Kunstaktion auf dem Wochenmarkt zur BRD-Trilogie am Theater
Erhellender Schwarzmarkt

Münster -

Die BRD-Trilogie von Schauspieldirektor Frank Behnke ist in der Stadt Gesprächsstoff. Das merkt auch Till Wyler von Ballmoos. Und der Theatermacher legt noch eine Schippe drauf. Auf dem Wochenmarkt zwischen Bankhaus Lampe und Bischofsresidenz hat der Künstler einen Schwarzmarkt eröffnet. Er macht in Kohle.

Mittwoch, 30.10.2019, 23:28 Uhr aktualisiert: 30.10.2019, 23:30 Uhr
Till Wyler von Ballmoos lädt auf dem Wochenmarkt zum Tauschhandel mit Kohle ein. Ob Kuss oder Knete, mit der erhandelten fairen Grillkohle kann an einigen Marktständen „bezahlt“ werden.
Till Wyler von Ballmoos lädt auf dem Wochenmarkt zum Tauschhandel mit Kohle ein. Ob Kuss oder Knete, mit der erhandelten fairen Grillkohle kann an einigen Marktständen „bezahlt“ werden. Foto: Gerhard H. Kock

Spielen die drei Fassbinder-Stücke doch in den Nachkriegs- und Aufbaujahren der Bundesrepublik, in der hemmungsloses Wirtschaften anfangs unverhohlen, später wohlständig verstohlen seine diabolischen Wirkungen entfaltete. Von Ballmoos greift das Motiv „Schwarzmarkt“ zwar auf, wandelt es indes in ein Spiel, das die Wirkungsweise von Tausch und Handel, Waren und Werten spürbar werden lassen kann.

Till Wyler von Ballmoos tauscht „Faire Kohle“ (ein Produkt der katholischen und evangelischen Jugend in Nordrhein-Westfalen) gegen Geld, gegen Gaben, vielleicht sogar gegen gute Worte. „Ich nehme auch einen Kuss oder eine Umarmung.“ Wer mit Geld zahlen will, muss sich nach einer Art Waldbrand-Börse richten: Je mehr Brände es auf der Welt gerade gibt, desto teurer wird die ökologische Grillkohle. Tauschmittel indes können frei verhandelt werden. Mit der erworbenen Kohle kann der Marktbesucher bei ein Dutzend ausgesuchten Marktständen einkaufen – bei diesem Tauschhandel macht man sich vielleicht die Hände schmutzig, aber die Aktion ist eine faire Sache mit Inspirationswert.

So bot Till Wyler von Ballmoos zwei Studierenden am Mittwochmorgen zum Auftakt die Gelegenheit, sich über die Inszenierung auszulassen. Andere „Kunden“ reflektierten über Respekt und Fairness in der Gesellschaft. Überhaupt bietet die Aktion die Chance, Gedanken und Gefühlen nachzugehen, welche Wirkungen der Markt mit seinen Mechanismen auf das eigene Leben hat. Denn über das Private im Politischen reflektiert nicht zuletzt auch Rainer Werner Fassbinder , dessen Film-Trilogie Behnke auf die Bühne gebracht hat.

Bei Fassbinder werden auf dem Markt Seelen verscherbelt: In der „Ehe der Maria Braun“ verkaufen Menschen ihre Liebe für wirtschaftliches Glück; in der „Sehnsucht der Veronika Voss“ wird Sucht erzeugt und ausgebeutet und in „Lola“ Heuchelei und Korruption gefeiert.

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Die Aktion wird am 13. und 27. November von 6.30 bis 14.30 Uhr auf dem Wochenmarkt am Dom wiederholt.

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