Pieper-Preis für Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
Symposium zur Gender-Debatte: Zwischen Ebenbürtigkeit und Differenz

Münster -

Die Erlanger Religionsphilosophin und Religionswissenschaftlerin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (74) hat am Sonntag in Münster den mit 10 000 Euro dotierten Josef-Pieper-Preis entgegengenommen. Eingebettet war die Preisverleihung, zu der allerdings nur rund 60 Gäste kamen, in ein Symposium zur aktuellen Gender-Debatte. Auch dazu hat die Preisträgerin einiges zu sagen, das quer zum Mainstream steht.

Sonntag, 24.11.2019, 15:24 Uhr aktualisiert: 24.11.2019, 15:53 Uhr
Preisträgerin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, eingerahmt vom Vorstand der Pieperstiftung: Dr. Frank Meier-Hamidi, Prof. Dr. Berthold Wald, Ulrich Schulze und Prof. Dr. William J. Hoye
Preisträgerin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, eingerahmt vom Vorstand der Pieperstiftung: Dr. Frank Meier-Hamidi, Prof. Dr. Berthold Wald, Ulrich Schulze und Prof. Dr. William J. Hoye Foto: Johannes Loy

Noch wirkt sie nach, die Ära des münsterschen Philosophen Josef Pieper (1904-1997). Doch es war beim Festakt zur Verleihung des nach ihm benannten und mit 10 000 Euro dotierten Preises an die Erlanger Religionsphilosophin und Religionswissenschaftlerin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (74) sichtbar, dass die Wirk- und Anziehungskraft des münsterschen Philosophen 22 Jahre nach seinem Tod ebenso abnimmt wie die herausragende Präsenz katholischer Intellektueller im öffentlichen Disput.

Nur etwa 60 Festgäste waren im Romero-Saal erschienen. Der engste Pieper-Kreis, unter ihnen auch der frühere Bayerische Kultusminister Hans Maier (88), blieb im Franz-Hitze-Haus weitgehend unter sich. Die Festakte für die ersten drei Preisträger – 2004 wurde der kanadische Philosoph Charles Taylor geehrt, 2009 der französische Philosoph Rémi Brague und 2014 der Schriftsteller Rüdiger Safranski – sind noch in Erinnerung und lockten im Fünfjahresrhythmus doch deutlich mehr Gäste in den Rathausfestsaal.

Dennoch war die kleine Corona am sonntäglichen Christkönigsfest festlich gestimmt, als Prof. Dr. Berthold Wald vom Vorstand der Pieper-Stiftung die Urkunde überreichte. Wald würdigte dabei nicht nur die Nähe der Preisträgerin zum Denken Josef Piepers. Er hob besonders die gedankliche Tiefenschärfe der Geehrten in der aktuellen Geschlechter- und Genderdebatte hervor. Die 1945 geborene Religionsphilosophin, die seit Jahrzehnten als Forschungsschwerpunkte die Religionsphilosophie der Moderne, die zeitgenössische Phänomenologie sowie eben gerade die Anthropologie der Geschlechter beackert, hat sich, so hieß es zur Preisbegründung, eine „über den deutschen Sprachraum hinausgehende Reputation erworben“. Sie ist zudem international bekannt als Herausgeberin der Werke von Edith Stein. Gleiches gilt für ihre Arbeiten zu Romano Guardini. Einige systematische Schwerpunkte ihrer Arbeiten wie Eros, Glück, Tod, Schuld und Vergebung weisen direkt eine Nähe zum Philosophen Josef Pieper auf, dessen Werk sie seit Gymnasialzeiten gut kennt und in kritischer Verbundenheit schätzt. Bedeutsam ist ihre Auseinandersetzung mit intellektuellen und christlichen Frauengestalten, deren Erbe sie in die aktuelle Genderdebatte fruchtbar einbringt.

Das umrahmende Symposium stand bereits am Samstag unter der aktuellen Fragestellung „Männlich, weiblich, divers?“ Es lag nahe, dass sich die Preisträgerin in ihrer Festansprache einem besonders heiklen Thema widmete: „Frau und Kirche – eine unlösbare Spannung? Anregungen in einem Minenfeld“.

In ihrer halbstündigen, eher frei flottierenden und assoziativen Rede skizzierte Gerl-Falkovitz ebenso das biblisch-christliche Menschenbild von der Gleichheit von Mann und Frau wie ihre Grundannahme einer spannenden Differenz der Geschlechter. In der aktuellen feministischen Debatte vermisst Gerl-Falkovitz eine tiefgründige, leiblich-seelische Betrachtung der Person, in der „Maria 2.0“-Bewegung eine klare und tiefe Erkenntnis des „allgemeinen königlichen Priestertums“ aller Gläubigen. Es wundert Gerl-Falkovitz zudem, dass biblische Fakten wie etwa die Erwählung der zwölf Apostel durch Jesus bei der Frage, warum in der Geschichte der Katholischen Kirche nur Männer Priester sein können, einfach beiseite geschoben werden.

Ob die Spannung, wie Frauen auch angesichts der großen biblischen Vorbilder von Maria bis Maria Magdalena künftig ihre Rolle in der Kirche finden, „gelöst“ wird oder trotz fundamentaler Gleichheit der Geschlechter eine Asymmetrie bleiben wird, ließ die Religionsphilosophin offen. Sie machte aber kein Geheimnis aus ihrer Haltung, dass sie die Asymmetrie der Geschlechter nicht als Mangel, sondern als Bereicherung ansieht: „Vive la difference!“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7087134?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Räuber überfällt Tankstelle und erbeutet Bargeld
Mit Skibrille und Wollmütze maskiert: Räuber überfällt Tankstelle und erbeutet Bargeld
Nachrichten-Ticker