Hommage an Georg Kreislers Leben und Werk
Von armen Tauben und alten Tanten

Münster -

Sein schwarzer Humor ist legendär: Georg Kreisler, der Satiriker am Klavier, goss böse Pointen ins gemütliche Wiener Lied. Markus von Hagen und Philipp Ritter huldigten ihm im Kleinen Bühnenboden.

Sonntag, 26.01.2020, 16:14 Uhr aktualisiert: 28.01.2020, 18:20 Uhr
Im Geiste Georg Kreislers vereint: (v. l.) Philipp Ritter und Markus von Hagen
Im Geiste Georg Kreislers vereint: (v. l.) Philipp Ritter und Markus von Hagen Foto: Wolfgang A. Müller

Gleich zu Beginn schon müssen sie dran glauben, die gefi ederten Freunde im Park. Das boshafte Chanson „Taubenvergiften (Frühlingslied)“ ist – wenn man so will – der Hit schlechthin von Georg Kreisler . An einem Abend, der sich Leben und Liedern des aus Wien stammenden Komponisten und Dichters widmet, somit obligatorische Zutat, aber nur Auftakt für eine facettenreichere Auseinandersetzung.

Markus von Hagen und der Pianist Philip Ritter durchleuchteten den 2011 verstorbenen „Meister des schwarzen Humors“ im Kleinen Bühnenboden gleichermaßen prächtig unterhaltend wie lehrreich. Kreislers Lieder, die als Spiegel seiner Auffassungen zu verschiedenen Themen und Lebensbereichen und auch seiner künstlerischen Entwicklung wirkten, leitete von Hagen mit bisweilen durchaus weniger bekannten Details ein. Etwa der Information, dass der Onkel des Künstlers ein Fußpflegemittel entwickelt hatte, für das ein junger Mann namens Adolf Hitler dereinst Werbeplakate malte. Georg Kreisler, geboren 1922 in einer jüdischen Familie, floh 1938 in die USA, arbeitete dort in der Filmindustrie und stellte sein Talent unter anderem in die Dienste von Charlie Chaplin, dessen Klavierparts im Film „Monsieur Verdoux“ er doubelte. Als amerikanischer Staatsbürger nach Europa zurückgekehrt, trat er bis zuletzt immer wieder als kritischer und streitbarer, dabei nicht parteigebundener Kommentator des Zeitgeistes in Erscheinung.

In geschmeidigem Zusammenspiel sonoren Gesangs und mal stakkatohafter, mal perlender, ineinandergreifender Pianoläufe entwarfen von Hagen und Ritter einen musikalischen Reigen, der die immense stilistische und inhaltliche Bandbreite von Kreislers Schaffen beschrieb – seine drei Opern mal ausgenommen. Groteske Gassenhauer wie der Frauenmördersong „Biddla Buh“ aus dem Jahre 1955, das unheimliche, Nachrede und Denunziantentum aufspießende „Die Hexe“, Liebeslieder und das gar Surrealismus und Politik zusammenfügende „Zwei alte Tanten tanzen Tango“ tummelten sich da.

Großer Applaus für die Vortragenden – und den unangepassten Satiriker, an den sie würdig erinnerten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7219464?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
16-Jähriger liefert sich Verfolgungsjagd mit Polizei
Unter Drogeneinfluss: 16-Jähriger liefert sich Verfolgungsjagd mit Polizei
Nachrichten-Ticker