Theater WeisheitsSzene aus Münster zeigt erstmals seine neue Produktion „Tanzstunde“
Auf Krawall gebürstete Tänzer

Münster. -

Ein Theaterstück, mit Senioren statt mit jugendlichen Akteuren besetzt – das kann durchaus stimmig sein, wie die neue Produktion „Tanzstunde“ des Theaters WeisheitsSzene beweist. Am Samstag hatte es im Theater in der Meerwiese Premiere. Die sieben Akteure traten dabei vor ausverkauftem Haus auf.

Sonntag, 03.11.2019, 17:15 Uhr aktualisiert: 04.11.2019, 11:37 Uhr
Die Tanzstunde mit den Senioren nimmt in der Produktion des Theaters WeisheitsSzene chaotische Züge an.
Die Tanzstunde mit den Senioren nimmt in der Produktion des Theaters WeisheitsSzene chaotische Züge an. Foto: Conlan

Alles fängt ganz harmonisch an: Drei Paare tanzen Foxtrott, es werden die Partner getauscht, der Tanz geht weiter. Die junge Tanzlehrerin strahlt, nimmt einige wenige Haltungskorrekturen bei ihren Schülern vor – und plötzlich: Cut.

Die Bühne ist jetzt schwarz, und die Realität hält Einzug. Aufmüpfige, unmotivierte Senioren kommen in die Tanzschule. Dieselben, die gerade noch in schicker Garderobe ihre perfekten Tanzrunden drehten. Alles auf Anfang also, doch die Tänzer sind auf Krawall gebürstet. Als Resozialisierungsmaßnahme mussten sie schon töpfern. Und jetzt ist ihnen auch noch dieser Tanzkurs aufgedrückt worden.

Der Tanzlehrerin ist das nicht geheuer, doch sie macht gute Mine zum krawalligen Spiel, setzt all ihren Optimismus ein, um die unwillige Schar dazu zu bringen zu tanzen. Und das können sie, wie sie nachher bei Rockmusik beweisen. Hut ab: Diese Beweglichkeit hätte man den Protagonisten so nicht ohne Weiteres zugetraut. Dafür gibt es Szenenapplaus. Die Handlung jedoch endet im Chaos: Anschuldigungen, Aggression, eine Schießerei, ein verletztes Bein – und dann wieder Beschwichtigung. Am Ende versuchen die Aufmüpfigen, die Tanzlehrerin zum Weiterleben zu motivieren.

Dass im Originalstück eigentlich Jung gegen Alt rebelliert, ist teils an der Sprache erkenntlich, aber trotzdem übertragbar. Selbstbestimmtes Leben, unangepasst, sich nicht in Rollen zwängen lassen – das ist ein grundsätzlicher Wunsch, und dieser ist altersunabhängig. Die Protagonisten spielen das mit großem Engagement, spürbarer Spiellust und erstaunlicher Beweglichkeit. WeisheitsSzene ist eine Seniorentheatergruppe, die seit 17 Jahren besteht und deren ältestes Mitglied 78 Lenze zählt.

Noch zwei Mal wird das Stück (Regie Bart Hogenboom und Gabriele Schönstädt) aufgeführt, am 8.11. im Anne-Frank-Berufskolleg vor angehenden Pflegekräften und am 9.11. in der Tanzschule Husemeyer (jeweils 19.30 Uhr).

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