„Canticum novum“ in Herz-Jesu
Schwebende Klangwölkchen

Münster -

Immer, wenn man ein Konzert von „canticum novum“ besucht, stellt man erfreut fest, wie gut es besucht ist, – und wundert sich doch ein bisschen, warum nicht noch viel mehr gekommen sind.

Montag, 16.12.2019, 19:43 Uhr aktualisiert: 16.12.2019, 19:50 Uhr
Ein perfekt austarierter Klangkörper: Michael Schmutte und sein „canticum novum“
Ein perfekt austarierter Klangkörper: Michael Schmutte und sein „canticum novum“ Foto: Zinkant

Immer, wenn man ein Konzert von „ canticum novum “ besucht, stellt man erfreut fest, wie gut es besucht ist, – und wundert sich doch ein bisschen, warum nicht noch viel mehr gekommen sind. Nach fast genau 20 Jahren ist der von Michael Schmutte gegründete Kammerchor wahrlich eine feste Größe in der Stadt. Und eine sichere Bank. „Na, willst du auch mal ein wirklich gutes Chorkonzert hören?“, lächelte ein Besucher dem andern am Eingang der Herz-Jesu-Kirche zu . . .

Für das ebenfalls schon traditionelle Konzert zum dritten Advent hatten sich die etwa 30 Chormitglieder von ihrem Leiter einmal mehr ein anspruchsvolles und anrührendes Programm auf die Pulte legen lassen; das Orgelcontinuo spielte Bastian Heymel. Traditionelles und Originelles, Renaissance und Romantik – und mittendrin Johann Sebastian Bach .

Zwei von den sechs Motetten Bachs erklangen an diesem Abend – polyphone Innerlichkeit von der schönsten Art: „Komm, Jesu, komm“ und „Jesu, meine Freude“. Letztere ist die umfangreichste der sechs und bot einigen Sängerinnen und Sängern auch Gelegenheit zu solistischen Darbietungen, etwa in der Strophe „Denn das Gesetz des Geistes“. Die drei Sängerinnen sangen ihren Part zwar tadellos, traten indes aus dem Schatten des Chores nie ganz heraus. „Canticum novum“ ist eben zuvorderst ein perfekt austarierter Klangkörper, in dem es zumeist um subtilen Schönklang und etwas weniger um (religiöse) Emphase geht.

Das genießt man bei jenen Stücken am meisten, die gleichsam als Klangwölkchen durch den Kirchenraum schweben, mit leisen akkordischen Summtönen, die den Text sinnlich umspielen und tragen. So auch bei „The Angel Gabriel“ (auch als „baskisches Magnificat“ betitelt, das Edgar Pettmann arrangiert hat): Musik so zerbrechlich wie Porzellan. Und genauso schön.

Ähnlich erging es Herz und Ohr beim Magnificat von Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621). Archaische Frömmigkeit auf Latein, die mittels subtil ausgehörter Gesangslinien quasi transzendierte. Selbst eine Prise moderner Dissonanzen-Würze („Corpus Christi Carol“ von Trond Kverno) klingt bei diesem Chor erlesen. Dabei kann sich canticum novum sehr wohl zu kernigen Forte aufraffen. Wie am Ende, als Händels volltönender Weihnachtsklassiker „Tochter Zion“ durch die Herz-Jesu-Kirche scholl. Schön!

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