Robert Neumann gastierte bei Schonebergs „Neue Namen“
Donner und Doria

Münster -

Für Robert Neumann war der Rathausfestsaal zu klein, der Flügel zu schmalbrüstig.

Mittwoch, 19.02.2020, 15:52 Uhr aktualisiert: 20.02.2020, 09:52 Uhr
Mit Bravo-Rufen wurde Robert Neumann im Rathausfestsaal für sein Konzert mit Donner und Doria gefeiert.
Mit Bravo-Rufen wurde Robert Neumann im Rathausfestsaal für sein Konzert mit Donner und Doria gefeiert. Foto: Arndt Zinkant

Nachdem Robert Neumann als letzte Zugabe eine virtuose Zirkusnummer über die Tasten gefegt hatte, war jedem Besucher klar: Diesem jungen Draufgänger war der Rathaussaal zu klein. Sein furioser Auftritt bei Schonebergs „Neuen Namen“ strebte mit Donner und Doria nach dem ganz großen Konzertsaal. Und selbst der vorhandene Flügel wirkte für den 18-Jährigen mit dem Bombentalent irgendwie zu schmalbrüstig. Am Ende erhielt Neumann Bravo-Rufe und teils stehende Ovationen.

Klavierromantik von Franz Liszt und Robert Schumann ist für den jungen Mann wie maßgeschneidert. Aber auch bei Joseph Haydns e-Moll-Sonate Nr. 34, die zu Beginn erklang, war bereits nach wenigen Takten klar: Hier geht’s um Saft-und-Kraft-Klavierspiel und weniger um fein ziselierte Wiener Klassik. Den Presto-Satz dieser ohnehin ins Romantische strebenden Sonate ging Neumann mit Schwung und Rasanz an. Mit kernigem Bass in der linken und brillant schäumendem Zierrat in der rechten Hand. Neumann kostete geradezu augenzwinkernd sämtliche Triller aus, wenn auch zum Glück nicht so neckisch, wie etwa Lang Lang die Wiener Klassiker ausreizt. Kein Papa Haydn also, sondern „Dandy Joseph“ sozusagen.

Danach warf sich Neumann – der das komplette Programm auswendig spielte – auf Franz Liszts „Dante-Sonate“ aus den „Années de Pélerinage“. Und das wilde Wogen des Klaviersatzes, das der „Göttlichen Komödie“ durch Himmel und Hölle folgt, schien ihm keinerlei Mühe zu machen. Ohnehin mit großen Händen gesegnet, durchpflügte Neumann die Tastengewitter mit vollgriffigen Passagen und tosendem Klavierdonner. Die Mischung aus „Alter Schule“ und jugendlichem Feuer war mitreißend anzuhören. Keine Frage, Liszt der poetische Tastendämon, ist bei Robert Neumann in besten kraftvollen Händen.

Und Robert Schumann? Dessen Symphonische Etüden op. 13 gehören zu seinen beliebtesten und besten Werken – poetisch und innig, kraftvoll und virtuos. Neumann spielt die von Johannes Brahms herausgegebene längere Fassung. Und wiederum schwelgt der junge Meister in romantischer Stimmung, die er souverän durch den kunstvollen Variationen-Reigen hindurch trägt. Schlicht und innig das Andante-Thema, schwungvoll im Scherzando. Das Finale – sicherlich eins von Schumanns wirkungsvollsten Stücken – türmt Neumann überraschend pompös und gravitätisch auf. Der junge Meister quittiert den finalen Jubel lässig mit zwei Zugaben.

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