Marion Wood übernimmt Uni-Chöre von Ulrich Haspel
Übergabe mitgutem Gewissen

Münster -

Wach- und Generationenwechsel im Bereich Musik der Westfälischen Wilhelms-Universität. Das Collegium Musicum Vocale der Universität wird seit dem Wintersemester von Marion Wood dirigiert.

Samstag, 21.12.2019, 07:10 Uhr
Marion Wood hat die Leitung der Universitätschöre von Ulrich Haspel übernommen.
Marion Wood hat die Leitung der Universitätschöre von Ulrich Haspel übernommen. Foto: Schulte im Walde

Wach- und Generationenwechsel im Bereich Musik der Westfälischen Wilhelms-Universität . Das Collegium Musicum Vocale der Universität (1998 durch Ulrich Haspel von Herma Kramm übernommen) wird seit dem Wintersemester von Marion Wood dirigiert. Christoph Schulte im Walde sprach mit den beiden über die Geschichte der Uni-Chöre und Zukunftspläne.

 

Herr Haspel, vor 21 Jahren haben Sie den Universitätschor sowie den über die Landesgrenzen hinaus bekannten Madrigalchor als musikalischer Leiter übernommen. Was waren damals ihre ersten Schritte?

Ulrich Haspel: Das von Herma Kramm nur sporadisch eingesetzte „Kammerensemble“ habe ich zu dem bis heute in dieser Form existierenden „Ensemble 22“ etabliert und mit ihm kontinuierlich gearbeitet. Alle drei Chöre bekamen dann je eine mit dem Rektorat der Universität abgestimmte Satzung mit dem Ziel, die Chöre fest zu verankern.

Was hat sich im Laufe dieser langen Jahre geändert?

Haspel: Wenn man früher in einem der Chöre anfing, blieb man bis zum Ende des Studiums. Heute ist die Fluktuation größer. Da gibt es studienbedingte Auslandsaufenthalte oder Wechsel des Studienortes. Außerdem sieht ein Tagesablauf der Studierenden heute anders aus als vor 20 Jahren. Das schlägt sich deutlich nieder.

Trotzdem präsentieren die Universitätschöre nach wie vor anspruchsvolle Chorliteratur!

Haspel: Viele Chormitglieder spielen ja ein Instrument oder haben in der Schule an Programmen wie JeKi oder JeKiss mitgemacht, sind also schon gut vorgebildet. So ist ein größeres Projekt auch schon mal in nur einem Semester möglich.

Zu Beginn des laufenden Wintersemesters haben Sie die Leitung der Ensembles an Marion Wood abgegeben, die ihre Arbeit nun fortsetzt. Was waren für Sie die besonderen Momente im Leben der Chöre?

Haspel: In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit standen natürlich die großen Konzerte im Mittelpunkt. Für mich waren die eigentlichen Höhepunkte zum Beispiel dann, wenn der Chor in einer ganz normalen Probe plötzlich etwas konnte, was er vorher noch nicht gekonnt hat, wenn plötzlich etwas passierte, wenn eine Intonation stimmte, sich eine Spannung aufbaute.

Wie fühlen Sie sich jetzt im Hinblick auf die Chöre?

Haspel: Eigentlich ganz gut. Ich weiß: die Ensembles funktionieren – und jetzt kannst Du sie guten Gewissens abgeben.    Marion Wood: Es ist selten, Chöre übernehmen zu können, bei denen man ohne „Kompletterneuerung“ auskommt, die man quasi als Instrumente geschenkt bekommt, die völlig in Ordnung sind. Ich kann also sofort mit meiner Arbeit anfangen.

Sie sind eher durch Zufall auf den Universitätschor gestoßen, nicht wahr?

Wood: Ja, als ich vor sechs Jahren aus privaten Gründen von England nach Deutschland kam, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, habe ich nach einem Chor gesucht, um in ihm zu singen. Ich habe mich beim Uni-Chor gemeldet, obwohl die Bewerbungsfrist schon abgelaufen war.    Haspel: Marion und ich kannten uns überhaupt nicht. Aber als sie sagte, sie könne auch Tenor singen, habe ich sofort zugesagt. Nach der ersten Probe war mir dann schnell klar, dass da mit Marion jemand im Chor saß, die wohl einige Ahnung von Musik hat.

Und dann sind Sie, Frau Wood, schnell in Münster in Erscheinung getreten als Dirigentin von Konzerten, in denen barocke, romantische und vor allem auch zeitgenössische Musik auf den Programmen standen. Inzwischen arbeiten Sie am Institut für Musikpädagogik. Welche Pläne haben Sie mit den Universitätschören?

Wood: Unsere nächsten Projekte? Das sind Francis Poulencs „Gloria“ im April 2020, dann mit dem Madrigalchor Poulencs „Stabat Mater“. Wir versuchen Literatur zu bringen, die andere Chöre hier in Münster oder auch das Theater nicht so häufig gemacht haben . . .    Haspel: . . . und worauf die jungen Leute in den Chören auch neugierig sind.

Gibt es womöglich auch neue Impulse in der zukünftigen Arbeit mit den Chören?

Wood: Ja, vielleicht. Mit der Zielsetzung, schneller proben zu können. Hilfestellung bietet da ein von mir entwickeltes System, das über eine Handy-App das eigenständige Lernen der Stimmen erleichtert, also die Lesekompetenz der Chormitglieder beim Studieren der Noten verbessert.

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