Zeitkapsel der „Schanze“ in der Torhaus-Galerie
In 100 Jahren wird geöffnet

Münster -

Wer hundert Jahre hinter sich hat, der hat auch die nächsten hundert Jahre im Blick. Münsters Freie Künstlergemeinschaft Schanze von 1919 schickt aus ihrem Jubiläumsjahr eine Zeitkapsel in die Zukunft.

Freitag, 15.11.2019, 07:18 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 07:30 Uhr
In diese Zeitkapsel kommen die zwölf Arbeiten der Schanze-Künstler.
In diese Zeitkapsel kommen die zwölf Arbeiten der Schanze-Künstler. Foto: Kock

Wer hundert Jahre hinter sich hat, der hat auch die nächsten hundert Jahre im Blick. Münsters Freie Künstlergemeinschaft Schanze von 1919 schickt aus ihrem Jubiläumsjahr eine Zeitkapsel in die Zukunft. An die 18 Mitglieder wurden Leinwände verschickt (40 mal 70 Zentimeter): Ein Dutzend sind zurückgekommen, derzeit in der Torhaus-Galerie des Stadtheimatbundes zu sehen, werden nach der Finissage vorsichtig eingrollt, verkapselt und dem Stadtarchiv übergeben. Womit eine Frage die Ausstellung begleitet: Was werden die Menschen im Jahr 2119 von diesen Arbeiten, von unserer Gegenwart denken?

Zeitkapsel der Schanze in der Torhaus-Galerie

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  • Christine Kucinski: "Grenze zwischen Etwas und Nichts"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Andreas Laugesen: "Das kupferne Meer"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Prof. Erwin Josef Speckmann: "Fraternitas Dei #288" (Signatur)

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Dieter van Offern: "Soldat im Feuer"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jan Homeyer: "Endzeit"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Miriam: "Vom Atmen in Gewitterwolken“

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Erhard Wilde: "Die Natur ist mein Refugium"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Rupert König: "Verdrehter Christus"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Ilse Wecker: "Fremdes Terrain"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Prof. Erwin Josef Speckmann: "Fraternitas Dei #288"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Hassels: "Befürchtung"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Klaus Tesching: "Ohne Titel"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Diese Kapsel kommt für die nächsten Jahrzehnte ins Stadtarchiv.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Die Zeitkapsel der Schanze gibt es auch in limitierter Auflage zu erwerben.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Neues Mitglied der Schanze: Philipp Pohl zeigt sein "Felsenmeere"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Neues Mitglied der Schanze: Philipp Pohl zeigt sein "Felsenmeere"

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Neues Mitglied der Schanze: Philipp Pohl zeigt sein "Felsenmeere"

    Foto: Gerhard H. Kock

Dass das Religiöse präsent ist – bei der Schanze gleich drei Mal: Erwin-Josef Speckmann verweist mit „Fraternitas Dei #288“ auf eine Bruderschaft Gottes – sein abgewinkeltes rotes Kreuz steht über einem gedruckten Blisterfolien-Raster, das die Vielfalt in der Gleichheit versinnbildlicht. Rubert König zeigt seinen aus lichtgrünen Plexiglasscheiben „Verdrehten Christus“. Und Andreas Laugesen verweist mit „Das kupferne Meer“ auf das aus Tributleistungen hergestellte riesige Kupferbecken des König Salomon, das von zwölf Stieren getragen wurde und die Frage nach der Beziehung zwischen Besitz, Gewalt, Abhängigkeit und gegenseitiger Toleranz und Wohlwollen stellt. Und auch bei Christine Kucinski klingt in ihrer „Grenze zwischen Etwas und Nichts“ mit dem Alufolien-Hemd, aus dessen linker Seite feines blutrotes Glas „rinnt“, das Existenzielle des Menschen an.

Das spielt bei Dieter van Offerns „Soldat im Feuer“ ebenfalls eine Rolle, wenn er ein sich durch den Brand krümmendes Streichholz zeigt. Wird hier Gewalterinnerung gemalt, zeichnet Michael Hassels mit seiner „Befürchtung“ eine Zukunftssorge: Schriftzeichen eines abstrakten Sonetts sind mit schmauchartigen Brandspuren versehen. In Schwarz ist auch Jan Homeyers „Endzeit“ gehalten, das ihn mit herausforderndem Blick zeigt, während die Frau neben ihm wie aus Ferne den Betrachter anschaut.

Mit der Natur beschäftigen sich zwei Künstler: Erhard Wilde formuliert ein Paradies: „Die Natur ist mein Refugium“, und Miriam verbindet existenzielle Gegenwärtig von Körper mit den Bedrohungen der Natur: „Vom Atmen in Gewitterwolken“.

Klaus Tesching legt malerische Spuren in Lila, Grün und Orange in die Zeitkapsel. Man wüsste zu gern, was Menschen in hundert Jahren dazu sagen . . .

Mit Neumitglied Philipp Pohl ist in der Ausstellung eine neue künstlerische Position vertreten. Er zeigt mit „Felsenwänden“ eine komplexe Reflexion über Assoziationsmöglichkeiten.

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Die Eröffnung ist am Sonntag (17. November) um 11 Uhr in der Torhaus-Galerie, Neutor 2.

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