Theater Titanick kämpft gegen den „Eisberg“ Corona
Der zweite Untergang?

Münster -

Eine Geburtstagsfeier war geplant. Jetzt wird über die Beerdigung nachgedacht. Eines der wichtigsten internationalen Straßentheater steht vor dem aus: das Theater Titanick.

Freitag, 20.03.2020, 20:15 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 12:43 Uhr
Wird der Traum zum Albtraum? Uwe Köhler (hier l. mit Produktionsleiter Niklas Becker) wollte mit seinem Theater Titanick in Münsters Gasometer mit einer spektakulären Neuauflage des ersten Erfolgsstücks „Titanic“ das 30-jährige Bestehen feiern. Jetzt steht durch die Folgen der Corona-Krise die Existenz des Theaters auf dem Spiel.
Wird der Traum zum Albtraum? Uwe Köhler (hier l. mit Produktionsleiter Niklas Becker) wollte mit seinem Theater Titanick in Münsters Gasometer mit einer spektakulären Neuauflage des ersten Erfolgsstücks „Titanic“ das 30-jährige Bestehen feiern. Jetzt steht durch die Folgen der Corona-Krise die Existenz des Theaters auf dem Spiel. Foto: Titanick

Uwe Köhler setzt drei Ausrufezeichen: „Es ist absolut dramatisch!!!“ Und dieser Mann ist als Chef eines der bedeutendsten internationalen Straßentheater der Welt darin geübt, chaotische Situationen zu meistern. Die Coronakrise ist bedrohlich berechenbar. Und wenn das Theater Titanick keine finanzielle Unterstützung im sechsstelligen Bereich erhält, wird es ihm genauso ergehen wie jenem Schiff, nach dem es benannt ist: Die Titanick wird untergehen – im Jubiläumsjahr.

Am 2. Mai wollte „Titanick“ in Leipzig mit einer Neuauflage seines ersten Erfolgsstücks „Titanic“ das 30-jährige Bestehen feiern. Realistisch betrachtet könne das Stück nicht aufgeführt werden, so Köhler: „Uns rennt die Zeit weg.“ Auch die geplanten Aufführungen in Münster vom 6. bis 8. August sowie 13. bis 15. August stehen in den Sternen. 

Ein Straßentheater von internationalem Format wie das „Theater Titanick“ aus Münster hat selbstverständlich einen monate-, wenn nicht jahrelangen Vorlauf. Doch Planungssicherheit für Theater an öffentlichen Orten kann in dieser Pandemie niemand geben. Daher steht auch das neue Roadmovie „Trip over“, das auf Münsters Syndikatsplatz uraufgeführt werden sollte, in den Sternen. Von einer Teilnahme an internationalen Festivals ganz zu schweigen.

Köhler: „Wenn wir nicht zeitnah eine Aussicht auf finanzielle Unterstützung bekommen, müssen wir sagen: Das war’s!“

Allein die festen Kosten belaufen sich Monat für Monat auf 18 000 Euro. Der Haushalt von Titanick für das Jahr 2020 beläuft sich auf fast eine Dreiviertelmillion Euro. Das war Plan A. In Plan B geht Köhler davon aus, dass keine Tournee stattfinden kann, aber zwei Produktionen zumindest bühnenreif produziert werden können – für wann auch immer. Dann würde der Fehlbetrag immer noch sechsstellig sein.

Man gehe nicht davon aus, dass die Kommune alleine das Theater aus dem Desaster rette. Die Stadt Leipzig und die Kulturstiftung des Freistaats Sachsen bestehen darauf, dass Titanick die Produktion „Upside Down“ bis zum 31. Dezember fertigstellt – sonst müssen 35 000 Euro zurückgezahlt werden. Köhler: „NRW erlaubt uns eine Verschiebung in das nächste Jahr 2021 – Leipzig und Sachsen nicht.“ Im Gegensatz zum Schiff hat das Theater Titanick mit vielen Eisbergen zu kämpfen – Ausgang ungewiss.

Das Theater Titanick werde immer wieder für seine Internationalität gelobt und gefeiert, so Köhler, jetzt nütze das aber gar nichts, im Gegenteil: „Wir stellen fest, dass wir durch sämtliche Raster fallen.“ Und so könnte die Geburtstagsfeier zur Totenfeier werden. Auf dem Schiff Titanic spielte die Kapelle als letztes Lied den Choral „Näher mein Gott zu dir“ – ein bekanntes Beerdigungslied . . .

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