Freuynde und Gaesdte zeigen „Die Lautmaschine“ als Film
Lehrreiches von einem Spinner

Münster -

Freuynde und Gaesdte sind überwiegend ausverkauft. Jetzt hat jeder die Chance, sich die neuste Produktion anzusehen. Corona macht´s möglich.

Mittwoch, 29.04.2020, 06:59 Uhr
Der alten Eibe im Drostenhof ist in Wirklichkeit nichts passiert! Zeha Schröder als
Der alten Eibe im Drostenhof ist in Wirklichkeit nichts passiert! Zeha Schröder als Foto: f+g

Ein zauseliger Kauz tappst mit seltsamen Geräten zum Sound von Fagott und Posaune an einer alten Mauer entlang, schaut links, schaut rechts und klettert über dieselbe. Was Jungs halt so machen . . . Aber die Zuschauer sehen eine Geschichte, die selbst für ein sturmerprobtes Theater wie „Freuynde und ­Gaesdte“ eine Herausforderung ist. Eines vorweg: Die Geschichte ist riskant für Freunde von Schnittblumen, und selbst für Vegetarier wird es eng . . . Käme es, wie gehört, wäre Corona ein Kinderspiel.

Dabei ist Corona die Ursache dafür, dass die Spezialisten für ortsspezifisches Theater an einen Ort verbannt sind, der ihrem originären Charakter zuwiderläuft: authentisches Spiel in präzise passenden Räumen mit Geruch, mit Geräusch und vor allem mit Nähe. All das vermittelt das Internet nicht.

Freuynde und ­Gaesdte hatten die Produktion „Die Lautmaschine“ nach Roald Dahl für den Botanischen Garten inszeniert. Dann kam Corona. Nun sind Stefan Nászay und Zeha Schröder in einer Filmversion der Bühnenfassung auf Youtube zu sehen – eine kurzweilige und lohnenswerte Stunde, in der die Zuschauer Dr. Schott, eine alte Eibe und vor allem Herrn Klausen kennen lernen und unterhaltsam befremdlich finden werden.

Klausen reimt sich nicht von ungefähr auf Flausen. Angepasst auf die Corona-Verhältnisse hat Zeha Schröder die Geschichte als verbotene Tat in den Garten des Drostenhofes verlegt. Dort will jener Lautforscher nach den höchsten Tönen suchen, die er in der Pflanzenwelt zu finden annehmen muss – nach einschneidenden Vorerfahrungen.

Skurrile Experimente

Der Film zeigt skurrile Experimente mit der Flora – vom Gänseblümchen bis zum Taxus baccata. Psychedelische Sequenzen in Schwarz-weiß mit süßlichen und schrillen Klängen liefern assoziative Bilder von Erinnerungen über Zeiten hinweg. Die Kamera verfolgt Dr. Schott und seinen redenden Freund (oder Patienten?), an dem der Arzt fast irre wird – fast. Dabei sind Klausens Monologe lehrreich, geht es doch um eine Entstehungsgeschichte der Zivilisation durch Ausnutzung der Natur, die Grenzen von Wahrnehmung, Phantomblatteffekte der Kirlianfotografie und geheimnisvolle Ypsilon-Röhren. Da hat Google hinterher einiges zu tun . . .

Zeha Schröder spielt gespenstisch echt verschroben, und sein Gegenüber Stefan Nászay schwankt glaubhaft zwischen Neugier und Besorgnis. Aber es bleibt dabei: Film ist kein Ersatz für das Live-Erlebnis. Immerhin wird der Zuschauer im Film getröstet durch stimmige Perspektivwechsel sowie optische und dramaturgische Akzente. Dass Kamera und Ton ebenfalls von den beiden Darstellern stammen, ist kaum zu glauben. So gilt für diese Produktion, diese Zeiten und überhaupt eine Weisheit, die ausgerechnet vom mutmaßlichen Spinner Klausen stammt: „Manchmal ist die Wirklichkeit eben nicht so simpel, wie wir sie uns wünschen.“

Freunyde und Gaesdte geben eine Abspann-Aktie heraus, die die Unterstützer des freien Theaters erhalten.

Freunyde und Gaesdte geben eine Abspann-Aktie heraus, die die Unterstützer des freien Theaters erhalten. Foto: f+g

Die Zuschauer können sich über die Homepage der Freuynde erkenntlich zeigen, das Theater unterstützen und erhalten dafür eine Abspann-Aktie.

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