Familienkonzert in der Musikhochschule
Die Trompete kräht als Hahn

Münster -

Manche Tiere sind musikalischer als andere. Die Bremer Stadtmusikanten können das ein oder andere Lied davon singen – und spielen lassen.

Sonntag, 02.02.2020, 15:56 Uhr
Die kleinen Nutztiere sind sehr musikalisch.
Die kleinen Nutztiere sind sehr musikalisch. Foto: Günter Moseler

Unter Tieren geht’s dem Menschen meist gut, unterm Menschen geht’s den Tieren meist schlecht. Das ist auch im Märchen so – und „Die Bremer Stadtmusikanten“ aus der Sammlung der Brüder Grimm können ein Lied davon singen. Im Familienkonzert der Musikhochschule herrschte jedenfalls Hochbetrieb, die Kleinen drängelten sich noch in den Gängen, um die Schauspielmusik von Gisbert Näther zu hören und das Märchen zu sehen.

Das Orchester der Musikhochschule unter Leitung von Prof. Werner Raabe saß großflächig auf der Bühne verteilt, ebenso das Ensemble „Elementares Musik- und Tanztheater Münster“, auch der Kinderchor der Domsingschule (Einstudierung: Annette Bialonski) war mit von der Partie. „Und – wer hat hier kleine Ohren?“, rief Prof. Hartwig Maag (auch Inszenierung) ins Kindergewühl und sofort schallte überall ein deftiges „Jaaa!“. „Und warum seid ihr hier?“ – „Um Theater zu sehen!“ So viel zielgerichteten Enthusiasmus wünschte sich jeder Lehrer.

Zack – sofort legte die Ouvertüre flott los, schnurrte das Schlagwerk, hüpften die Rhythmen. Pädagogische Musik hat (fast) immer einen Haken: Sie klingt pädagogisch … Aber die farbige Instrumentation – der Hahn krähte, von einer Trompete synchronisiert, durch den Saal – verlieh der Musik plastischen Witz. Maag las das Märchen vor, es folgte ein instrumentales Intermezzo, dann tauchten Hund, Esel, Katze und Hahn auf, jeder mit einer kleinen Arie auf den Lippen.

Nach treuen Diensten war es ihnen schlecht ergangen: Der Esel flüchtet, weil er keine Mehlsäcke mehr tragen kann, der lahme Jagdhund sollte „erschlagen werden“, der Katze drohte der Tod durch Ersäufen, dem leider nur noch krächzenden Kirchturm-Hahn – eine hohe Leiter symbolisierte den Kirchturm – winkte ein finales Schicksal als Festtagsbraten. Das ging im Konzertsaal akustisch etwas unter, vielleicht hatte eine Helikopter-Technik ihre Hände im Spiel.

Szenischer Minimalismus war ebenso Trumpf wie musikalische Kürze und Prägnanz: Schnell traten die Tiere auf, schnell huschten sie ihre Runde um die Bühne durch die dunkelblau erleuchtete Nacht, wo später hinter einer malerischen „Wald“-Wand die verjagten Räuber argwöhnisch hervorspähten. An langen Angelruten flatterten papierne Nachtfalter, der Mond kreiste in Form einer Ikea-Kugellampe über die Szenerie. Da wurde die berühmte Tierpyramide den hartgesottenen Räubern zum Schreckgespenst – und wenn sie nicht gestorben sind, kann man am Sonntag, den 9. Februar, in Dülmen den späten Triumph der Würde alter Nutztiere noch einmal bewundern.

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