Neues Stück der Freuynde und Gaesdte im Blauen Haus
Turbulentes Kneipentheater very british

Münster -

Das Intro, mit dem Sherlock Holmes sich einführt, ist ein Massaker auf der Geige, Schönberg angeblich, Zwölfton, wie er seinem Freund Dr. Watson erklärt, der der Darbietung mit schmerzverzerrtem Gesicht beiwohnt. Aber das ist so ziemlich die einzige Szene, in der sich die beiden uneins sind. Ansonsten ergänzen sie sich prächtig – Holmes, der geniale Logiker, und Watson, der notorische Pragmatiker. Der englische Schriftsteller Arthur Conan Doyle hat die beiden Parade-Ermittler im späten 19. Jahrhundert erfunden, jetzt hat die Theatergruppe Freuynde+Gaesdte sie sich für ihre neue Produktion in der Kneipe „Blaues Haus“ ausgeliehen.

Freitag, 25.10.2019, 15:24 Uhr
Freuynde und Gaesdte zeigen im Blauen Haus diesmal Sherlock Holmes (v. l.): Zeha Schröder, Helge Salnikau, und Johan Schüling.
Freuynde und Gaesdte zeigen im Blauen Haus diesmal Sherlock Holmes (v. l.): Zeha Schröder, Helge Salnikau, und Johan Schüling. Foto: f+g

In „ Sherlock Holmes und das Ärmelkanal-Ultimatum“ geht es um eine Erpressung im großen Stil. Professor Moriarty, schon bei Doyle ein Gegenspieler des Meisterdetektivs, will einen Meteoriten so steuern, dass er im Ärmelkanal einschlägt, diesen versandtet und Großbritannien zu einem „Wurmfortsatz Europas“ macht. Weil das der Queen gar nicht behagt, muss Holmes es verhindern. Was ihm nach einem Showdown im Glockenturm von Big Ben auch gelingt – wenn auch mit der Zerstörung Luxemburgs als, nun ja, Kollateralschaden.

Ein bisschen Schwund ist immer. Das gilt nicht nur für Zeha Schröders Stück, sondern auch für den Brexit. Deshalb findet Letzterer Eingang in Ersteres. Theresa May hoppelt als Running Gag durch die Handlung, die Queen droht regelmäßig in Ohnmacht zu kippen, und der Bösewicht Moriarty entpuppt sich mit der gälischen Schreibweise „Muircheartaigh“ als Ire, was ebenfalls Anlass zu Anspielungen gibt. Sogar Quasimodo hat man eingebaut, der hier allerdings Rather Moody heißt, schließlich läutet er nicht Notre Dame, sondern Big Ben. Außerdem ist da noch der „Infrasonartraktorstrahlgenerator“ – ein Gerät, mit dem der Meteorit aus der Bahn gebracht werden soll, was technisch zwar zweifelhaft, sprachlich aber immer wieder eine Herausforderung ist.

Eine ebenso irrwitzige wie anspielungsreiche Handlung, treffsichere Pointen und mit Zeha Schröder, Johan Schüling und Helge Salnikau ein hervorragend gestimmtes Ensemble, das die Rollen genauso behände wechselt, wie es auf den Treppen und Balustraden des Blauen Hauses herumturnt – mit diesem Rezept ist Freuynde+Gaesdte wieder spritziges Kneipentheater gelungen, das man nicht verpassen sollte. 

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