Die Künstlerfreunde Pablo Picasso und Joan Miró in Münster
Schönes Geschenk für den Egomanen

Münster -

Pablo Picasso bleibt Herr im Haus, doch das nach ihm benannte Kunstmuseum in Münster hat kürzlich Zuwachs bekommen: eine Joan-Miró-Sammlung als Dauerleihgabe. Jetzt sind die Bilder in einer Ausstellung zusammen mit ausgewählten Picasso-Werken zu sehen.

Freitag, 18.09.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 18:44 Uhr
Willkommen zu Joan Miró, scheint „Die Sandratte“ (1975, Aquatinta) den Besuchern zuzurufen.
Willkommen zu Joan Miró, scheint „Die Sandratte“ (1975, Aquatinta) den Besuchern zuzurufen. Foto: Successió Miró/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Es begann mit einem Kuchen. Den brachte der katalanische Künstler Joan Miró seinem älteren Landsmann Pablo Picasso im Jahr 1920 mit nach Paris, als Gruß von Mama Picasso aus der spanischen Heimat. Die Freundschaft zwischen dem schüchternen Miró und dem extrovertierten Picasso überdauerte die Jahrzehnte – sicherlich auch, weil sie sich bei allem Respekt und gegenseitiger Befruchtung künstlerisch nicht ins Gehege kamen, wie Markus Müller vermutet. Der Leiter des Kunstmuseums Pablo Picasso sieht es als „schönstes Geschenk“ für Picasso an, seinen Freund zum 20-jährigen Museums-Bestehen ins Haus zu holen. Was mit der Sammlung, die der Sparkassenverband Westfalen-Lippe kürzlich als Dauerleihgabe spendierte, geschehen ist und jetzt durch die üppige Ausstellung „Picasso/Miró – Eine Künstlerfreundschaft“ sichtbar wird.

Es beginnt mit einer Sandratte. Dieses hier so freundlich erscheinende Tier ist der erste Blickfang im „Bestiarium“, dem eröffnenden Ausstellungsraum, wo sich zu den wohlbekannten Picasso-Tieren Stier, Taube, Kröte und Eule allerlei bunte Gestalten aus Mirós Schaffen gesellen, etwa eine Maus oder ein Vogeldorf. Der fast spielerische Zugang, den dieser und der zweite Ausstellungsraum „Modenschau“ den Besuchern bieten, lässt zugleich die Unterschiede deutlich werden: Zwar lehnten beide Künstler vehement die Abkehr von der gegenständlichen Malerei ab; doch während Picasso etwa verschiedene Versionen seiner „Frau im Lehnstuhl“ erprobt, geht Miró in der „Modenschau in Peru“ deutlich weiter Richtung Abstraktion.

Der große Raum im unteren Stockwerk ist der Begegnung beider Künstler mit den Surrealisten in Paris gewidmet. Joan Miró, der von seinem Maler-Nachbarn André Masson zu den Treffen der Künstlergruppe um André Breton geladen wurde, hatte laut Markus Müller viel mehr für die Ideen dieser Neuerer übrig als Picasso, der sich lediglich ihrer Formen bediente – schön hier zu sehen in Mirós „schmutzigen Händen“, die aussehen wie ein großer schwarzer Kaffeefleck auf der Morgenzeitung, oder dem „Troubadour“, der eigentlich ein Korkenzieher für Laien ist. Die schönen Großformate in diesem Raum werden ergänzt durch eine feine Kollektion von Radierungen, die zum direkten Vergleich einladen.

Vergleiche zwischen den ungleichen Freunden drängen sich auch im Raum mit den Fotos auf, weil dem „bekennenden Egomanen Picasso“ (so Markus Müller) ein ganz bürgerlich sein Werk verrichtender Miró gegenübersteht. Ihm habe es gereicht, die zweite Geige neben dem Primarius Picasso zu spielen, erklärt Müller, der die schöne Miró-Sammlung selbst in Paris zusammenstellen durfte und sie im Rahmen dieser Ausstellung nun so gut wie vollständig präsentiert.

Im oberen Stockwerk kommt einem der Picasso-Freund so farben-fröhlich entgegen, wie man ihn kennt, etwa mit einem „Aufstieg zum Mond“ oder dem kuriosen „Dirigent“. Doch er selbst und seine Bewunderer lehnten das Reduzieren auf den heiteren Träumer Miró stets ab, seine Huldigungen an Katalonien und den Stararchitekten Antoni Gaudí (nach Francos Tod) zeigen ihn als politisch engagiert, auch wenn er nicht Picassos Weg ins Exil mitging. Und seine Radierungen zur Commedia dell’arte zeigen viel dunklere Töne, als alle Klischees erwarten lassen.

Vom 19. September bis zum 31. Januar 2021 täglich 10 bis 18, freitags bis 19 Uhr geöffnet. Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster hat im Zusammenhang mit der Corona-Situation auch Online-Tickets mit Zeitfensterbuchung eingeführt.

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