Stadtmuseum zeigt die ersten zehn Jahre der „Schanze“
Der Club der fröhlichen Künstler

Münster -

„Die Schanze ist ein ordentlicher und sehr vernünftiger Verein“ – das „sehr“ von Paul Waldow sollte den Leser stutzig machen.

Freitag, 08.11.2019, 23:00 Uhr
Frauen durften erst ab 1950 Mitglied der Schanze werden. Auf die Leinwand bannten sie die Maler schon vorher.
Frauen durften erst ab 1950 Mitglied der Schanze werden. Auf die Leinwand bannten sie die Maler schon vorher. Foto: Gerhard H. Kock

„Die Schanze ist ein ordentlicher und sehr vernünftiger Verein“ – das „sehr“ von Paul Waldow sollte den Leser stutzig machen. Und in der Tat war die Freie Künstlergemeinschaft Schanze ein höchst ungewöhnlicher Zusammenschluss von Männern, die in der Zeit republikanischer Freiheit zwischen den Weltkriegen in Münster das Fenster für die Moderne öffneten. Wenngleich das Gründungsdatum legendenumwoben ist, widmet das Stadtmuseum der Schanze zum Jahreswechsel 2019/20 aus Anlass des 100-Jährigen eine aufschlussreiche, anregende und schöne Ausstellung über die ersten zehn Jahre der Gründerväter.

Die Schanze - die ersten zehn Jahre der Künstlergemeinschaft

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  • Das Stadtmuseum Münster zeigt Werke der Gründergeneration der Schanze.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gleich im Eingang werden die Mitglieder der ersten zehn Jahre vorgestellt.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Skizzen des Kriegsmalers Fritz Grotemeyer

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  • Die Ausstellung beleuchtet kurz die Vorgeschichte der Künstler in Münster.

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  • Feldpostkarten von Aloys Röhr (1915-16)

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  • Auch 1914 schon gab es vereinzelt Moderne in Münster: „Landschaft mit Leiterwagen“, ein impressionistisches Gemälde von Bernhard Bröker (Mitbegründer der Schanze)

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  • Selbstbildnisse der Gründerväter (v.l.): Friedrich Wilhelm Liel, Albert Mazotti, Bernhard Peppinghege, Carl Busch, Ernst Hase und Ernst Bahn

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Friedrich Wilhelm Liel (Selbstbildnis 1928, erster Kanzler der Schanze)

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  • Albert Mazotti (1918)

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  • Bernhard Peppinghege (1930)

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  • Carl Busch (1924)

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  • Ernst Hase (1925)

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  • Ernst Bahn (1928)

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  • Eine Galerie der Frauenporträts der Schanze-Maler

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  • Anna Bleeker von Bernhard Bleeker um 1920

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Junge Dame im blauen Kleid von Carl Busch von 1926

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Eine Galerie der Frauenporträts der Schanze-Maler

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Büste einer stolzen Afrikanerin von Hermann Kissenkötter von 1930

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Büste einer stolzen Afrikanerin von Hermann Kissenkötter von 1930

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Frauenakt von Karl Drerup von 1930, der in Amerika als Emaille-Künstler berühmt wurde.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Frauenakt von Karl Drerup von 1930, der in Amerika als Emaille-Künstler berühmt wurde.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Die Kniende von Albert Mazzotti von 1922

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Lama, Dromedar und Büffel von Arnold Schlick 1920er Jahre

    Foto: Gerhard H. Kock
  • ama und Büffel von Arnold Schlick 1920er Jahre

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Lama von Arnold Schlick 1920er Jahre

    Foto: Gerhard H. Kock
  • „Die Jagd“ - Bronzeguss von Franz Guntermann um 1925/1927

    Foto: Gerhard H. Kock
  • „Die Jagd“ - Bronzeguss von Franz Guntermann um 1925/1927

    Foto: Gerhard H. Kock
  • "Blick aus meinem Atelier“ von Josef Wedewer von 1930 (hinten rechts der Turm der Lambertikirche)

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Verschneiter Hof von Josef Wedewer von 1930

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  • Altes Wehr in Münster von Theo Hölscher von 1930 mit Blick auf den alten Zoo (heute LBS-Gelände)

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  • Abgebrochene Häuser von Josef Wedewer von 1929

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  • Sonnenfinsternis in einer Altstadtgasse in Köln von Ernst Bahn von 1920

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  • Schlittschuhläufer auf den Aawiesen von Ernst Bahn von 1922

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  • Sandgrube von Josef Wedewer von 1927 (möglicherweise beim Bau des Aasees)

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  • Kornfeld von Josef Wedewer von 1921

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  • Stillleben mit Karaffen von Hans Kraft 1930

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  • Kartoffelstillleben (l.) von Hans Kraft von 1932 auf der Rückseite (r.) Gemälde Stadthäuser von 1925

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  • Gemälde Stadthäuser (Reproduktion) von 1925 auf der Rückseite Kartoffelstillleben von Hans Kraft von 1932

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Kartoffelstillleben von Hans Kraft von 1932 auf der Rückseite Gemälde Stadthäuser

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Stillleben von Friedrich Wilhelm Liel 1922

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Stillleben mit Blumenvase von Ernst Hase 1925

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  • Galerie der Stillleben der Gründerväter der Schanze

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  • Triptychon – Geburt, Anbetung, Kreuzigung und Himmelfahrt Christi, Öl auf Holz von Josef Wedewer 1924/25

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  • Porzellan Roloff mit Gestaltung durch Schanze-Künstler

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  • Religiöse Kunst der Schanze-Künstler

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Plakate zum Fasching der Schanze Karneval: „Rote Komode“ und „Aquarium“

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Scherzurkunde für den Schützenkönig des 4. Schanzenschützenfestes. Gemälde von Hans Pape 1930 mit einem Siegel einer Dose Immalin: „Anerkannt bestes Lederputzmittel“

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Scherzurkunde für den Schützenkönig des 4. Schanzenschützenfestes. Gemälde von Hans Pape 1930 mit einem Siegel einer Dose Immalin: „Anerkannt bestes Lederputzmittel“

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Schützenkette der Schanze mit einer Medaille auf die Schanze von Albert Mazotti (um 1925) sowie fünf Anhängern der Schützenkönige: Johannes I. der Große (Hans Pape, 1926), Heinrich I. der Kniepige (Heinrich Benteler, 1927), Johannes II. der Zufällige (Hans Kraft), 1930), Hans III. der Täufer (Hans Ostermann, 1932) und Franz I. der Senkrechte (Franz Wethmar, 1934).

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Schützenkette der Schanze mit einer Medaille auf die Schanze von Albert Mazotti (um 1925) sowie fünf Anhängern der Schützenkönige: Johannes I. der Große (Hans Pape, 1926), Heinrich I. der Kniepige (Heinrich Benteler, 1927), Johannes II. der Zufällige (Hans Kraft), 1930), Hans III. der Täufer (Hans Ostermann, 1932) und Franz I. der Senkrechte (Franz Wethmar, 1934).

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto vom Schützenfest der Schanze 1935

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Plakat von 1933 mit dem liegenden „S“, dem Logo der Schanze, das einen Schützengraben ähnelt

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  • Englische Informationsbroschüre über das Deutsche Studentenwohnheim am Breul – ein Gesamtkunstwerk der Architekten und Künstler der Schanze von 1930

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  • Plakat zur Feier des Lukastages (28. Oktober) der Schanze im Fürstenhof, ein Entwurf Waldemar Mallek um 1930

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  • Plakat zur großen Kunstausstellung „10 Jahre Schanze“ im Landesmuseum und in den Städtischen Kunststuben, Entwurf von Hans Kraft 1930

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Plakate zu Ausstellungen

    Foto: Gerhard H. Kock

Denn Künstlerinnen wurden zwar bereits 1923 ausgestellt, Mitglied sein durften sie erst ab 1950. Die Männer, meist Teilnehmer des Ersten Weltkrieges blieben unter sich, feierten Schützenfeste. Eine Schützenkette ist ein neues Exponat im Museum, das die Selbstironie der Künstler zeigt. Humor war überhaupt ein verbindendes Element, wie Texte und Bilder der prachtvollen Schanze-Chronik zeigen, die als Faksimile auch nachzulesen ist. Das Glaubensbekenntnis der Männergruppe hat ihr erster Kanzler Friedrich Wilhelm Liel formuliert: „So gruben wir eine Schanze zur Verteidigung gegen alles, was unserem Wesen und Wollen zuwider, und pflanzen auf das Banner der Hilfsbereitschaft und Treue unter den Gliedern, zu steigern die Eigenart eines jeden zu stärkerem Können – schufen uns so feststehende Burg.“ Ein Text von 1930. 1933 kamen die Nazis, die Gleichschaltung, und das Politische giftete sich in die Gruppe. Das ist ein anders Thema.

Das Politische blieb in den ersten zehn Jahren außen vor. Auch in der Kunst. Die Ausstellung präsentiert Geschichte und Kunst der ersten zehn Jahre: die Vorgeschichte, wie konservativ der Kunstgeschmack bis 1918 war, wie der Erste Weltkrieg prägte, der steile Aufstieg der Schanze zur prägenden Kulturinstitution mit Ausstellungen und den legendären Faschingsfesten bis hin zum Höhepunkt 1930: Architekten und Künstler stellten mit dem Deutschen Studentenheim am Breul ein Gesamtkunstwerk fertig, und im Landesmuseum und den Städtischen Kunststuben gab es eine große Ausstellung.

Bei der Präsentation kann das Stadtmuseum aus dem Vollen schöpfen und tut es: Schanze-Kunst aller erster Güte sortiert nach Religiösem, Landschaften, Grafik und Porträts. Die von Dr. Bernd Thier klug konzipierte Schau macht im Genre-Teil deutlich, welches stilistische Spektrum sich in der Gemeinschaft, ja in einigen Künstlerpersönlichkeiten selbst entfaltete. Expressionismus, Neue Sachlichkeit – es geht munter durcheinander, aber in einer durchweg hohen handwerklichen und künstlerischen Qualität.

Die großen Namen finden sich wie Busch, Bahn oder Röhr, aber auch hierzulande unbekannte wie Karl Drerup (1904-2000), der sich als Emaille-Künstler in Amerika einen bedeutenden Namen machte.

Das Stadtmuseum zeigt, wie wichtig die Schanze für die künstlerische Entwicklung in Münster war, einen vergleichbaren Modernitätsschub erlebte die Stadt erst wieder mit den Skulptur-Projekten.

Zum Thema

Die Eröffnung ist am Sonntag (10. November) um 16 Uhr im Stadtmuseum, Salzstraße. Carsten Bender liest aus der Chronik der Schanze.

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