Händels „Belshazzar“ begeisterte
Schreckensherrschaft lohnt sich nicht

Münster. -

Machtgier und Rachsucht, aber auch der Wunsch nach Versöhnung und Freiheit – Georg Friedrich Händels „Belshazzar“ vereint in seinem alttestamentlichen Stoff ganz große menschliche Gefühle. An diesem Wochenende war das Oratorium in der Martinikirche Münster in einer berührenden halbszenischen Aufführung mit dem Kammerchor St. Lamberti zu hören.

Sonntag, 24.11.2019, 16:18 Uhr
König Belshazzar (Kieran Carrel) lässt die von Nebukadnezzar erbeuteten jüdischen Tempelgefäße für ein Festgelage herbeibringen.
König Belshazzar (Kieran Carrel) lässt die von Nebukadnezzar erbeuteten jüdischen Tempelgefäße für ein Festgelage herbeibringen. Foto: bhe

Vom Cembalo aus leitete Alexander Toepper den Chor, begleitet von dem hervorragend musizierenden Barockensemble an St. Lamberti.

Wer den Chor schon einmal gehört hat, kennt dessen hohe stimmliche und musikalische Qualität bereits. Nun zeigten die gut zwanzig Sängerinnen und Sänger, dass sie darüber hinaus auch schauspielern können. Souverän wechselten sie die Rollen und überzeugten als jüdische Gefangene in der Stadt, als spottende Babylonier beim Festgelage und dann wiederum als das siegreiche persische Heer.

Zur Seite standen dem Chor fünf hervorragende Solisten. Sopranistin Carine Tinney sang als Königsmutter Nitocris die Bitten um Mäßigung an ihren Sohn so innig, dass der Kontrast zu Belshazzar umso schärfer hervortrat. Kieran Carrel zeichnete den babylonischen König als Tyrann, der sich unbelehrbar und selbstverliebt zunächst von dem verstörenden Menetekel an der Wand zu erholen schien. Energiegeladen und hadernd setzte Bassist Yannick Debus den Rebellen Gobryas in Szene. Mit Janina Hollich und Julia Spies waren auch die Rollen des Propheten Daniel und des persischen Fürsten Cyrus als Helden innerer und äußerer Stärke brillant besetzt. Viele Gänsehaut-Momente bereitete sowohl die prachtvolle Musik als auch die einfühlsame szenische Einrichtung von Benedikt Borrmann und Pia Oertel. Farbige Beleuchtungen (Licht: Fabian Seifert) unterstrichen das Bühnengeschehen zusätzlich.

„Alle Reiche hängen von der Gunst Gottes ab“, hieß es mahnend zu Beginn des Oratoriums (im englischen Original, die übersetzten Texte wurden auf den Wänden der Seitenschiffe angezeigt). Diese Aussicht mag heute weniger verbreitet sein als 1744, im Entstehungsjahr von Händels „Belshazzar“. Eine Botschaft an alle Machtbesessenen da draußen bleibt aber klangvoll und zeitlos bestehen: Schreckensherrschaft lohnt sich nicht. Gelohnt hat es sich aber auf jeden Fall, dieses außergewöhnliche Konzert zu hören. Das Ensemble freute sich über den begeisterten Applaus in der sehr gut besuchten Kirche.

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