Tanztheaterstück „Der himmlische Spiegel“ im Großen Haus
Wimmelnde Wesen im irdischen Wahn

Münster -

In seiner Tanzproduktion „Der himmlische Spiegel“, die jetzt im Großen Haus des Theaters Münster uraufgeführt wurde, bezieht sich Hans Henning Paar auf Hieronymus Boschs Gemälde „Der Garten der Lüste“. Das vor rund 500 Jahren entstanden Triptychon zeigt den Garten Eden, die wimmelnde Welt und die Hölle und kombiniert dabei fantastische mit realistischen Motiven.

Ähnlich wirklich-unwirklich gestalten sich auch die Bilderwelten, die das Ensemble hier präsentiert. Ein spannungsgeladener Tanzabend.

Sonntag, 12.01.2020, 14:06 Uhr
Fantastische Wesen bevölkern die Bühne und schaffen eine Atmosphäre, die der Fantasie des Zuschauers reichlich Raum lässt
Fantastische Wesen bevölkern die Bühne und schaffen eine Atmosphäre, die der Fantasie des Zuschauers reichlich Raum lässt Foto: Oliver Berg

Die auf Gaze projizierte Flüssigkeit lässt an eine Ursuppe denken, aus der dann die Welt entsteht. Gott tritt auf. Aber es ist kein erhabener, allmächtiger Gott. Eher wirkt er wie ein Mechaniker, wenn er zwischen Adam und Eva herumturnt und wie bei einer komplizierten Maschine hier und dort noch letzte Einstellungen vornimmt. Doch irgendwann ist auch das erledigt. Der Mensch ist geboren, das Unheil nimmt seinen Lauf.

In seiner Tanzproduktion „Der himmlische Spiegel“, die am Samstag im Großen Haus des Theaters Münster uraufgeführt wurde, bezieht sich Hans Henning Paar auf Hieronymus Boschs Gemälde „Der Garten der Lüste“. Das vor rund 500 Jahren entstanden Triptychon zeigt den Garten Eden, die wimmelnde Welt und die Hölle und kombiniert dabei fantastische mit realistischen Motiven.

Wirklich und unwirkliche Welten

Ähnlich wirklich-unwirklich gestalten sich auch die Bilderwelten, die das 13-köpfige Ensemble auf die Bühne bringt. In lehmfarbenen Kostümen (Anna Siegrot), deren Muster an ausgetrocknete Flüsse oder gesprungene Farbe auf alten Gemälden erinnert, bevölkern die Tänzer eine zwischen Traum und Albtraum angesiedelte Welt. Wimmelnde, rastlose Wesen bekommt man zu sehen, die ständig auf der Suche nach Glück und dabei ständig vom Scheitern bedroht sind.

Projektion und Reflexion bilden den ideologischen Überbau der Choreografie. Veranschaulicht wird dies durch einen großen runden Spiegel, der das Treiben der Akteure aus der Draufsicht reflektiert und gleichzeitig als Projektionsfläche ihrer Wünsche, Sehnsüchte und Begierden dient. Erdbeeren sind einmal darin zu sehen, rot und prall als Sinnbild der Lust, später dann schrumpelig und verfault als Zeichen für die Vergänglichkeit alles Irdischen.

Faszinierende Ästhetik

„Der himmlische Spiegel“ ist ein Tanzabend, der mit starken Bildern und faszinierender Ästhetik überzeugt. Man begegnet vielgliedrigen Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier. Grotesk aussehende Figuren wandeln traumverloren über die Bühne oder liefern sich Zweikämpfe, während ein düsterer Engel das Treiben aus dem Spiegel heraus beobachtet – alles Szenen, die das Assoziationsvermögen des Zuschauers unmittelbar ansprechen und der Fantasie reichlich Raum lassen, sich zu entfalten. Tänzerisch leistet das Ensemble in der 80-minütigen Aufführung Beachtliches. Dynamische Massenszenen wechseln sich mit komplexen Gruppenkonstellationen und anmutigen Pas de deux ab und sorgen so für einen durchgängigen Spannungsbogen – akzentuiert von einer teils hochdramatischen Musik, die Pierre Oser eigens für das Stück komponiert hat und die das Sinfonieorchester Münster unter Leitung von Thorsten Schmid-Kapfenburg nicht weniger dramatisch umsetzt.

 

 

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