„Ensemble 22“ in der Lambertikirche
Jeder Ton wie in Geschenkpapier verpackt

Münster -

Mal ehrlich: Wer käme auf die Idee, am vierten oder fünften Sonntag in der Passionszeit schon „Das Grab ist leer“ anzustimmen? Niemand! Für die Advents- und Weihnachtszeit scheint eine vergleichbare Trennschärfe schon lange nicht mehr zu gelten. Und so sang das exquisite „Ensemble 22“ am Sonntag in St. Lamberti schon eifrig „Resonet in laudibus“ und „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, obwohl die Krippe sich erst in gut zwei Wochen füllen wird.

Montag, 09.12.2019, 17:46 Uhr
Das „Ensemble 22“ sang unter neuer Leitung von Marion Wood in der Lambertikirche.
Das „Ensemble 22“ sang unter neuer Leitung von Marion Wood in der Lambertikirche. Foto: Christoph Schulte im Walde

Mal ehrlich: Wer käme auf die Idee, am vierten oder fünften Sonntag in der Passionszeit schon „Das Grab ist leer“ anzustimmen? Niemand! Für die Advents- und Weihnachtszeit scheint eine vergleichbare Trennschärfe schon lange nicht mehr zu gelten. Und so sang das exquisite „ Ensemble 22 “ am Sonntag in St. Lamberti schon eifrig „Resonet in laudibus“ und „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, obwohl die Krippe sich erst in gut zwei Wochen füllen wird.

Sei’s drum: das „Ensemble 22“ macht einfach gute Musik. Auch unter seiner neuen Dirigentin Marion Wood . Nahtlos führt sie die subtil gearbeitete Ästhetik weiter, mit der Woods Vorgänger Ulrich Haspel mehr als zwei Jahrzehnte lang den Klang dieses Auswahlchors der Universität geformt hat. Ganz gleich, ob es um schlichte vierstimmige Chorsätze geht oder um einen rhythmisch diffizilen „Gaudete“-Jubel, ob sich fragile Pianissimo-Wolken durch den Kirchenraum schlängeln oder ein machtvolles Fortissimo geboten ist – die 22 Kehlen machen das souverän. Sie finden einen eher strengen Tonfall für die frühe Mehrstimmigkeit eines Guillaume Dufay ebenso zielsicher wie die butterweichen Harmonien, in die Meister wie Peter Warlock oder Edward Bairstow ihre wohligen Weihnachtswünsche tauchen.

Die stilistische Vielfalt, die Marion Wood mit ihrem neuen, alten Chor pflegt, manifestiert sich auch mit drei wirklich lohnenden Stücken eines Anonymus, die Wood auf der Orgelempore einer englischen Kirche fand. Wer immer sie geschrieben hat, der oder die konnte komponieren.

Großartig und geradezu unter die Haut gehend: „O Magnum Mysterium“, ein doppelchörig angelegtes, anspruchsvolles Highlight für jeden Spitzenchor aus der Feder von Morten Lauridsen. Dem „Ensemble 22“ gelang das Kunststück, jeden einzelnen Ton in Geschenkpapier zu verpacken.

Prüfstein für erlesene Stimmkultur sind zweifelsohne auch die vier Weihnachtsmotetten von Francis Poulenc. Eine herbe Schönheit, eigenwillig in der Behandlung des lateinischen Textes, mit überraschenden harmonischen Ecken und Kanten. Einige davon überraschten dann auch aktuell den Chor, in „O Magnum Mysterium“ etwa oder später in der Motette über die drei Weisen, die hier an der Krippe nicht ganz den rechten Platz für Gold, Weihrauch und Myrrhe fanden. Gleichwohl: Es war ein beeindruckender Auftritt in der vollbesetzten Lambertikirche. Überschwänglicher Beifall.

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