„Compania trifft...“ Moondog im U2
Retrospektive Wohllaute

Münster. -

Es gibt Konzerte, deren Thema ist nicht die Musik – sondern ein Ego. Ein solches Konzert widmete „Compania trifft...“ dem Komponisten Louis Thomas Hardin (1916-1999), der als „Moondog“ in die Musikgeschichte einzog.

Sonntag, 24.11.2019, 16:16 Uhr
Die Formation „Campania“ stellte der Musik von Moondog auch Kompositionen von
Die Formation „Campania“ stellte der Musik von Moondog auch Kompositionen von

„Er schrieb Tausende Lieder, Symphonien und Kanons“, vermeldete der Info-Text zum Konzert, und sei „ein Perfektionist, der Bach Kompositionsfehler nachwies“, gewesen. Keine Weltkapazität der Musik scheint Moondog, der mit 16 Jahren erblindete und durch den Besuch einer Blindenschule zur Musik kam, ignoriert zu haben. In ihrer Einleitung zur Biografie spielte Svenja Ciliberto (Viola) alle Trümpfe aus: Von Arturo Toscanini bis Igor Strawinsky , Jazz-Kon-trabassist Charles Mingus bis Blues-Ikone Janis Joplin und Minimal-Music-Papst Philip Glass wurden Kronzeugen für Moondogs außergewöhnliches Talent genannt. Auf Fotos wirkt der weißmähnige Moondog mit wallendem Bart wie eine alttestamentarische Erscheinung, ein Prophet, der auch mal eine lederne Wikingerkappe mit Büffelhörnern trug. Irgendwann landete Moondog in Münster – und ist hier auch auf dem Zentralfriedhof begraben.

Moondog scheint ein Mann gewesen zu sein, der musikalische Horizonte sah, wo hinter ihm Berge lagen. Nach eigenem Bekenntnis radikal konservativ, fixierte er sich auf den Kontrapunkt als zentrale Kompositionstechnik und felsenfeste Tonalität. Im Hintergrund der Bühne im U2 lief eine Filmspur über Städte, dann kam ein Text ins Bild: Das sei die Musik dazu gewesen, so Ciliberto nach einer widerstandslos tonalen Streichquintett-Musik. Danach interpretierte Mihai Ionescu (Violine) Strawinskys „Elegy“, eine hochkonzentrierte, schroffe Musik, Welten entfernt von Moondogs retro-spektiven Wohllauten. Über seine Kanon-Vorliebe wehte ein Hauch Pachelbel, ihr die „Kunst der Fuge“ von Bach gegenüberzustellen, wirkte irritierend. In den hochkonzentrierten Musikermienen hätte man die kontrapunktische Fallhöhe zu Moondogs Opus herauslesen können.

Dabei blieb es: Im Vergleich zu Elvis Costellos „Juliet Letters“, von Pascal Harington idiomatisch gesungen, klang „Bye, Bye, Manhattan“, das beste Stück Moondogs an diesem Abend, noch unaufregend. Nur Philip Glass’ Streichquartett Nr.2 bot Moondogs Gattungsbeitrag Paroli, ohne von epigonalem Tonfall, eklektizistischer Satztechnik und harmlosen Harmonien abstrahieren zu können oder zu wollen. Brahms hörte den „Riesen Beethoven“ hinter sich „marschieren“, Moondog die ganze Musikgeschichte – und stellte sich doch taub. Es klang nach lokalpatriotischem Happening – nicht mehr, nicht weniger.

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