlich begegnet. 

Montag, 21.10.2019, 18:45 Uhr aktualisiert: 22.10.2019, 18:58 Uhr
„Yolimba“ heißt die musikalische Posse von Wilhelm Killmayer und Tankred Dorst, die Generalintendant Ulrich Peters am Theater Münster fürs Große Haus inszeniert.
„Yolimba“ heißt die musikalische Posse von Wilhelm Killmayer und Tankred Dorst, die Generalintendant Ulrich Peters am Theater Münster fürs Große Haus inszeniert.

Auf der Suche nach einer modernen komischen Oper für den Spielplan kam ihm „Yolimba“ wieder in den Sinn. Für das Große Haus des Theaters Münster inszeniert der Generalintendant nun die musikalische Posse in einem Akt und vier Lobgesängen von Tankred Dorst.

„Hör dir diese Oper mal an, sie ist genial“, sagte ihm ein Freund vor Jahrzehnten in Augsburg. Deren Komponisten Wilhelm Killmayer (1927-2017) war Ulrich Peters sogar während seines Studiums in München noch persönlich begegnet. Auf der Suche nach einer modernen komischen Oper für den Spielplan kam ihm „Yolimba“ wieder in den Sinn. Für das Große Haus des Theaters Münster inszeniert der Generalintendant nun die musikalische Posse in einem Akt und vier Lobgesängen von Tankred Dorst.

Die Idee zu dieser Oper von Killmayer und Dorst sei wohl eine Reaktion auf die Prüderie der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gewesen. Die Geschichte: Professor Möhringer hasst die Liebe. Um dieses Laster für immer auszurotten, erschafft er die Kunstfigur Yolimba, welche programmiert ist, jeden zu töten, der das Wort „Liebe“ ausspricht. Dank der „Macht der Magie“ funktioniert das auch tadellos, bis Herbert erscheint. Ihm verfällt Yolimba und plötzlich ist es Möhringer, der gejagt wird und schließlich in einer Mülltonne sein wohlverdientes Ende findet. Alle – inklusive der wieder zum Leben erweckten Opfer Yolimbas – stimmen in den „Großen Lobgesang auf die Müllabfuhr“ und die „Grenzen der Magie“ ein.

Killmayers „Yolimba“-Musik strotzt von einer selbstbewussten Doppelbödigkeit, die „in die Irre geführte Heiterkeit und staunenden Ernst“ originär verquickt und sich dabei meilenweit vom Mainstream der Moderne (1964/1970) entfernt hatte. Text und Musik stecken voller Ironie, beißendem Witz und offensichtlicher Stilpersiflage. Die absurd-groteske Handlung und die zahlreichen musikalischen Vorbilder Killmayers förderten ein Werk zu Tage, welches sich jeder Gattungszuschreibung verweigert und einen grenzenlosen Spaß aus Singspiel, Operette und Pantomime serviert, heißt es in einer Pressemitteilung.

Killmayer selbst lässt anklingen, dass er für Yolimba nach Vorbildern gesucht habe. Richtig ist jedoch, dass sein Humor und der von Tankred Dorst sehr eigenständig ist und eher an musikalisches Kabarett erinnert. Yolimba ist Prototyp einer frechen Anti-Oper. Eine Farce, die im rasanten Bilder-, Rhythmus- oder Melodienwechsel kaum Zeit zum Durchatmen lässt. „Meine musikalische Posse versteht sich als Versuch eines Beitrags zum artifiziellen Unterhaltungstheater.“ (Killmayer).

Ulrich Peters zu seiner Inszenierung: „Man muss mit dem Witz der Oper sehr behutsam umgehen. Spannend ist eben dieser Kontrast zwischen Text / Situation auf der Bühne und der Musik.“ Bühne und Kostüme besorgt Andreas Becker. Video kommen von Sven Stratmann.

„Yolimba“ ist ein Kooperationsprojekt im Rahmen des 100-jährigen Bestehens der Westfälischen Schule für Musik, der Musikhochschule Münster und des Sinfonieorchester Münster. Die musikalische Leitung hat Thorsten Schmid-Kapfenburg. Die Szene dürfe nicht überlastet sein, es brauche „Leichtigkeit und Transparenz“. „Die Figuren sind bereits im Stück durch verzerrende Übertreibung als Typen surreal und wie in einem Comic-Strip gezeichnet.“

Die Premiere ist am Samstag (26. Oktober) um 19.30 Uhr im Theater Münster, Neubrückenstraße 28. Karten: 5 90 91 00.

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