Torhaus-Galerie: Erste Einzelausstellung der Textilkünstlerin Brigitte Kumpf in Münster
Ein vielschichtiger Stoff

Münster -

Stoffe, Gewebe, Quilte, Stricken, Sticken, Nähen - Material und Methode haben es schwer in der Kunst. Seit 30 Jahren arbeitet die Textilkünstlerin Brigitte Kumpf in der „Quilt Art“. In der Torhaus-Galerie sind jetzt ihre Arbeiten zu sehen.

Dienstag, 14.01.2020, 18:30 Uhr aktualisiert: 20.01.2020, 19:17 Uhr
Die mehrfach ausgezeichnete Textilkünstlerin Brigitte Kumpf (kl. Bild) zeigt in der Torhaus-Galerie die Virtuosität und Vielfalt der „Quilt Art“ – wie hier bei „Aqua“.
Die mehrfach ausgezeichnete Textilkünstlerin Brigitte Kumpf (kl. Bild) zeigt in der Torhaus-Galerie die Virtuosität und Vielfalt der „Quilt Art“ – wie hier bei „Aqua“. Foto: Kock

Es ist was Seltsames mit dem Stoff. Gewebe scheint als „weibisch“ stigmatisiert, führt ein Schattendasein. Und die damit verbundenen Techniken erst recht: Sticken, Stricken, Makramee. Völlig zu unrecht, wie der Stadtheimatbund offen legt. In ihrer ersten Einzelausstellung in Münster zeigt die mehrfach ausgezeichnete Brigitte Kumpf Vielfalt, Virtuosität und Ausdruckskraft des Quiltens. Quilt? Da liefern die Assoziationen Steppdecken fürs Sofa oder Tagesdecken fürs Bett. Doch die Arbeiten der Textilkünstlerin aus Warendorf sind inhaltlich wie technisch künstlerisch anspruchsvoll.

Kumpf greift in einem ihrer Werke selbst das Thema frauliche Arbeit auf: In „now they are tired“ (nun sind sie müde) umkreisen die englischen Wörter für Stricken, Häkeln, Nähen und Sticken zwei auf einen Krückstock gestützte Hände, die damit gleichsam die gesellschaftliche Anerkennung für die viel zu oft unsichtbar bleibende der Arbeit von Frauen einfordern. Kumpfs Großmutter war Näherin und besserte das schmale Einkommen als Alleinerziehende durch Nähen für die Nachbarschaft auf.

Thematisch ist Brigitte Kumpf nicht festgelegt. Ihre Ausstellung hat den erzählenden Titel „Herr Oluf trifft Sterntaler und sieht nachtblau beim Hexentanz – ganz bestimmt Stoff“. In ihrem Œuvre (300 Arbeiten bislang) findet sich ein breites Spektrum, beginnend bei „Herrn Oluf“ (Goethes „Erlkönig“) bis zu politischen Themen. So hat Kumpf in „Europäischer Zeitgeist“ die Namen aller europäischer Staaten auf Nahtbänder eingestickt, verflochten und darüber auf einer Folie den Umriss Europas gelegt – inklusive England. Ein Stoff mit Fäden aus Metall erinnerte sie an den Ersten Weltkrieg und regte zu einer Collage zum Thema Krieg und Frieden an: „Sag mir, wo die Blumen sind“.

Aber auch das rein Ästhetische treibt die Künstlerin um, wenn sie geometrische Formen mit dem in der Regel dreilagigen Gewebe zum Ausdruck bringt. Und selbst das Dekor scheut sie nicht, wenn in „Aqua“, wo Filz die Tiefen des Wassers und Papier auf Seide luzide das Flirren der Sommer-Hitze bedeuten kann, Tortenpapier als florales Muster dient.

Brigitte Kumpf hat das Quilten vor drei Jahrzehnten für sich entdeckt. Sprache und Wörter machen sie neugierig, und so interessierte sie sich damals für den Kursus „Quilt“ von Heidi von der Mehden. In unzähligen Kursen hat sich die Lehrerin für Musik und evangelische Religion fortgebildet. Künstlerisch inspiriert habe sie Joan Schulze, eine mittlerweile 84-Jährige Künstlerin aus den USA. Dort wurden Quilts bereits in den 70ern zur bildenden Kunst gerechnet und sind heute in vielen Sammlungen renommierter Museen vertreten.

Brigitte Kumpf wird immer wieder zu den wichtigen „Quilt Art“-Wettbewerben eingeladen. Mit dem Art Quilt „The Two Of Us“ nahm sie sogar an der Textil-Kunst-Weltausstellung „The 7th ,From Lausanne to Beijing‘ International Fiber Art Biennale“ in Peking teil.

Die Vernissage ist am Sonntag (19. Januar) um 11 Uhr in der Torhaus-Galerie, Neutor 2. Eintritt frei. Die Ausstellung ist bis zum 13. März zu sehen.

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