„Maß für Maß“ im Großen Haus
Shakespeare kannte „MeToo“

Münster -

Über 400 Jahre ist das Stück alt. Aber kein Stück veraltet. Dabei behandelt „Maß für Maß“ die Umtriebe Adeliger aller Art. Doch die Themen dieses „Problemstücks“ sind längst bürgerlich und republikanisch geworden, weil es sich um Männer handelt, die Shakespeare in seiner Komödie vorführt. Für das Große Haus inszeniert Ronny Jakubaschk den Klassiker und zielt auf Aktuelles ab.

Donnerstag, 14.11.2019, 12:52 Uhr
Wer bei diesem Bühnenbild an die Täuferkäfige an St. Lamberti denkt, liegt richtig. Bühnenbildner David Gonter hat in Shakespeares „Maß für Maß“ einige Anspielungen eingebaut.
Wer bei diesem Bühnenbild an die Täuferkäfige an St. Lamberti denkt, liegt richtig. Bühnenbildner David Gonter hat in Shakespeares „Maß für Maß“ einige Anspielungen eingebaut. Foto: Oliver Berg

Zwei Themen sieht der Regisseur hier behandelt: Mächtige, die von der Macht nicht lassen können, und Mächtige, die in ihrer Stellung übergriffig werden. Aktueller kann kaum ein Stück in der heutigen Zeit sein. Die „#MeToo“-Debatte lässt grüßen.

Ronny Jakubaschk, der zum ersten Mal in Münster inszeniert, schwärmt fürs Ensemble und freut sich hörbar mit ihm arbeiten zu dürfen. Der Regisseur will in seiner Arbeit zum einen die Opulenz des elisabethanischen Zeitalters anklingen lassen, aber zugleich fürs Heute offen lassen. Es wird Szenen betonenden Sound von Christoph Iacono geben.

In den Abgründen dieser Komödie spielt Shakespeare lustvoll mit den Widersprüchen von Anspruch und Wirklichkeit, mit Doppelmoral und der Verführbarkeit durch Macht. Wenn ein Verfechter von Sittenstrenge über seine eigenen Prinzipien stolpert, dann ist das in Zeiten von „#MeToo“ eine erschreckende Parallele.

Die Geschichte erzählt vom Herzog Vincentio, der die Sitten verfallen lässt und jetzt einen anderen, Angelo, als Sittenwächter einsetzt. Wie ein Feldherr zieht dieser „Engel“ mit aller Härte durch die Stadt – wie das bei „Law and Order“-Typen oft der Fall ist. Und Exempel statuieren solche Hardliner auch gerne. Claudio soll dran glauben, weil er Unzucht getrieben hat und die Verlobte schwanger ist. Deren attraktive Schwester bittet um Gnade. Kein Problem: Gegen gewisse Gefälligkeiten . . .

Ob Shakespeares Isabella oder Schnitzlers Fräulein Julie oder Schauspielerinnen in Hollywood – das Geschäft der mächtigen Männer ist ein Thema seit Jahrhunderten. Am Freitag wird ein erneuter Versuch zur Aufklärung und im besten Fall der Verbesserung gemacht.

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Die Premiere ist am Samstag (16. November) um 19.30 Uhr im Großen Haus des Theaters, Neubrückenstraße 63. Karten gibt es unter: ' 5 90 91 00.

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