Wolfgang-Borchert-Theater zeigt „Der Revisor“
Eine feine Gesellschaft . . .

Münster -

Ist Deutschland korrupt? Nordrhein-Westfalen? Münster?

Mittwoch, 04.03.2020, 10:42 Uhr
Meinhard Zanger inszeniert den russischen Klassiker „Der Revisor“ als Groteske mit (v.l.) Johannes Langer, Ivana Langmajer, Markus Hennes, Rosana Cleve, Jürgen Lorenzen und Florian Bender.
Meinhard Zanger inszeniert den russischen Klassiker „Der Revisor“ als Groteske mit (v.l.) Johannes Langer, Ivana Langmajer, Markus Hennes, Rosana Cleve, Jürgen Lorenzen und Florian Bender. Foto: Tanja Weidner

Ist Deutschland korrupt? Nordrhein-Westfalen? Münster? Niemals. Alle aufrichtig und ehrlich – von der Steuererklärung bis zum Bauantrag. Diese Beschreibung kann Meinhard Zanger nur ironisch kommentieren: „Die meinen wir natürlich nicht. Wir zeigen mit dem Finger immer nur auf Russland.“ Der Intendant des Wolfgang-Borchert-Theaters inszeniert mit „Der Revisor“ einen russischen Klassiker von Nikolaj Gogol , ein Stück zum Thema Gewissen und Moral in der Politik.

Aber nicht nur. Denn für Zanger ist es zugleich ein Stück über Falschmeldungen, die zum persönlichen Vorteil genutzt werden. „Wir zeigen, wie auf Grund von Fake-News eine ganze Stadt Kopf steht.“

„Der Revisor“ erzählt die Geschichte einer Stadt in der Provinz. Korruption, Vetternwirtschaft und Verschwendung von Steuergeldern stehen auf der Tagesordnung. Das ruhige Leben ist schlagartig zu Ende, als ein Revisor angekündigt wird. Der mächtige Beamte soll positiv gestimmt werden – mit Geld. Soweit, so klar. Aber: Ein Unbekannter wird mit dem Revisor verwechselt. Der Hallodri ist an sich ein Lieber, aber das Geld wird ihm geradezu aufgedrängt. Er durchschaut die Bürger und lässt es sich als Hochstapler gut gehen. Bis er schließlich die Stadt verlässt, gerade rechtzeitig: Denn der echte Revisor steht vor der Tür . . .

Zanger zeigt in gut zwei Stunden die straffe Fassung von John von Düffel. Künstlerin Olga Lageda aus Nishni Nowgorod hat schon mehrfach fürs WBT gearbeitet (Schroffensteins, Mutter Courage) und diesmal als Bühnenbild einen Raum mit sechs Türen, großem Fenster und einem abgehalfterten Kronleuchter geschaffen. Zanger will die Figuren dieser „feinen“ Gesellschaft überzeichnen, Karikaturen sollen es aber nicht werden. Die Kostüme sind im Stil der Commedia dell’arte gehalten. „So wie es Gogol gemeint hat.“

„Das Stück endet bei uns stumm“, als große „Erstarrung“, erzählt Zanger. Wie soll der Zuschauer darauf reagieren? Der Regisseur zitiert dafür Brecht: „Ich würde reflektieren.“ Denn die Inszenierung sieht Zanger vor dem Hintergrund eine gefährdeten Demokratie in Deutschland und will „über das Lachen die Augen öffnen“.

Die Premiere am Donnerstag (5. März) ist ausverkauft. Karten gibt es noch für die Vorstellungen am Samstag und Sonntag (7. und 8. März). Karten: 400 19.

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