Eline van Dijk ist Provenienz-Forscherin im Landesmuseum / Gefunden hat sie viel, nur keine NS-Raubkunst
Die Suche nach der Bildgeschichte

Münster -

Erforschen, ob sich unter den Bildern eines Museums Raubkunst befindet: Das ist ein wichtiges Unterfangen. Und bleibt für eine Wissenschaftlerin in Münster auch dann spannend, wenn sie nichts Unrechtes entdeckt.

Mittwoch, 15.01.2020, 17:04 Uhr aktualisiert: 20.01.2020, 19:17 Uhr
Eline van Dijk ist Provenienz-Forscherin im Landesmuseum / Gefunden hat sie viel, nur keine NS-Raubkunst: Die Suche nach der Bildgeschichte
Foto: Wilfried Gerharz

Zum Glück kein Befund, jedoch viele neue Erkenntnisse: Seit anderthalb Jahren studiert Eline van Dijk im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster Bildergeschichten. Die 28-jährige Kunsthistorikerin hat eine besondere Mission:Sie ist Provenienz-Forscherin. IhrAugenmerk gilt Kunstwerken der klassischen Moderne. Deren Geschichte ist oft lückenhaft – und leider auch dunkel. Die Nazis hatten zwischen 1933 und 1945 zahllosen oft jüdischen Sammlern und Kunsthändlern Schätze abgenommen oder abgepresst. Viele befinden sich nach wie vor in Kunstsammlungen, unerkannt und unerforscht.

Wer besaß wann welches Bild und wie kam es ins Museum? Legal oder womöglich als NS-Raubkunst? Das waren die zentralen, politisch-moralisch aufgeladenen Fragen. Auf die es – heute unvorstellbar – in vielen Fällen lange Zeit keine Antworten gab. Auch, weil sich kaum jemand für die Frage interessierte. In Münster so wenig wie anderswo.

Die Eigentumsverhältnisse in der eigenen Sammlung aufklären – das war der Anspruch, den Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold beim Start im August 2018 formuliert hatte. „Sich ehrlich machen“ nennt van Dijk das. Das Zweite klappt, Ersteres bleibt ein schwieriges Geschäft. Finanziert wird das zunächst auf ein Jahr angelegte, dann um zwölf Monate verlängerte Projekt vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.

Rund 120 Bilder hatte sich van Dijk ausgesucht. Werke, „die vor 1945 entstanden und nach 1933 ins Haus gekommen sind“. Ar­beiten der großen Expressionisten. Nolde, Schmidt-Rottluff, Kirchner, Dix, Sten­neroder Macke. Werke, bei denen sich hinzusehen lohnt.

64 Arbeiten, „jene, die in den frühen 50er und 60er Jahren ins Haus gekommen sind“, hat sie im ersten Jahr untersucht. Bei keinem konnte sie NS-verfolgungsbedingte Ungereimtheiten feststellen. Die Nachricht lässt aufatmen. Jedoch „ausforschen“, also die Geschichte lückenlos nachzeichnen, konnte die 28-Jährige in keinem Fall. Wohl aber hier und da bislang Unbekanntes aufklären. „Beispielsweise, dass sich das in unserem Bestand befindliche Gemälde ,Grabkreuze‘ von Gabriele Münter anders als angenommen nie im Besitz Franz Marcs befand.“

Ausforschen, was auszuforschen ist, bedeutet auch: Lücken kenntlich machen. Wodurch auch das Nicht-Wissen einen Wert bekommt. Für van Dijk ist auch das ein Erfolg, gemessen je­denfalls am Anspruch, sich ehrlich zu machen. Dennoch habe sie lernen müssen, „dass nicht alle Fragen zu beantworten sind“. Für die Kunsthistorikerin hat sich durch die Arbeit der Blick auf die Werke verändert. Das Wissen um die Geschichte hat sie um eine zusätzliche Dimension bereichert.

Im August beendete van Dijk die erste Projektphase. Seither beschäftigt sie sich mit dem fast ebenso großen Bestand expressionistischer Gemälde, „der ab Mitte der 60er Jahren und danach“ ins Museum kam, stellt dieselben Fragen, fragt dieselben Kollegen, Kunsthändler, Provenienz-Forscher, studiert Inventarbücher, Werkverzeichnisse, Kataloge.

Interessant dabei: „Je weiter sich der Krieg entfernte, desto weniger wurde nach der Herkunft der Bilder gefragt.“ Im August will sie die neuen Ergebnisse präsentieren. Noch deutet nichtsauf eine Überraschung hin.

In sieben Monaten läuft das Projekt aus. Geht alles glatt, ist auch das nur ein Etappenende. Das Museum hat die Förderung eines weiteren Forschungsvorhabens beantragt. „Wir wollen nun die Herkunftsgeschichte der Alten Kunst un­tersuchen“, sagt van Dijk. Andere Händler, andere Käufer, anderes Sujet, trotzdem auch belastet durch die Raubkunst-Problematik. „Mich würde das sehr reizen“, sagt van Dijk.

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