„Präludium“-Konzert in der Musikhochschule
Nach Herzenslust präludiert

Münster -

Johann Sebastian Bach galt zu seiner Zeit als absolutes Improvisationsgenie, der sogar seine älteren, erfahreneren Kollegen locker in den Schatten stellte. Bach präludierte nach Herzenslust, wie es ihm gerade in den Sinn kam. Danach folgte, so vorgesehen, ein Hauptwerk, ein „richtiges“ Stück.

Mittwoch, 13.11.2019, 18:44 Uhr
Eun Young Park spielte Schumann.
Eun Young Park spielte Schumann. Foto: Christoph Schulte im Walde

Heute wird, außer bei Organisten und Jazzern, kaum noch improvisiert. Wenn also am Dienstagabend in der Musikhochschule eifrig „präludiert“ wurde, dann waren es aufgeschriebene Noten. Studierende der Klavierklasse von Peter von Wienhardt lieferten einen interessanten Einblick, wie das oft sehr frei gehaltene Präludium im 19. Jahrhundert quasi überlebte. Obgleich es dem herrschenden Geschmack zufolge „eigentlich verpönt war“, so Peter von Wienhardt in seiner instruktiven und locker formulierten Einführung.

Xuan Zhou ließ originalen Bach wie eine Schleichkatze hörbar werden, dann stieg Vasil Topalov mit der ersten der Paganini-Etüden von Franz Liszt mitten hinein in schwelgerische Romantik. Orgelnde Bässe, donnernde Akkorde und zwischendrin irisierendes Tremolo, mal links, mal rechts – oder gleich in beiden Händen. Beeindruckend!

Nicht erst bei Liszt, sondern schon bei Beethoven finden sich flackerhafte Stellen, die kaum greifbar sind, die wie improvisiert wirken. So in der späten Sonate op. 110, von Bastian Windisch wie aus dem Nichts hervorgezaubert. Und auch Justus Gerickes überragende Interpretation relevanter Teile aus der „Waldstein-Sonate“ vermittelten den Eindruck des Ätherischen, Unwirklichen, das höchst unvermittelt in explosive Eruptionen umschlagen konnte. Perfekt, wie Gericke seine Beethoven-Erkundung in Szene setzte.

Zuvor noch mal Bach: die Englische Suite, gespielt von Thilo Liu. Auch hier zur Eröffnung ein Prelude, das mit den nachfolgenden Tanzsätzen wenig zu tun hat. Und auch Robert Schumanns Prelude aus Opus 12, von Eun Young Park zupackend auf die Tasten gelegt, war „nur“ das komponierte Ausrufezeichen nach dem Motto: Achtung, gleich kommt mein eigentliches Stück, der „Aufschwung“.

Völlig verstiegene Hemisphären touchiert Johannes Brahms mit seinen Klavierstücken op. 118. Drei davon ließ Sie Eun Park durch den Konzertsaal am Ludgeriplatz irrlichtern – Musik scheinbar ohne Zentrum. Das allerdings kann man von Sergej Rachmaninows „Paganini-Rhapsodie“ mitnichten behaupten. Ein Husarenstück für 20 Finger. ChiAn Huang hat zwar nur zehn, aber es klang nach deutlich mehr. Die anderen zehn steuerte Peter von Wienhardt höchstpersönlich bei. Und hinein ging’s ins unglaubliche Getümmel, dass es dem Publikum regelrecht den Atem verschlug.

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