Förderverein Aktuelle Kunst: Nur die halbe Mannschaft öffnet diesmal ihre Ateliers
Sprechendes Auto – strahlende Kringel

Münster -

Nur die halbe Mannschaft – sprich: sieben Künstler des Fördervereins Aktuelle Kunst (FAK) an der Fresnostraße öffnen in diesem Herbst wegen Corona ihre Ateliers. Schauwerte gibt es für Besucher dennoch reichlich.

Freitag, 18.09.2020, 18:44 Uhr
Matthias Zölle
Matthias Zölle

Die Corona-Krise – sie findet direkten Nachhall bei den Offenen Ateliers des Fördervereins Aktuelle Kunst (FAK). Vorgegebene Gehrichtung, Pfeile zur Orientierung und Bälle, die eine Übersicht über die auf 30 begrenzte Zahl der Besucher im Haus 8 und 8a geben, sollen alle in Sicherheit wiegen – auch die „Halbe Mannschaft“ an Atelierkünstlern, die in diesem Corona-Herbst nur an der Gemeinschaftsausstellung beteiligt ist. Ein Sonderformat also, das gleichwohl so kuriose Dinge wie ein sprechendes Auto, maskierte Spinnenwesen und vielleicht den großen Knall hervorbringt.

Letzteren darf erwarten, wer das Atelier von Bettina Dettmer und Willi Kramer aufsucht. Luftballons tanzen darin, von Ventilatoren angetrieben, über ein Glas- und Scherbenfeld. Nebenan streben mit Helium gefüllte Ballons an Kordeln in die Höhe, die auf den zartesten Lufthauch reagieren – der bekanntlich gut gegen Corona ist. Dettmer und Kramer zeigen auch eine Außeninstallation, bei der Nebel, der aus Rohren aus dem Keller kommt, löchrigen Pullovern oder einem Einmal-Handschuh entweicht. Aus dem krass geparkten Auto, aber auch aus diversen auf dem Außengelände verteilten Kofferradios erklingen Vorträge zweier Mediziner aus Münster, die über Kunst und Corona referieren.

Die „Verpuppungssituation“ hinter dem Haus mit drei spinnenartigen Wesen auf staksigen Beinen und wurstförmigen Kokons hat Gast Oliver Fromm aus Hamm geschaffen. Im Haus 8 findet sich zudem eine Reihe mit eindrücklichen Zeichnungen von Fromm, die nicht von ungefähr an Schrecken verbreitende Viren erinnern.

Davon ist Jin Soo Park weit entfernt. Der Meisterschüler an der hiesigen Kunstakademie hat sich mit der Droste beschäftigt und sich – coronabedingt – mittels Virtual-Reality-Brille Zugang zum Haus Rüschhaus verschafft – eine krasse Verknüpfung zweier Zeitebenen.

Während Gertrude Neuhaus ihre abstrakte Malerei in den Fluren und in Sara’s Wohnzimmer an der Grevener Straße 171 präsentiert, zeigen Claudia und Mareike Seibert unter dem Titel „Nah & Fern“ abstrakte Malerei in Miniatur- und Großformat, die miteinander in Dialog treten. Und die Frage aufwerfen: Was war zuerst da? Antwort: Die Großformate sind älteren Datums.

Anke Gollub präsentiert eine dreiteilige Arbeit, die in Corona-Zeiten entstanden ist. Kleine senkrechte Striche hat sie aufs Papier gesetzt. Und nicht nur der Titel „3H – BZ – HZ“ deutet an, dass sie dabei mit drei Bleistiftstärken gearbeitet hat. Gast Matthias Zölle zeigt in Gollubs Atelier zwei von 14 Fotografien aus dem Zyklus „Sommer“, die seine Abkehr von der gegenständlichen zur abstrakten Fotografie verdeutlichen. Während die Farbe die verwischte Mohnblume verrät, löst sich die Unschärfe im anderen Bild in strahlende Kringel auf.

Apropos Strahlen: Lisa Tschorn präsentiert Leuchtbilder – Ergebnis eines Kofferscanners, der  Gegenstände nach ihrer Dichte klassifiziert: Grün der Schädel für mittlere, orange die Ananas für geringe und blau die Kofferscharniere für die höchste, metallene Dichte. Wie abstrakte Malerei muten Tschorns insgesamt vier Leuchtwerke an. Anna Stern wiederum zeigt – auf Staffelei – die Videoarbeit „Transformation“, die den Vorgang von Zeugung und Geburt in faszinierenden Sequenzen aufgreift. Rätseln darf auch, wer Anja Kemkers Atelier aufsucht, in dem sie per Beamer wundersame Landschaftsfotografien an die Wand wirft.

FAK, Fresnostraße 8 + 8a; geöffnet: Sa + So von 15 - 19 Uhr.

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