Magdalena Kryspin kam nach dem Mauerfall aus Polen nach Deutschland
„Beide Heimaten sind in mir“

Münster -

In ihrem neuen selbst komponierten Song „Sag mir“ beschäftigt sich Magdalena Kryspin mit der Frage, was eigentlich ihre Heimat ist.

Dienstag, 31.03.2020, 12:36 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 16:43 Uhr
„Musik ist so wichtig, wie mein Herz“, sagt Magdalena Kryspin, die hofft, am 10. Mai in der nächsten Adam-Riese-Show auftreten zu dürfen.
„Musik ist so wichtig, wie mein Herz“, sagt Magdalena Kryspin, die hofft, am 10. Mai in der nächsten Adam-Riese-Show auftreten zu dürfen. Foto: Christian Clarke

„All die Straßen sagen mir nichts. Die Gesichter, die nehme ich mit. Du und ich wir waren eins. Geborgen, geliebt, daheim. Trauerweiden tanzen vor unserem Block. Sag mir, wo komm ich her.“ In ihrem neuen selbst komponierten Song „Sag mir“ beschäftigt sich Magdalena Kryspin mit der Frage, was eigentlich ihre Heimat ist.

1979 kam die in Münster vor allem durch ihre regelmäßigen Auftritte beim „After Church Club“ (Hot Jazz Club) und beim „Love-Shack“ (Atelier-Bar) bekannte Sängerin im polnischen Bydgoszcz, heute Bromberg, auf die Welt. Als die Mauer sich im Herbst 1989 öffnete, wanderten die Eltern mit ihr und ihrem neun Jahre älteren Bruder nach Deutschland aus. Da war Magdalena Kryspin gerade zehn Jahre alt. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich zum ersten Mal eine Autobahn sah, nachts, wie eine endlose Lichterkette“, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ich dachte, dass da am Ende der völlig geraden Strecke wohl etwas Schönes kommen wird.“ Die Ernüchterung war groß. „Wir kamen erst in einem Haus mit 15 Familien in Bocholt unter. Jede Familie hatte nur ein Zimmer. Bad und Küche mussten sich alle teilen.“ Der erste Schultag spornte sie an. „Ich war erst stumm wegen der fremden Sprache, dann ehrgeizig und diszipliniert. So lernte ich schnell Deutsch, vielleicht auch weil ich ein gutes Gehör habe.“

Gute Laune brachte immer die Musik, für die der Vater zuhause sorgte. „Als Kind spielte ich Geige, als Elfjährige hatte ich das erste Mal eine Gitarre in der Hand, hatte aber nie Unterricht.“ Mit 14 sang sie in der Schulband „Stairway to Heaven“ die „oktavierte Engelsstimme.“ Gesangsunterricht hatte sie später bei Nikola Materne und Elke Wehling. Außerdem sang sie in der Band „The Cryspins“ rund um den Gitarristen Siggi Mertens.

Kryspin studierte an der Uni Münster Lehramt, wohnte erst in Mecklenbeck in einem Ein-Zimmer-Appartement, später im Südviertel. Mittlerweile ist sie im Hauptberuf Lehrerin, gibt Deutsch, Mathe und Sport an einer Realschule und feilt an ihrem ersten Album. „Zehn Stücke habe ich schon geschrieben, zwischen Jazz, Soul und Deutschpop.“ Es geht um Melancholie, Liebe und Lebensfreude. Das Besondere an ihrer Stimme ist die Balance zwischen Dynamik und Gefühl. Mal soulig-tief (sie röhrt gewaltig bei ihrer Interpretation von Stevie Wonders „Signed Sealed Delivered“), mal glasklar (ähnlich Eva Cassidy), immer aber auf den Punkt gesungen, mit bodenständiger Herzenswärme.

„Musik ist so wichtig wie mein Herz. Ich ziehe da so viel Energie und Kraft raus. Musik bringt mir Glück.“ Das überträgt sich auf das Publikum, auch weil sie immer mit einem Lächeln singt. Derzeit probt Magdalena Kryspin für ihren Auftritt in der Adam-Riese-Show am 10. Mai in der „Cloud“. Und Corona? „Wir sind guter Dinge, dass die Show stattfindet.“

Fühlt sie sich denn jetzt als Polin oder Deutsche? „Auch wenn deutsch in meinem Pass steht, sind beide Heimaten in mir. Herzlichkeit und Ehrlichkeit zeichnet beide Nationen aus. Ich fühle mich als Mensch mit einer Geschichte, die beide Länder verbindet.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7349975?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Nachrichten-Ticker