Ausgezeichneter Kurzfilmtag im Bennohaus
Gegen die Macht der Apps

Münster -

Kurze Filme am kürzesten Tag des Jahres. Und nicht nur die Preisträger faszinieren im Bennohaus.

Sonntag, 22.12.2019, 17:12 Uhr
Moderatorin Maria Steinmetz mit einigen Teilnehmern des Wettbewerbs und Juror Bernward Hoffmann (r.)
Moderatorin Maria Steinmetz mit einigen Teilnehmern des Wettbewerbs und Juror Bernward Hoffmann (r.) Foto: Günter Moseler

Die Traumfrau des Lebens kann eine Tür weiter wohnen – und bleibt doch ewig unerreichbar: Was wäre gewesen, wenn man nicht verschiedene Arbeitszeiten gehabt hätte? Himmel und Hölle liegen nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt, darauf spielte das Themen-Motto „Was wäre wenn …“ für den Kurzfilmwettbewerb „Der kürzeste Tag“ im Bennohaus an: Das Schicksal kann sich ebenso blindem Zufall wie souveräner Abdrift verdanken. Zwischen 14 und 25 Jahre alt durften die Teilnehmer sein, jeder Film nicht länger als fünf Minuten dauern. Sieben Beiträge wurden in der Endrunde von der Jury mit Bernward Hoffmann (Dozent FH Münster für Medien und Kulturpädagogik) und Jan Leye (Geschäftsführer Bürgerhaus Bennohaus) kritisch beäugt.

Schon in Felix Schusters „Jackpot“ kannte das Schicksal keine Gnade: Der Hauptgewinn zerrinnt per Augenaufschlag, gerade noch wurde mit fetten Scheinen geprasst, da entblättert Erwachen den Millionen-Traum jäh als Illusion. Dagegen stakste am Ende der „Plastikmensch“ von Luca Jacob in bizarrer Plastikmode durchs Bild, als sei man im „Albtraum einer dystopischen Plastikwelt“ wie einer außerirdischen Steuerung ausgesetzt. Den Menschen im radikalen Eigensinn thematisierte Johannes Buchholz’ „Gezeichnet“, wo ein Maler seine Bilder der Öffentlichkeit vorenthält: „Ich verkaufe meine Bilder nicht!“ Tingelt die Freundin frustriert mit eigenen Bildern von Galerie zu Galerie, verweigert er sich – auch einer Gewissensgeisterstimme hörig („Du musst stark bleiben!“) – trotz existenziellen Risikos. Die Jury war sich einig: dritter Preis!

„Was wäre, wenn du keine Musik gehört hättest“ von Jakob Cassens erzählte in aphoristischer Kürze von der Gnade, ohne musikalische Dauerbeschallung seines Weges zu gehen: Ein Junge schlendert durch die Gegend; mit Knopf im Ohr hört er die beiden Angreifer nicht, die ihn mit der Pistole bedrohen und ausrauben. Zweite Einstellung: Ein Junge schlendert durch die Gegend; die Vögel jubilieren, er hört die beiden Angreifer und kann flüchten

Adrian Sagolla schickte seinen Darsteller Samir Imaankaf in „Copy“ durch ein schizophrenes Szenario, entwirft wie ein Kopierer Kopien von Wirklichkeit, die nicht (!) stattgefunden hat. Die Versuche der Hauptfigur, von den Fälschungen der Maschine sich buchstäblich reinzuwaschen, misslingen, völlig verzweifelt begeht sie Selbstmord: Zweiter Preis! „Choice“ von Quentin Federau nahm die heraufziehende Allmacht von Apps ins Visier, die sich zwischen Pizzabestellung und Beischlaf, Selbstmord und unterlassener Hilfeleistung („Geh’ weiter!“) tummeln – bis man sich bewusst gegen ihre Deutungshoheit entscheidet: Erster Preis! Kurzfilme auf Langzeitpirsch!

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