Studioausstellung über den „stillen Künstler Karel Dierickx“ im Landesmuseum
Verschwimmende Landschaften

Münster -

Dem großen Erfolg der William-Turner-Ausstellung folgt jetzt im LWL-Museum für Kunst und Kultur eine Studioausstellung, deren Landschaftsbilder an das Werk des großen Briten anzuknüpfen scheinen: Es geht um den belgischen Maler Karel Dierickx.

Mittwoch, 11.03.2020, 16:06 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 12:11 Uhr
Das Stillleben „Tears in Heaven“ malte Karel Dierickx im Jahr 2006.
Das Stillleben „Tears in Heaven“ malte Karel Dierickx im Jahr 2006. Foto: Sabine Ahlbrand-Dornseif

Diese pastosen Pinselstriche, diese wuchtigen Strukturen: Das muss das Meer sein, die wilde Küste der Bretagne. Nach dieser Landschaft ist das Bild ja auch benannt, das der belgische Künstler Karel Dierickx im Jahr 2006 malte. Doch Vorsicht vor schnellen Erklärungen, warnen Dr. Hermann Arnhold und Anna Luisa Walter vom Westfälischen Landesmuseum: „Bei der Auswahl der Bilder sahen wir auf den Rückseiten, dass der Künstler oftmals nicht nur das ursprüngliche Datum, sondern auch den Titel erneuert hat.“ Was den Betrachter des eher abstrakten Gemäldes schlussfolgern lässt, dass Dierickx auch den Atlantik an der Normandie im Sinn gehabt haben könnte. Oder gar die heimische Nordsee.

Werke von Karel Dierickx

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  • Karel Dierickx. © Dirk Vermeirre

    Foto: Dirk Vermeirre
  • Karel Dierickx, Kleines Monument für einen Vogel, 1999. © LWL-Museum für Kunst und Kultur, Sabine Ahlbrand-Dornseif

    Foto: LWL-Museum für Kunst und Kultu
  • Karel Dierickx, Tears in Heaven (Tränen im Himmel), 2006, Leihgabe aus Privatbesitz © LWL-Museum für Kunst und Kultur, Sabine Ahlbrand-Dornseif

    Foto: LWL-Museum für Kunst und Kultur
  • Karel Dierickx, Kreuzweg, Station XIII: Jesus wird vom Kreuz genommen, 5.4.2008. © LWL-Museum für Kunst und Kultur, Hanna Neander

    Foto: LWL-Museum für Kunst und Kultu
  • Karel Dierickx, Tholen, 2007, Galerie Hachmeister. © LWL-Museum für Kunst und Kultur, Sabine Ahlbrand-Dornseif

    Foto: LWL-Museum für Kunst und Kultur
  • Raumansichten in der Ausstellung "Karel Dierickx" im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Foto: LWL / Sabine Ahlbrand-Dornseif

    Foto: LWL / Sabine Ahlbrand-Dornseif
  • Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Luisa Walter haben die Ausstellung "Karel Dierickx" organisiert. Foto: LWL / Hanna Neander

    Foto: Foto: LWL / Hanna Neander
  • Karel Dierickx Kreuzweg Station IV Jesus begegnet seiner Mutter

    Foto: Sabine Ahlbrand-Dornseif

Museumsdirektor Hermann Arnhold zeigte sich geradezu begeistert von der Möglichkeit, wieder einmal selbst eine Ausstellung zu kuratieren. Er hatte Karel Dierickx, der 1940 geboren wurde und im Jahr 2014 starb, vor Jahren im Franz-Hitze-Haus anlässlich einer Ausstellung kennengelernt, in der es um den Kreuzweg von Dierickx ging: eine Grafikserie von 14 Blättern, die dem Landesmuseum später als Schenkung übereignet wurde. Und Schenkungen nimmt das Museums des Landschaftsverbandes nur entgegen, wenn sie die eigene Sammlung bereichern und Grundlage für eine Ausstellung sein können. Wie diese kleine Ausstellung in den vier Erdgeschoss-Räumen der Studiogalerie, die zumindest im ersten Raum an die große Turner-Schau anzuknüpfen scheint: Geht es doch hier, effektvoll auf rotem Grund dargeboten, um Dierickx’ Landschaftsmalerei, über die Co-Kuratorin Anna Luise Walter zurecht sagt: „Man sieht, dass alles sehr verschwimmt.“ Es ist im weitesten Sinne eine Malerei der Impressionen, die in „La Mer“ hell und freundlich aufscheinen, aber auch Bilder hervorbringen, die an dunkle Wälder, womöglich an etwas Verbranntes denken lassen. Im farbenreichen Gemälde „Die Verzweiflung der Landschaft“ ist Karel Dierickx weit über die von Arnhold benannte Schwelle vom Figürlichen zum Abstrakten hinweggeschritten.

Mittelalterliche Skulptur

Im grau getönten „Kreuzweg“-Raum sieht man auch eine kleine mittelalterliche Skulptur, die dem Künstler offenbar als Inspiration diente: In einigen der unterschiedlichen Jesus-Antlitze mag man sie wiedererkennen. Bei den Porträts im dritten Raum (auf grünem Grund) gibt das letzte Bild Rätsel auf: ein Selbstbildnis, das Porträt einer Frau, womöglich gar eine Huldigung an Marcel Proust, die der Titel „A la recherche“ nahelegt? Bei Karel Dierickx kann man nie sicher sein. So hat er eines der großen Gemälde, die im Abschlussraum unter dem Thema „Stillleben“ versammelt sind, mit dem Titel „Tears in Heaven“ versehen. Man mag an den traurigen Song Eric Claptons denken. Und man sieht einen üppigen, aber vielleicht schon welkenden, abstrahierten Blumenstrauß.

Die Studioausstellung „Karel Dierickx“ ist vom 14. März (Samstag) bis zum 7. Juni Di bis So von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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