Musikhochschule: Cellistin Julia Wasmund im Konzertexamen
Dvořáks Stimmungen in brillanten Bildern eingefangen

Münster -

Sechs Konzerte für Cello und Orchester mit drei unterschiedlichen Programmen an fünf Tagen! Wo gibt es so etwas? In Münster. Großes Finale: das Konzertexamen von Cellistin Julia Wasmund.

Sonntag, 19.01.2020, 16:22 Uhr
Blumen für die Cellistin Julia Wasmund nach ihrem Examenskonzert. Martín Baeza-Rubio und das Hochschulorchester
Blumen für die Cellistin Julia Wasmund nach ihrem Examenskonzert. Martín Baeza-Rubio und das Hochschulorchester Foto: Schulte im Walde

Sechs Konzerte für Cello und Orchester mit drei unterschiedlichen Programmen an fünf Tagen! Wo gibt es so etwas? In Münster. Und dies ganz ohne Konzertsaal. Aber das hiesige Publikum ist Kummer ja gewohnt. So begnügte es sich am Freitag wieder mal mit dem Provisorium der Aasee-Aula mit ihrer grottenschlechten Bühnenbeleuchtung, wo Julia Wasmund sich zusammen mit dem Musikhochschulorchester in die Fluten des h-Moll-Konzertes von Antonín Dvořák warf. Eine wichtige Aufführung, immerhin war sie Wasmunds Finale auf dem Weg zum Konzertexamen, dem höchsten der zu erreichenden Abschlüsse an der Musikhochschule.

Dieses Examen dürfte sie mit Glanz und Gloria bestanden haben, denn es blieben keine Wünsche offen in der Weise, wie sie Dvořáks dreisätzigen Solitär meisterte. Stimmungen gilt es hier subtil einzufangen, melancholische, schwungvoll musikantische, gesangliche und entfesselte. All dies legte Wasmund kraftvoll und überzeugend auf die Cello-Saiten. Ganz zu schweigen von ihrer spieltechnischen Brillanz, ohne die das Dvořák-Finale kaum zu bewältigen ist. Schon allein die unbequemen Doppelgriffe sind eine echte Herausforderung, vor allem wenn sich gemeinerweise noch Triller hinzugesellen. Für Julia Wasmund alles kein Problem! Und noch wichtiger: die Musik gerät ihr bei aller Virtuosität dennoch nicht zu einer „bloßen“ Zirkusnummer – sondern weckt lebendige, authentische Bilder. Dafür war ihr ein Riesenapplaus des Publikums sicher.

Eine superbe Solistin benötigt aber auch ein verlässliches Orchester, das an diesem Abend mit Martín Baeza-Rubio sich eines höchst animierenden Gastdirigenten am Pult sicher sein durfte. Schon mit dem Blechbläser-Arrangement von Rossinis „Wilhelm-Tell“-Ouvertüre (aus Baeza-Rubios Feder!) war sofort klar: Hier stimmt die Chemie zwischen Maestro und Musikern. Derselbe Eindruck dann bei Dvořák und – nach der Pause – in Beethovens Fünfter. Ja, die „Schicksalssinfonie“. Aber ganz so viel „Schicksal“ wollte Baeza-Rubio denn doch nicht unterbringen in diesem sinfonischen „Hit“. Eher das Freundliche, Anmutige wie im Andante, das Burschikose wie im Scherzo. Und das grandios Jubelnde im Finale. Des Dirigenten Temperament sprang über aufs Orchester, Hörner und Holzbläser schwangen sich auf zu Höchstform, die Streicher verbreiteten mal Glanz, mal Tautröpfchen. So kann es an der Musikhochschule in diesem Jahr mit Beethoven gern weitergehen.

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