Illustratorin Lilli L’Arronge erzählt auf 70 Seiten von ihrer „Familienbande“
Wege zum Erschöpfungsglück

Münster -

„Beep Beep“ geht der Wecker, die Hamster honorieren die frischen Salatblätter mit „Fiiiep Fiiiep“. Doch, ob auffordernd, fröhlich oder bettelnd: Es ist für Mutter Christine nicht leicht die Kinder zum Aufstehen zu bewegen. Schließlich nimmt Vater Robert die älteste Tochter Johanna Huckepack und fährt als „Zug“ mit „Tsch Tsch“ zum Frühstückstisch.

Samstag, 28.03.2020, 15:52 Uhr aktualisiert: 28.03.2020, 16:36 Uhr
Die Illustratorin Lilli L’Arronge hat turbulentes Familienleben humorvoll zwischen zwei Buchdeckel gepackt.
Die Illustratorin Lilli L’Arronge hat turbulentes Familienleben humorvoll zwischen zwei Buchdeckel gepackt.

„Beep Beep“ geht der Wecker, die Hamster honorieren die frischen Salatblätter mit „Fiiiep Fiiiep“. Doch, ob auffordernd, fröhlich oder bettelnd: Es ist für Mutter Christine nicht leicht die Kinder zum Aufstehen zu bewegen. Schließlich nimmt Vater Robert die älteste Tochter Johanna Huckepack und fährt als „Zug“ mit „Tsch Tsch“ zum Frühstückstisch. Doch da wollen die Kids lieber lesen, als Brot oder Müsli essen. Und die Eltern müssen sich erneut etwas einfallen lassen. Mutter und Vater – jeder auf seine Weise. Mal erfolglos, mal erfolgreich, mal irgendwo dazwischen.

Solche Szenen hoch drei finden in diesem Corona-Zeiten in vielen Haushalten statt, sind Eltern doch nicht nur als Versorger, sondern auch als Lehrer, Trainer, Päd­agogen gefragt: herausfordernder Stress. Mit ihrem neuen 70-seitigen Comicbuch „Familienbande“ hat Illustratorin Lilli L’Arronge (im wahren Leben Christine Nippoldt) einen Volltreffer gelandet – als exzellente Beobachterin von kindlichen und erwachsenen Gefühlsschwankungen, von Kontrolle und Sich-gehenlassen. Ob beim Kampf, die Kinder zum Waldbesuch zu bewegen oder so müde zu machen, dass sie selbst abends ins Bett fallen: Die sechs „Familienbande“-Geschichten sind voller wacher Situationskomik, aber auch ernst und hintergründig, immer voller Respekt und herzerwärmend.

Das Zusammenleben von Groß und Klein wird erwachsenen Lesern bekannt vorkommen. Die wunderbaren Zeichnungen, kecken Sprechblasen und Botschaften dazwischen werden aber auch Leseanfänger erfreuen. Genau deshalb kam Christine Nippoldt auf die Idee. „Seit drei Jahren bin ich mit meinem Mann bei der Paartherapie. Unsere spannenden Erfahrungen dabei habe ich in kleinen comicartigen Zeichnungen verarbeitet“, sagt die Münsteranerin im Gespräch mit dieser Zeitung: „Als meine Tochter Johanna in die erste Klasse kam, hab ich überlegt, welches Buch sie zum selbst Lesen animieren würde, und da fielen mir diese Comics mit uns selbst als Hauptfiguren wieder ein.“ So entstand das erste Buchkapitel. „Ich hab eine Episode aus unserem Familienleben für Johanna geschrieben und gezeichnet, ganz simpel mit Bleistift auf ein Kopierpapier“. Es gab nur wenig Text in den Sprechblasen. „Den hat uns Johanna dann tatsächlich vorgelesen und wir haben alle sehr über uns selbst gelacht.“

Das passiert dem Leser von „Familienbande“ öfters. Nippoldt hat an der Bauhaus-Universität in Weimar Visuelle Kommunikation und danach in Münster Illustration studiert. Sie überzeugt in „Familienbande“ mit leuchtenden Farben, leicht kantigem Strich, der die Dinge oft auf das Wesentliche reduziert und Sprechblasen in Schablonierschrift, wie spontan gestempelt.

Und wie viel aus Nippoldts eigenem Familienleben steckt in dem Buch? „Das ist alles 100 Prozent autobiografisch“, sagt die 41-Jährige: „Zum Teil hab ich Dialoge wörtlich übernommen.“ Denn bei all den Buch-Neuerscheinungen will Christine Nippoldt die Bücher machen, „die ich selbst mit den Kindern lesen will“. Worin liegt für die bekennende „Morgenmuffelin“ die Stärke einer Familienbande? „Dass wir es immer wieder schaffen, Spaß miteinander zu haben. Der Schul- und Sozialreformer Pestalozzi soll ja mal gesagt haben: Du musst dreimal am Tag lachen: einmal über dich selbst, einmal über dein Kind und einmal mit ihm zusammen. Das ist nicht immer zu schaffen, aber wenn es gelingt, dann geh ich abends glücklich ins Bett.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7347452?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Nachrichten-Ticker