Diözesanmuseum Paderborn zeigt die Schau „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“
Tiefe Emotionen und großes Pathos

Paderborn -

Mit fast zweimonatiger Verspätung wegen der Corona-Krise startet am Samstag eine Rubens-Ausstellung im Diözesanmuseum Paderborn. Die Schau widmet sich unter anderem den religiösen Werken des flämischen Malers Peter Paul Rubens (1577-1640), der Umgestaltung und „Barockisierung“ des Paderborner Doms sowie dem Einfluss des Meisters auf Künstler in Westfalen. Besucher dürfen sich auf opulente, gefühlsstarke Bilder freuen.

Donnerstag, 23.07.2020, 17:48 Uhr
Museumspädagogin Britta Schwemke betrachtet das Gemälde „Auferstehung Christi“ von Peter Paul Rubens (1577-1640). Im Hintergrund ist sein Bild „Beweinung Christi“ zu sehen.
PADERBORN, DEUTSCHLAND - Mai 2020: Rubens Ausstellung im Diözesanmuseum Museumspädagogin Britta Schwemke schaut sich die Auferstehung Christi an(Foto: Jörn Hannemann) Foto: Joern Hannemann

Barocke Kirchen sind auch ein Stück weit religiöses Theater. Darin wird der Triumph des Glaubens über irdisches Leid, abgrundtiefe Verzweiflung und den Tod inszeniert. Peter Paul Rubens (1577-1640) war derjenige, der meisterhaft die Bühnenbilder für dieses religiöse Theater geschaffen hat. Ihm widmet das Diözesanmuseum in Paderborn eine große Austellung, die von Samstag an bis zum 25. Oktober zu sehen sein wird.

Ausgehend vom Paderborner Dom würdigt die Schau „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“ aber nicht nur den Superstar des Barock, sondern auch Künstler aus seinem Umfeld wie die Brüder Antonius und Ludovicus Willemssens. Sie kamen auf Einladung des Fürstbischofs Dietrich Adolf von der Recke Mitte des 17. Jahrhunderts aus Antwerpen nach Paderborn und gestalteten das Gotteshaus sechs Jahre lang barock um. Stuck, Putten, mächtige Pfeiler und Pflanzenranken hielten Einzug. Wie sie das machten, zeigen eine virtuelle Rekonstruktion des Paderborner Doms im Barockzeitalter und das Altargemälde „Anbetung der Hirten“ gleich am Anfang der Ausstellung.

Nach Bombenangriffen im letzten Kriegsjahr waren von dem Gemälde nur noch Fragmente übrig geblieben. Für die Ausstellung wurde das Kunstwerk restauriert und entfaltet jetzt wieder seine Pracht. Ein lokales Ereignis zu wählen und dann aufs Große zu verweisen, auf den prägenden Einfluss, den Rubens auf die Kunst seiner Zeit ausübte, ist typisch für die Ausstellungen des Direktors des Diözesanmuseums, Christoph Stiegemann . Nach erfolgreichen Mittelalterausstellungen wie die über die Karolinger und die christliche Missionierung Europas („Credo“) verabschiedet sich Stiegemann mit Rubens nach 30 Jahren an der Spitze des Museums. Ein „unerschöpflicher Bild- und Erfindungsreichtum“ habe Rubens genauso ausgezeichnet wie das grenzenlose Selbstbewusstsein, ein überragender Künstler zu sein, sagte Christoph Stiegemann am Donnerstag bei der Präsentation der Ausstellung. Rubens habe sich konsequentvermarktet und ein enormes Werk hinterlassen. Allein 1500 Altargemälde ließen sich ihm und seiner Werkstatt direktzuordnen.

Rubens – das ist Pathos, das sind große Gesten und Emotionen, das sind ungewöhnliche Perspektiven, den Betrachter überwältigende, ihn hineinsaugende Bilder. So wie das um 1612 entstandene Werk „Beweinung Christi“, in dem der tote Jesus auf einem Salbstein leicht diagonal zum Betrachter liegt und Maria mit der Hand sanft das linke Auge ihres Sohnes schließt. „Der Leib springt einen an, die Vitalität drückt den Sieg über den Tod durch den Tod aus“, beschrieb Stiegemann die Dynamik und Botschaft des Werkes.

Knapp 40 der 150 Exponate stammen von Rubens selbst und aus seiner Werkstatt. Sie ermöglichten seltene Einblicke in den Prozess der Ideenfindung und offenbarten „die unglaubliche Kraft und Virtuosität“ des Meisters, sagt die Kuratorin Karin Wermert. In der Schau gehe es aber auch um das Umfeld, um Antwerpen als „Mittelpunkt der Kunstproduktion“ neben Rom, und außerdem um westfälische Künstler wie Johann Boeckhorst, die von Rubens inspiriert wurden.

Bis zum 25. Oktober im Diözesanmuseum Paderborn; Di bis So von 10 bis 18 und jeden ersten Mittwoch im Monat bis 20 Uhr geöffnet. Eintritt: 9 Euro. Wegen Corona dürfen sich maximal 80 Personen gleichzeitig in der Ausstellung aufhalten.

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