Stephan Us ruft für „Pssssst!“ zum Mitmachen auf
Ungeplante Laborsituation

Münster -

Unverhofft kommt oft: Stephan Us hat sein neustes Langzeitvorhaben „Pssssst!“ seit Längerem geplant. Der Start: März 2020. Dass just zum Auftakt ein Virus die halbe Welt in Atem hält, Deutschland zur Ruhe gezwungen ist, damit hatte selbst der Performance-Künstler nicht rechnen können.

Donnerstag, 26.03.2020, 11:42 Uhr
Die Welt steht still. Der Münsteraner Stephan Us fordert dazu auf, ihm Beiträge für sein Projekt „Pssssst!“ zu liefern.
Die Welt steht still. Der Münsteraner Stephan Us fordert dazu auf, ihm Beiträge für sein Projekt „Pssssst!“ zu liefern. Foto: Gerhard H. Kock

Unverhofft kommt oft: Stephan Us hat sein neustes Langzeitvorhaben „Pssssst!“ seit Längerem geplant. Der Start: März 2020. Dass just zum Auftakt ein Virus die halbe Welt in Atem hält, Deutschland zur Ruhe gezwungen ist, damit hatte selbst der Performance-Künstler in seinen verwegensten Träumen nicht gerechnet, hatte er doch beabsichtigt, bis Ende April 2021 Laborsituationen zu schaffen, in denen Menschen zur Ruhe kommen können. „Mein Projekt hat jetzt eine Riesenlabor-Situation.“ Bei aller Belastung für viele Menschen – für den Künstler passen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Münsteraner wünschte sich noch zu den lärmenden Zeiten vor Corona mit dem Dichter Rainer Maria Rilke : „Wenn es doch nur einmal so ganz stille wäre, . . .“

Der kulturelle Reigen um Stille und Schweigen mit dem Titel „Pssssst! – Es ist still geworden“ startet in Zeiten von Corona mit einer geistigen Mitmach-Aktion. Der Aktionskünstler weiß um die neuen Räume, die durch die Abwesenheit von Konventionen, Gewohnheiten, Ritualen entstehen, und richtet seine Fragen an die Gesellschaft: „Wie geht es Dir in dieser neuen Situation? Was macht diese Abwesenheit? Wie nimmst Du diese neuen stillen Räume wahr? Wie sehen sie aus? Was fühlst Du dabei?“ Stephan Us wünscht sich, dass die Menschen einen Ausdruck für ihre neue Lage finden. Dabei sei es egal, ob Gedicht, dokumentarischer Text, Foto, Klang, Zeichnung oder Erzählung. „Es geht um den Ausdruck dieser neuen Räume und Erfahrungen“, so Us. Aus den ihm zugesandten Bildern, Texten, Klängen, Gedichten, Ideen, Assoziationen will der Künstler den kulturellen Reigen „Pssssst!“ um Stille und Schweigen entwickeln.

Eingeflochten in ein Kooperations- und Partnerschaftsnetz von regionalen und internationalen Kunstinstitutionen, Performancenetzwerken und Personen unterschiedlicher Disziplinen – vom Abt, Biologen, Butoh-Tänzer über Gebärdensprachler, Neurowissenschaftler, Spaziergangsforscher, Philosophen bis zum Performance-Kollektiv sowie vor allem mit den Experten des Alltags will Us die Ergebnisse und Erfahrungen aus den Werkstätten und Laboren in Aktionen, Ausstellungen und Interventionen mit den Teilnehmern gemeinsam künstlerisch derart transformieren, dass neue Räume der Stille entstehen.

Begleitet werden die „Labore“ von künstlerischen Beiträgen – wie den kollektiven Blicken in die Himmelsstille, lautlosen Gedichten in Gebärdensprache in innerstädtischen Hotspots, einem öffentlichen „Schweige Ma(h)l“ an einer 20 Meter langen Tafel, Vorträgen an Lärmschutzwänden, einer App für Orte der Stille, Wanderungen durch münsterländische Wälder zur lautlosen Kommunikation der Pflanzen, einem Tanztheater für Kinder, in dem die Stille wie eine Schnur ist, der Totenstille, Schweigestunden für Politiker bis zu den Blüten des Schweigens, heißt es in einer Pressemitteilung.

Us setzt sich seit bald 20 Jahren mit dem Paradoxon des Nichts auseinander. Seit 2006 sammelt er dazu in seinem weltweit einzigartigen „Archiv des Nichts“ Materialien – mittlerweile weit über 3000 Beiträge.

Wer beim „Pssssst!“ mitmachen möchte, kann seinen Beitrag an us@archiv-des-nichts.de schicken oder per Post an: Stephan US – Archiv des Nichts, Staufenstraße 46, 48145 Münster.

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