Vorbildliche Kulturkooperation zwischen London und Münster
Zwischen Turner-Freude und Brexit-Furcht

Münster -

Hohe Kunst aus England wird die Kulturfreunde bis Ende Januar 2020 im Westfälischen Landesmuseum erfreuen. Auch wenn dann der Brexit droht, zeigt die Zusammenarbeit zwischen London und Münster, dass zumindest im Kulturbetrieb die europäische Idee prächtig funktioniert.

Dienstag, 05.11.2019, 17:37 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 17:50 Uhr
Turner und seine Zeitgenossen in blauen Räumen.
Turner und seine Zeitgenossen in blauen Räumen. Foto: Wilfried Gerharz

Die Befürchtung war nicht von der Hand zu weisen: „Wir hatten eigentlich schon damit gerechnet, dass die Turner-Ausstellung die erste nach dem Brexit sein werde“, meinte Dr. Hermann Arnhold , Direktor des Westfälischen Landesmuseums in Münster, am Dienstag bei der gut frequentierten Pressekonferenz im Haus am Domplatz. Nicht ohne die leise Hoffnung anzufügen, dass der nun auf Ende Januar terminierte Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union doch noch irgendwie abgewendet werden könne.

Als gutes Zeichen „europäischer Zusammenarbeit“ würdigten jedenfalls alle klugen Köpfe auf dem Pressepodium die Schau, die konsequent die Reihe mit angloamerikanischer Kunst im LWL-Museum für Kunst und Kultur fortsetzt. „Die Faszination für das Werk Turners ist ungebrochen. Seine Bilder berühren die Menschen, weil sie die Schönheit und Gewalt der Natur so lebensecht wiedergeben“, freut sich Landesdirektor Matthias Löb über die sicher spektakulärste Schau des Landesmuseums seit langem.

Vorläufer der modernen Kunst

„Seine Bilder lösen beim Betrachten einen wohligen Schauer aus, ,Horror and Delight‘, von dem der britische Schriftsteller Edmund Burke in seinem Konzept des Erhabenen spricht und damit die gesamte Epoche der Romantik prägt“, erläutert die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Judith Claus, das Motto der Schau. In sechs Räumen führt die Kuratorin die Entwicklung Turners vor Augen: Wie er in seinen frühen Werken noch ganz traditionell mit dunklen Farben romantische Landschaften malte, wie sich die erste Schweizer Reise auf seinen Stil auswirkt, welche Eindrücke er aus dem arkadischen Italien mitbringt, wie er schließlich Bilder von Naturkatastrophen schafft, in denen sich Formen auflösen und den Künstler als frühen Vorläufer der moderner Kunst und Abstraktion erscheinen lassen.

Lob des Spezialisten 

30 Werke von Zeitgenossen ergänzen die 80 Bilder Turners, die mit ihrer chronologischen Anordnung bewusst auch einen anderen Akzent setz als die Turner-Ausgabe in Luzern. Stand dort vor allem die Landschaft der Schweiz im Vordergrund, so geht es jetzt vor allem um die Entwicklung des Künstlers und seine Strahlkraft bei den Zeitgenossen.

Ausstellung des Impressionisten W. Turner im LWL-Museum

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  • Am Freitag (8.11.) feiert das LWL-Museum für Kunst und Kultur den Beginn der Ausstellung "Turner. Horror and Delight" und lädt dazu ein, die Werkschau und das Haus bis Mitternacht zu besichtigen.

    Foto: LWL/Hanna Neander
  • Zu Beginn seiner Künstlerkarriere hat der 1775 in London geborene Maler mit dunkel-romantischen Landschaften seine Zeitgenossen beeindruckt: Das Entree der Schau zeigt mondbeschienene Fischer auf See und vergleichbare Motive von Turner, seinem Lehrer Loutherbourg und anderen Zeitgenossen, stimmungsvoll auf dunkelblauer Wand platziert. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Horror and Delight“, frei übersetzt das Schreckliche und das Ergötzliche, sind Thema der Schau. 

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Zwei Räume sind dem Meer in seinen unterschiedlichen Facetten gewidmet.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Dass der 1851 gestorbene Turner schon Landschaftsmotive in wechselndem Licht dargestellt hat, als Claude Monet gerade erst geboren war, zeigt ihn ebenfalls als großen Modernen seiner Zeit. Was auch für die flirrenden Venedig-Aquarelle im dritten Raum gilt: Sie entstanden 1840, im Geburtsjahr Monets.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
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  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
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  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz

Diesen Ansatz lobte gestern auch der Turner-Spezialist und Senior Curator of British Art 1790-1850 der Tate, Dr. David Blayney Brown. Die Turner-Sammlung der Tate umfasst 30 000 Arbeiten auf Papier, 300 Gemälde und 280 Skizzenbücher. Die 80 Werke des Künstlers aus der Ausstellung „Horror and Delight“, die von öffentlichen und privaten Stiftern großzügig gefördert wird, wandern nach Ende der Ausstellung in Münster weiter nach Nashville und Quebec.

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