Viertes Sinfoniekonzert in Münster als Einstieg ins Beethoven-Jahr
Spiel mit musikalischen Bausteinen

Münster -

Die Fünfte, die Neunte – womit eröffnet ein Orchester das Beethoven-Jahr? Das Sinfonieorchester Münster wählte stattdessen die siebte Sinfonie. Und fand auch passende Ergänzungen.

Mittwoch, 15.01.2020, 16:58 Uhr
Cellist Wolfgang Emanuel Schmidt und Dirigent Golo Berg nach der Schumann-Aufführung
Cellist Wolfgang Emanuel Schmidt und Dirigent Golo Berg nach der Schumann-Aufführung Foto: Jürgen Christ

Ein Klang, ein Rhythmus, eine Tonwiederholung: Das sind die Grundbausteine für den zweiten Satz von Beethovens siebter Sinfonie. Mit ihnen spielt der US-amerikanische Komponist John Corigliano in seiner „Fantasia on an Ostinato“. Und konsequenterweise spielte Münsters Sinfonieorchester dieses Stück zu Beginn eines Konzerts, das in Beethovens Siebter gipfelte.

Seine üppige Orchesterbesetzung nutzt Corigliano zunächst, um lustvoll wie ein Kind mit Beethovens Bauklötzen zu hantieren: mal im tiefen Blech den Rhythmus dröhnen zu lassen, mal mit den Tonwiederholungen wie sein Landsmann John Adams zu swingen – und sich am Ende in Beethovens Bauplan zu fügen.

Was hat Robert Schumann mit alledem zu tun? Mehr als man glaubt, zeigte Generalmusikdirektor Golo Berg mit seiner Programmzusammenstellung. Denn Schumanns Cellokonzert knüpft mit seinem a-Moll an den vorab zitierten Beethoven-Satz an, und für das zyklische Verklammern der Sätze hat Beethoven ja auch Modelle geliefert. Passte also bestens – und war zugleich ein schöner Kontrast, denn zwischen Coriglianos Klangspielereien und dem hellen Wirbel, der die übrigen drei Beethoven-Sätze prägt, bot das Schumann-Stück eine Feier der dunklen Töne. Das Sinfonieorchester brachte unter Golo Bergs Leitung duftige Atmosphäre in Schumanns Instrumentation, und der Solist Wolfgang Emanuel Schmidt löste die schwierige Aufgabe, virtuos spielen zu müssen, ohne vordergründig brillieren zu dürfen, elegant. Klar, dass er sich beim großen Schlussapplaus vor allem beim Solocellisten des Orchesters, Shengzi Guo, bedankte: Beide hatten sich im langsamen Satz beredte Dialogpassagen geliefert. Hübsche Ergänzung: Vor seiner Bach-Zugabe schwärmte Schmidt kurz von persönlichen Verbindungen nach Münster.

Dann aber die Siebte als sinfonischer Einstieg ins Beethoven-Jahr: Würde Golo Berg nach dem Sinfonien-Marathon seines Vorgängers Fabrizio Ventura neue Akzente setzen können? Der Anfangssatz blieb die Antwort noch schuldig, Berg legte ein zügiges Tempo vor, ohne auf Rekordjagd zu gehen, und das Orchester offenbarte viel Charme in der Themeneröffnung. Beim Allegretto-Satz aber, dessen Bausteine John Corigliano verwendet hatte, horchte man auf: Berg intensivierte die Binnenspannung des Themas und setzte die Streicher auf Vibrato-Diät. Das klang filigran und federnd, sorgte auch für Transparenz in den kontrapunktischen Passagen – und ließ die Dur-Episoden um so feiner leuchten.

Als die Sinfonie 1813 in Wien uraufgeführt wurde, war Beethoven ein Star, der nach einer Pause effektvoll sein sinfonisches Comeback feierte. Den damaligen überrumpelnden Erfolg konnten die Zuhörer in Münster nachempfinden, als Golo Berg rasant ins Scherzo startete und noch Luft für eine Finalsteigerung mit dem Orchester hatte – wenngleich Pauken und Trompeten hier das Motivspiel der Violinen übertönten. Doch wie die Bläser das sangliche Trio-Thema abschattierten und die Streicher den Finalwirbel losließen, das zeugte von feiner Detail-Arbeit und signalisierte zum Beginn des Beethoven-Jahres: Dieser Star verdient jede Feier.

Noch einmal am Sonntag um 18 Uhr in Münsters Großem Haus

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