Helena Waldmann stellt furioses Kampfsport-Theater vor
Totaler Schutz keine Lösung

Münster -

In Helena Waldmanns Tanztheater „Der Eindringling – eine Autopsie“ geht es um das Fremde und darum, wie Menschen sich dagegen abzuschotten versuchen.

Donnerstag, 28.11.2019, 19:52 Uhr aktualisiert: 28.11.2019, 20:00 Uhr
Elemente des chinesische Kampfsports Kung Fu baut die Berliner Choreographin Helena Waldmann in ihr Tanzstück über das Fremde und die Abschottung ein.
Elemente des chinesische Kampfsports Kung Fu baut die Berliner Choreographin Helena Waldmann in ihr Tanzstück über das Fremde und die Abschottung ein. Foto: Christopher Schmidt

Das Publikum im Pumpenhaus nimmt den japanischen Tänzer Ichiro Sugae als harmlosen jungen Mann wahr, der in unbeschwerten Ballettschritten über die Bühne hüpft. Für seine Kollegen Tillmann Becker und Mattia Saracino scheint er aber eine Bedrohung darzustellen. Wie Messpunkte eines Radarsystems verfolgen sie seine Position, bis einer von ihnen auf die Bühne springt und den Eindringling mit einem Fußtritt zu Fall bringt. Ihn gewissermaßen erlegt. In einer anderen Szene werden sie ihn mit Hightech-Waffen bedrohen und ihm zu verstehen geben, dass er nicht erwünscht sei.

In Helena Waldmanns Tanztheater „Der Eindringling – eine Autopsie“ geht es um das Fremde und darum, wie Menschen sich dagegen abzuschotten versuchen. Gezeigt werden Maßnahmen, die zuerst nur nach außen wirken, sich später aber auch nach innen richten und am Ende genau das, was man glaubte, schützen zu müssen, im Keim ersticken.

Bei der tänzerischen Umsetzung greift die Berliner Choreographin auf Elemente des chinesischen Kampfsports Kung Fu zurück, bei dem es weniger darum geht, den Gegner zu vernichten als ihn kennenzulernen. Allerdings scheint sich dieser Gedanke bei den Protagonisten nicht durchzusetzen. Statt das Fremde an sich heranzulassen, schützen sie sich mit Schlagkissen, Helmen und gepolsterten Handschuhen, bis sie so unbeweglich sind, dass sie sich kaum noch bewegen können.

Auf diese Weise entstehen aussagekräftige Bilder von mitunter grotesker Komik. Beispielsweise wenn zwei Tänzer sich zu einem Tango aufstellen und sich dabei derart aufpolstern, dass ihre Darbietung jeglicher Eleganz, geschweige denn Erotik entbehrt.

Ähnlich skurril gestaltet sich eine Liebesumarmung, bei der sich die Beteiligten aufgrund der Schutzmatten, die sie sich um den Körper geschnallt haben, kaum noch berühren können. Oder ein Zweikampf, zu dem Telmo Branco mit seiner wunderbaren Stimme einen comicartigen Soundtrack liefert.

Es gibt die Theorie, dass die Dinosaurier ausgestorben sind, weil die Schalen der Eier irgendwann so dick waren, dass die Küken sich nicht mehr daraus befreien konnten. Ein anderes Beispiel, dass maximaler Schutz keine Lösung ist, führt Waldmann im Programmheft an. Bei Schwangerschaften fahre der Körper das eigene Immunsystem herunter, damit es nicht gegen das Fremde, also den Embryo, vorgehen kann, schreibt sie und folgert, dass sowohl der Körper als auch der Staat sich öffnen müssen, um zu überleben.

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