Deutsche Erstaufführung von Jan Decortes „body a.k.a“ im Pumpenhaus
Kampfhähne überwinden das Böse

Münster. -

Mitte der 1990er Jahre nahm sich der belgische Theatermacher Jan Decorte den Shakespearschen „Macbeth“ vor und tauchte dabei so tief hinab ins Grauen, dass er sich anschließend einige Zeit von der Bühne zurückziehen musste. Trotzdem hat er sich jetzt wieder mit dem Stoff beschäftigt. „body a.k.a“ heißt seine neue Macbeth-Bearbeitung, mit der er, seine Partnerin Sigrid Vinks und die Performerin Lisah Adeaga am Wochenende im Pumpenhaus gastierten.

Montag, 13.01.2020, 10:12 Uhr
Sigrid Vinks (l.), Jan Decorte und Lisah Adeaga in Decortes traumwandlerisch anmutender Inszenierung im Pumpenhaus
Sigrid Vinks (l.), Jan Decorte und Lisah Adeaga in Decortes traumwandlerisch anmutender Inszenierung im Pumpenhaus Foto: Danny Willems

Wenn etwas hermetisch ist, dann dieses Stück. Die Sprache tritt weitgehend in den Hintergrund, Shakespearschen Text sucht man vergeblich. Stattdessen gibt es Zeilen von Decorte selbst. Von Tod und Geburt ist die Rede, von Blut und Geheimnis und von einer Sau, die ihre neun Ferkel gegessen hat – alles Sachen, die man mit etwas gutem Willen mit Macbeth in Verbindung bringen könnte. Unmittelbare Notwendigkeit besteht aber nicht.

Ähnliches gilt für die körperlichen Aktionen, die nicht weniger rätselhaft wirken. Auffällig ist jedoch, dass die Abwärtsspirale, auf der Macbeth sich bewegt, die Richtung gewechselt zu haben scheint.

Denn das Spiel beginnt mit einer Kakophonie aus grässlicher Musik, in die sich das Heulen menschlicher Stimmen mischt, während die Protagonisten mit abwehrend erhobenen Händen auf der Bühne kauern. Maximales Grauen als Auftakt. Da kann es eigentlich nur noch besser werden.

Und das tut es dann auch. Nicht unmittelbar, aber unaufhaltsam.

Wenn Decorte und Adeaga einen riesigen Schöpflöffel wie eine Streitaxt schwingen, wirken sie noch sehr martialisch. Alles andere als harmonisch gestaltet sich auch der Ringkampf, bei dem sie einander an den Köpfen packen. Doch dann kommt Vinks ins Spiel und schafft es mit ihrer sanften Art, dass die Kampfhähne voneinander lassen und bald unbedarft über die Bühne tänzeln.

Damit ist die Richtung für den Rest der Aufführung vorgegeben. Was mit Konfrontation beginnt, löst sich irgendwann im Spielerischen auf, bei dem die Darsteller gerne auch was ausprobieren und dann darüber lachen. Zum Beispiel, wenn sie sich kurz vor Schluss gegenseitig an die Gurgel gehen und sich dabei amüsieren wie bei einem lustigen Kinderspiel.

Am Ende ist das Böse keine feste Größe mehr, sondern etwas, das überwunden werden kann. Als Botschaft lässt sich das mit nach Hause nehmen, auch wenn man sonst nicht alles verstanden hat bei dieser traumwandlerisch anmutenden Inszenierung.

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