Jun-Ho Gabriel Yeo beim Mommenta-Konzert bei WestLotto
Lächeln in der Traurigkeit

Münster -

Mit Frederic Chopins Nocturnes beginnt Jun-Ho Yeo das dritte Konzert der Mommenta-Reihe, bei der sich junge, von der GWK geförderte Talente an außergewöhnlichen Orten präsentieren. Ein ausgesprochen junger Mensch betritt den außergewöhnlichen Saal der WestLotto-Zentrale und setzt gleich mit den ersten Anschlägen ein Statement.

Donnerstag, 07.11.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 15:57 Uhr
Jun-Ho Gabriel Yeo
Jun-Ho Gabriel Yeo Foto: Robin Gerke

Im natürlichen Fluss der melancholischen Charakterstücke zeigen sich die Besonderheiten seiner Spielweise: Seine Kontraste schöpfen ihre Kraft nicht aus der schieren Extremität der Gegenpole. Sie leben von der enormen Beweglichkeit, mit der Jun-Ho Yeo sowohl Tempi als auch Dynamik variiert. Überbordende Ausbrüche eines „jungen Wilden“ sucht man an diesem Abend vergeblich, seine Spezialität liegt im Melancholischen, dem leisen Schmerz. Stets sucht er das Wehmütige im Glück und das Lächeln in der Traurigkeit. Jede subtile Dissonanz wird ausgekostet, jede flüchtige Euphorie blitzt aus dem Tragischen hervor.

Besonders im ersten Satz der a-Moll-Sonate von Franz Schubert beeindrucken die explosiven Kontraste. Zwischen Intimität und Dramatik findet der GWK-Preisträger Raum für Nuancen. Die zurückgenommenen, choralhaften Passagen im zweiten Satz schaffen in der großen Offenheit des Saales eine sakrale Stimmung.

Robert Schumanns Kinderszenen sind das Glück und die Unschuld der Jugend, verhüllt von einem Schleier, durch welchen ein Mann auf sie blickt, der beides verloren hat. Heute Abend ist dieser Schleier besonders zart. Hin und wieder entsteht der Eindruck von echter, kindlicher Naivität, bis Jun-Ho Yeo die Illusion mit subtiler Wehmut bricht. Mit seinen 21 Jahren ist er in einem Alter, in dem vielen Menschen der Verlust, den Schumanns Musik ausdrückt, zum ersten Mal bewusst wird. Seine Interpretation ist glaubwürdig, seine Auswahl dieses Werkes nachvollziehbar.

Die Harmonien in Maurice Ravels Miroirs präsentieren sich in vielen Aufnahmen vor allem als komplexes Klangwerk. In der Natürlichkeit, mit der sie an diesem Abend daherkommen, ergeben sie aber einen erstaunlich klaren Sinn. Jun-Ho Yeo macht aus den impressionistischen Bildern einen Spiegel, der das Leben abbildet, mit all seinen komplizierten Emotionen. Auch lange nachdem sich der Applaus gelegt hat bleibt das Bild von der Barke, wie sie auf dem Ozean treibt, im stetigen Auf und Ab des Alltags. Und hin und wieder kommt die Sonne hervor und lässt die Wellenkämme glitzern.

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